Wirtschaft

Hoffnung auf Nutzen statt Deppen Ethereum drängt die Bitcoin-Dominanz zurück

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Vitalik Buterin, Entwickler von Ethereum, wurde durch den Kursanstieg jüngst zum Milliardär.

(Foto: picture alliance / TASS)

Bislang wurde die Kryptowelt vom Bitcoin, einer Währung weitgehend ohne praktischen Nutzen, beherrscht. Auch die Spaßwährung Dogecoin erlebt einen Hype. In deren Windschatten macht Ethereum riesige Kurssprünge. Auf dessen Blockchain basieren echte, möglicherweise revolutionäre Geschäftsmodelle.

Die mediale Aufmerksamkeit in der Kryptoszene war an diesem Wochenende ganz auf Elon Musk und das extreme Auf und Ab der Spaßwährung Dogecoin gerichtet. Nach seinem Auftritt in der Comedy-Sendung "Saturday Night Live" legte Musk noch einen drauf und verkündete gar die erste Mondmission eines mit Dogecoin finanzierten "Kryptosatelliten". Im Schatten dieses Hypes hat allerdings eine andere Kryptowährung einen neuen Kursrekord aufgestellt, deren Gegensatz zur weitgehend anwendungslosen Meme-Münze Doge kaum größer sein könnte: Ethereum hat in der vergangenen Nacht die Rekordmarke von 4000 Dollar durchbrochen.

Damit ist die Marktkapitalisierung, der theoretische Gesamtwert aller Ether, der Coins des Ethereum-Netzwerks, auf etwa 480 Milliarden Dollar gestiegen. Das ist zwar immer noch etwas weniger als die über eine Billion Dollar, die alle Bitcoin zusammengezählt wert sind. Doch Ethereum als bislang zweitgrößte Blockchain hat in den vergangenen Wochen die Dominanz der ältesten und mit Abstand bekanntesten Cyberwährung stark zurückgedrängt. Während sich der Bitcoin-Kurs seit Jahresbeginn etwa verdoppelte, stieg der von Ethereum sogar um mehr als das Fünfeinhalbfache. Bitcoin vereinte auf sich in den vergangenen Jahren weit über die Hälfte der gesamten Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen. Vor allem aufgrund des jüngsten Kurssprungs bei Ethereum ist das nun nicht mehr der Fall.

Im Gegensatz zum Dogecoin, dessen Popularität auf einem Internet-Meme und von auf Twitter und Reddit verbreiteten Parolen wie "Zum Mond" und "Doge ist die Währung des Volkes" beruht, steht hinter dem Boom bei Ethereum tatsächlich die Hoffnung auf die Etablierung realer Geschäftsmodelle. Damit unterscheidet sich Ethereum auch fundamental von der Ur-Kryptowährung Bitcoin, dessen Anhänger vor allem damit argumentieren, sie eigne sich als eine Art "digitales Gold" zur "Wertaufbewahrung" und zum Schutz gegen Inflation.

Hochspekulative Geldanlage

Derweil arbeiten unzählige Entwickler und Startups an Anwendungen auf der Grundlage der Ethereum-Blockchain, die etwa komplexe Abrechnungen, Kredit- und Versicherungsgeschäfte zwischen Usern ohne einen zentralen Akteur wie eine Bank oder Versicherung möglich machen. Dies könnte die Finanzwelt, oder Teile davon, revolutionieren. Ob und welche dieser unter dem Begriff "dezentrale Finanzen" (Defi) firmierenden Geschäftsmodelle jemals zum Durchbruch gelangen werden, ist noch offen. Ethereum hat dabei auch die Konkurrenz anderer Blockchains, die teils noch schneller und günstiger sind. Ethereum galt bei einigen Beobachtern bereits als überholt. Neue Updates sollen die Blockchain jedoch wieder konkurrenzfähig machen.

Investitionen in Ethereum sind hochspekulativ, wie bei allen Kryptowährungen. Doch im Gegensatz zu Bitcoin und Dogecoin wetten die Anleger bei Ethereum und konkurrierenden Blockchains wie Solana oder der Binance Smart Chain auf den Erfolg praktischer Anwendungen und nicht nur auf den "nächstgrößeren Deppen", den sprichwörtlichen "next greater Fool", der ihnen die Münze auch ohne jeden realen Nutzen zu einem höheren Preis wieder abkaufen wird.

Quelle: ntv.de, mbo

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