Wirtschaft

Verbraucherpreise unter Druck Euro-Inflation gibt der EZB zu denken

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Was tun, wenn die Preise in die andere Richtung laufen? EZB-Chef Mario Draghi verantwortet die größte geldpolitische Operation der europäischen Finanzgeschichte.

(Foto: REUTERS)

Verfehlen Nullzinspolitik und Anleihenkäufe ihre Wirkung? In der Eurozone entwickeln sich die Preise im Februar anders als erwartet. Allen Bemühungen der Währungshüter zum Trotz schwächt sich der Preisauftrieb im Währungsgebiet weiter ab.

Der Preisanstieg in der Eurozone hat sich im Februar erneut verlangsamt. Die Verbraucherpreise seien im Jahresvergleich um 1,2 Prozent gestiegen, teilte das europäische Statistikamt Eurostat auf Grundlage einer ersten Schätzung mit. Im Januar lag die Rate noch bei 1,3 Prozent.

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Die Inflation im Euroraum liegt damit im Februar - gemessen am sogenannten Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) und der jeweiligen Veränderung zum Vorjahresmonat - auf einem so niedrigen Niveau wie seit Dezember 2016 nicht mehr. Mit dem erneuten Rückgang entfernt sich die Inflation zudem weiter vom Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB), die mittelfristig eine Teuerung von knapp unter 2,0 Prozent anstrebt. Selbst die Kernrate, bei der schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet werden, verharrte im Februar ebenfalls wie erwartet bei 1,0 Prozent.

Für die Währungshüter um EZB-Chef Mario Draghi ergibt sich daraus eine heikle Problemlage: Seit nunmehr fast drei Jahren pumpt die Zentralbank Monat um Monat zweistellige Milliardenbeträge in den Währungsraum, um die Konjunktur bis in die Randzonen hinein zu befeuern und einen drohenden Preisverfall zu verhindern. Das umstrittene Wertpapierpapierkaufprogramm läuft seit März 2015. Der Leitzins - bisher eigentlich die wichtigste Stellschraube der Geldpolitik - liegt seit fast zwei Jahren bei Null.

Vor diesem Hintergrund steht die Frage im Raum, ob die Instrumente der Europäischen Zentralbank ihre Wirkung verloren haben? Sollte sich die Entwicklung bei den Verbraucherpreisen fortsetzen und sich der Preisanstieg weiter abschwächen, müssen sich Draghi und seine Kollegen wohl oder übel nach neuen Ansätzen umschauen.

Die Einleitung einer Zinswende, wie sie derzeit in den USA zu beobachten ist, dürfte für die Europäer damit weiter in die Ferne rücken. Bislang hält die EZB unter Hinweis auf die anhaltend schwachen Inflationsentwicklung noch an ihrer Niedrigzinspolitik fest.

Bei ihren Anleihekäufen stößt die EZB jedoch spätestens in einem Jahr an ihre selbst gesteckte Grenzen: Die Zentralbanker werden das Programm Ende 2018, Anfang 2019 - nach den derzeit geltenden Ankündigungen - einstellen müssen. An den Finanzmärkten wird deshalb erwartet, dass sie die erwarteten Weichenstellung demnächst auch durch eine geänderte Wortwahl vorbereiten dürfte.

Die nächste Gelegenheit bietet sich der Zentralbank in wenigen Tagen. Kommende Woche tritt der geldpolitische Rat der EZB in Frankfurt zur nächsten turnusmäßigen Zinsentscheidung zusammen. Beobachter gehen davon aus, dass sich Draghi bei dem Treffen am 8. März auch zur Inflationsentwicklung äußern muss.

Quelle: ntv.de, mit DJ/dpa