Wirtschaft

Geburt der neuen Freihandelszone Europa verbündet sich mit Japan

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(Foto: REUTERS)

Dieser Deal dürfte Anhängern von Trumps Zollpolitik das Wasser in die Augen treiben: Europäer und Japaner schließen sich zur weltgrößten Freihandelszone zusammen. Der Pakt gilt als Signal. Es entsteht ein Wirtschaftsraum, in dem insgesamt 635 Millionen Menschen leben.

Mit dem Monatswechsel beginnt eine neue Ära in den europäisch-japanischen Beziehungen: Die Europäische Union und Japan bilden von diesem Freitag an die größte Freihandelszone der Welt. Das im vergangenen Sommer ausgehandelte und im Dezember verabschiedete Zollabkommen tritt zum 1. Februar offiziell in Kraft. Mit dem Start des neuen Wirtschaftspartnerschaftsabkommens entsteht ein gemeinsamer Markt, der Unternehmen und Verbrauchern auf beiden Seiten große Vorteile bringen soll.

Japan ist nach den USA und China die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde: Durch den Aufbau einer gemeinsamen Freihandelszone mit den Industrienationen in Europa entsteht ein Zusammenschluss aus regionalen Märkten mit insgesamt 635 Millionen Einwohnern. Ziel des EU/Japan-Handelspakts ("Jefta") ist es, Zölle und andere Handelshemmnisse nahezu vollständig abzubauen, um das Wachstum anzukurbeln.

Durch das Abkommen könnten europäische Unternehmen jedes Jahr eine Milliarde Euro an Zöllen einsparen, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Konsumenten biete es zudem eine größere Auswahl und günstigere Preise. Umwelt- und Verbraucherschützer sehen die neuen Handelsabkommen der EU hingegen kritisch.

Käse für Japan, Toyotas für Europa?

Aus der Sicht europäischer Unternehmen stellt Japan einen vielversprechenden Absatzmarkt mit kaufkräftiger Kundschaft und stabilen Rahmenbedingungen dar. Gemeinsam sind die EU und Japan für knapp ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung verantwortlich. Konkret sieht das Freihandelsabkommen zum Beispiel vor, dass europäische Nahrungsmittelproduzenten künftig verarbeitetes Schweinefleisch, aber auch bestimmte Käsesorten und Wein zollfrei nach Japan einführen können.

Die japanische Seite ist hingegen vor allem an den Zollsenkungen für Industriegüter - insbesondere Autos - interessiert. Auf Personenfahrzeuge aus japanischer Fertigung wird derzeit eine Abgabe von 10 Prozent erhoben, auf Nutzfahrzeuge von 10 bis 22 Prozent. Ob sich der Abbau der Zollschranken auch direkt auf die Verkaufspreise für japanische Auto-Modelle auswirken wird, ist noch unklar.

"Botschaft an die Welt" - und an Trump

Der Industrieverband BDI hatte zuvor das Abkommen als Meilenstein gelobt. "Damit stellen Japan und Europa den unsicheren globalen Wirtschaftsaussichten beispielhafte Marktoffenheit, hohe Standards und verlässliche Handelsregeln entgegen", hieß es. Als nächstes müssten die Abkommen mit Singapur und Vietnam beschlossen werden.

Umwelt- und Verbraucherschützer sind dagegen der Auffassung, dass die Deals vor allem den Interessen großer Konzerne gerecht werden und das Setzen von strengen Standards schwieriger machen. Die für die EU-Handelspolitik zuständige EU-Kommission weist diese Vorwürfe jedoch zurück. Mit dem Japan-Abkommen bekenne man sich zu gemeinsamen Werten und zur Einhaltung höchster Standards in Bereichen wie Arbeit, Sicherheit, Umwelt- und Verbraucherschutz.

In Brüssel wird zudem auch auf die politische Signalwirkung des Abkommens verwiesen. Als ein Grund für den schnellen Abschluss gilt der wirtschaftspolitische Kurs von US-Präsident Donald Trump. Die EU und Japan werfen Trump eine protektionistische Politik vor. Mit der Gründung einer riesigen Freihandelszone wird dem neuen isolationistischen Kurs ein starkes Gegenkonzept entgegen gesetzt. "Europa und Japan", fasste Juncker das Vorgehen zusammen, "senden eine Botschaft an die Welt über die Zukunft eines offenen und fairen Handels."

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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