Wirtschaft

Westen investiert mehr als China Europas unsichtbare Seidenstraße

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Eine Bergmannskapelle in Duisburg spielt auf: Großer Bahnhof am westlichen Ende der Seidenstraße für den Yuxinou-Express aus China.

(Foto: picture alliance / dpa)

Konsequent münzt China seine Investitionen der "neuen Seidenstraße" in politischen Einfluss um. Dabei fließt aus dem Westen laut einer Studie mehr Geld in die meisten betroffenen Länder. Europa solle dort selbstbewusster auftreten, fordert die Bertelsmann-Stiftung.

Mit seiner 2013 verkündeten "neuen Seidenstraße" löste China im Westen Sorgen aus, die bis heute anhalten. Investitionen im Gegenwert von "Billionen von Dollar" sollten zahlreiche Länder an China binden - logistisch, aber auch politisch. Selbst Mitgliedstaaten in der Europäischen Union wie Ungarn oder zuletzt auch Italien schlossen sich der Initiative an. Ob die Befürchtung, dass China sich riesige Einflusssphären in der sogenannten Dritten Welt und sogar im Herzen Europas erkauft, sich bewahrheitet hat, haben Ökonomen der Universität Duisburg-Essen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung überprüft. Das Ergebnis der Studie "Was der Westen entlang Chinas neuer Seidenstraße investiert": In vielen der betroffenen Länder fließt deutlich mehr westliches als chinesisches Geld.

Aber: "Der Westen verkauft sein Engagement unter Wert", so Bernhard Bartsch, Asien-Experte der Bertelsmann-Stiftung. Die Wissenschaftler verglichen die Finanzströme aus China und aus Europäischen Entwicklungshilfetöpfen, der Weltbank sowie aus den Staaten der Industrieländerorganisation OECD in 25 Empfängerstaaten der "Neuen Seidenstraße". Dabei zählten sie sowohl staatliche Entwicklungshilfe als auch privatwirtschaftliche Direktinvestitionen. Aus dem Westen flossen in den Jahren 2013 bis 2017 290 Milliarden US-Dollar in diese Länder. Aus China 285 Milliarden Dollar. Für die meisten der Empfängerstaaten sind die westlichen Gelder dabei gemessen an der Größe der Wirtschaft und des Staatshaushalts viel bedeutender als die chinesischen. Nur für fünf Länder war China in dieser Zeit der wichtigere Partner.

China, so die Autoren der Studie, nutze seine Investitionen allerdings erheblich konsequenter zur Einflussnahme aus. Mit Dutzenden chinesisch geführten Industrie- und Sonderwirtschaftszonen etwa verankere China seine eigenen Geschäftspraktiken, Technologiestandards und chinesisch geprägte Wertschöpfungsketten. Die chinesische Währung werde immer öfter für die Abrechnung des Handels eingesetzt, verdränge zunehmend den US-Dollar und auch den Euro als Reservewährung. China, so konstatieren die Experten, habe sich das alte deutsche Prinzip "Handel durch Wandel" angeeignet, allerdings umgemünzt auf seine eigenen Werte und Ziele.

Große Wirkung für wenig Geld in Ungarn

Angesichts der erheblichen eigenen Finanzströme könnten insbesondere die EU und Deutschland auch deutlich selbstbewusster als Partner in Schwellenländern auftreten. Der Westen sollte seine eigenen Institutionen, Technologien, Geschäftsmodelle und Wertvorstellungen stärker als bisher als Alternativen zu den chinesischen Angeboten im Rahmend der "neuen Seidenstraße" vorstellen. Dabei, so schreiben die Experten, sollten sich die Europäer nicht als Gegenpol zu China positionieren, sondern versuchen, mit ihrem Engagement Standards der Entwicklungszusammenarbeit zu setzen, an denen sich dann auch China orientieren müsse. Auch gemeinsame Projekte mit China seien möglich.

Wie stark die politische Wirkung und die finanzielle Realität der "Seidenstraße" teilweise auseinanderklaffen, zeigen die Ökonomen am Beispiel Ungarn. Vor dem Hintergrund des Konflikts der rechtskonservativen Regierung in Budapest mit der EU-Kommission sowie der Mehrheit der Mitgliedstaaten im Europäischen Rat hatte Ungarns Erklärung, sich der chinesischen Initiative anschließen zu wollen, für Aufsehen gesorgt. Tatsächlich habe Ungarn mehrfach gemeinsame Entscheidungen der EU-Mitgliedstaaten boykottiert und Partei für chinesische Interessen und Anliegen bezogen, heißt es in der Studie.

Finanziell ist Chinas Engagement in Ungarn im Vergleich zu den europäischen Kapitalströmen vernachlässigbar: Die Transfers aus dem EU-Haushalt steuerten im Zeitraum von 2013 bis 2017 mehr als ein Prozent des ungarischen Bruttosozialprodukts und 5,6 Prozent zum Regierungshaushalt bei. Die Finanzströme aus China spielten dagegen lediglich 0,03 Prozent des BIP und 0,15 Prozent des Regierungsbudgets nur eine "untergeordnete Rolle".

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Quelle: n-tv.de, mbo

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