Wirtschaft

Inflation, Krieg und Corona Fielmann kassiert Prognose - und zückt den Rotstift

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(Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Die Optikerkette Fielmann gibt nach der Hälfte des Geschäftsjahres ihre bisherigen Ziele auf. Zu umfangreich seien die Belastungen. Anstatt profitabel zu wachsen, prüft das Unternehmen nun Einsparungen. Analysten erwarten, dass die kein Einzelfall ist.

Hohe Kosten, verunsicherte Verbraucher und ein hoher Corona-Krankenstand in der Belegschaft lassen die Optikerkette Fielmann pessimistischer ins laufende Jahr blicken. Der Vorstand strich die Prognose zusammen und kündigte Maßnahmen zur Sicherung der Ertragskraft an. An Der Börse sorgte die Nachricht für einen Schockmoment - Anleger warfen die Papiere aus den Depots. Für die Anteilsscheine ging es fast zehn Prozent hinab.

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Statt einer vor wenigen Monaten in Aussicht gestellten spürbaren Margenverbesserung und einem zehnprozentigen Umsatzplus erwartet das börsennotierte Familienunternehmen nun ein deutlich langsameres Wachstum auf circa 1,8 Milliarden Euro Umsatz und einen Rückgang des Vorsteuerergebnisses auf gut 190 Millionen Euro. Das Management will die Aktionäre am 14. Juli über strategische Initiativen informieren, mit denen das langfristige Ziel einer Vorsteuermarge von mindestens 16 Prozent erreicht werden soll.

Im Zeitraum April bis Juni schrumpfte das Vorsteuerergebnis wegen gestiegener Kosten um mehr als ein Viertel auf 39 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte im gleichen Zeitraum um gut sieben Prozent auf 437 Millionen Euro. "Obgleich sich die Pandemie weiterhin negativ auf unser Umsatzniveau auswirkt, haben wir in mehreren Märkten die Gehälter der Mitarbeiter erhöht und angepasst", teilte Fielmann mit. Dadurch sei der Personalaufwand seit Jahresbeginn um 22 Millionen Euro gestiegen.

Gleichzeitig verkaufte Fielmann deutlich mehr Sonnenbrillen und Kontaktlinsen, an denen der Konzern weniger verdient als an Korrekturbrillen und Hörgeräten. Ferner schlugen verstärkte Werbeaktivitäten und eine Solidaritätsinitiative für Menschen aus der Ukraine zu Buche.

Nach Ansicht von Experten könnten Umsatz- und Gewinnwarnung Signalcharakter für den Markt haben. Die Marktschätzungen für die Unternehmensgewinne seien angesichts der wirtschaftlichen Probleme zu hoch. Dies werde sich in den Zahlen für das zweite Quartal zeigen. Ein Indiz dafür sei, dass bislang nur sehr wenige Unternehmen vorläufige Zahlen vorgelegt hätten. Das sei kein gutes Zeichen, weil die Unternehmen vor allem bei einem sich abzeichnenden Übertreffen der Erwartungen den Kapitalmarkt über ihre Zahlen informierten.

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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