Wirtschaft

Nach geplatztem Arriva-Verkauf Finanzvorstand Doll verlässt Deutsche Bahn

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Mit dem Arriva-Verkauf ist letztendlich wohl auch Finanzvorstand Doll gescheitert.

(Foto: picture alliance/dpa)

Als der Verkauf der Bahntochter Arriva platzt, ist der Schuldige schnell gefunden: Finanzvorstand Doll. Obendrein soll er anderen Vorständen zu ehrgeizig gewesen sein. So wird ihm intern angelastet, die Berater-Affäre ins Rollen gebracht zu haben. Am Ende hatte er wohl auch den Verkehrsminister gegen sich.

Nach nur eineinhalb Jahren im Amt steht der Finanzvorstand der Deutschen Bahn, Alexander Doll, vor dem Abgang. Der Manager habe nach anfänglicher Weigerung nun doch seinen Auflösungsvertrag unterschrieben, berichten mehrere Medien. Der Aufsichtsrat müsse dem Schritt in einer Sondersitzung am Montag noch zustimmen. Dem Vernehmen nach würde die Abfindung auf einen siebenstelligen Betrag hinauslaufen Wer den Posten übernimmt, ist noch unklar. Die Bahn verwies auf die Aufsichtsratssitzung und kommentierte die Information zunächst nicht.

Doll war seit 2018 neben den Finanzen auch für die verlustreiche DB-Tochter Cargo verantwortlich. Diesen Posten wird ab Januar die bisherige Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, Sigrid Nikutta, übernehmen. Für einen Abgang von Doll hatte sich wegen Problemen beim Arriva-Verkauf hinter den Kulissen auch CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer stark gemacht.

Zudem hieß es, Doll habe außerdem das Vertrauen des Bahn-Aufsichtsratschefs sowie einer großen Mehrheit seiner Vorstandskollegen verloren. Laut Informationen des "Spiegels" liegt er im Streit mit Bahnchef Richard Lutz und dem Vorstand Ronald Pofalla, denen Doll zu ehrgeizig und ein potenzieller Rivale gewesen sei. So soll Doll etwa die Affäre um Beraterverträge, die der Bahnvorstand am Aufsichtsrat vorbei beschlossen hatte, ins Rollen gebracht haben.

Doll war erst im April vergangenen Jahres in den Vorstand berufen worden und sollte dort den Verkauf der britischen Bahntochter Arriva vorantreiben - hatte damit aber keinen Erfolg. Der Verkauf sollte Löcher im Haushalt der Bahn stopfen, der Wert des Tochterunternehmens war aber über Jahre hinweg viel zu hoch eingeschätzt worden. Die Bahn hatte beim Arriva-Kauf unter anderem mit Garantien für Pensionsansprüche von Mitarbeitern ein schlechtes Geschäft gemacht.

Laut "Spiegel" war das Unternehmen Kaufinteressenten auch deshalb nicht einmal die Hälfte der vier Milliarden Euro wert, die die Bahn sich erhofft hatte.  Und so wurde das Vorhaben bei der Aufsichtsratssitzung in der vergangenen Woche vorerst gestoppt. Einen Käufer gibt es nach wie vor nicht. In den Augen Cem Özdemirs, dem Vorsitzenden des Verkehrsausschusses, muss mit Alexander Doll nun der Mann für den geplatzten Verkauf geradestehen, der die Probleme bei der Arriva überhaupt erst aufgedeckt hatte.

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Quelle: n-tv.de, lwe/dpa

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