Wirtschaft

Steuervorteil für Bahn moniert Flixbus will etliche Verbindungen streichen

Viele Touristen nutzen Fernbusse, um günstig an die Küste, in das Alpenvorland oder in den Harz zu gelangen. Kunden von Flixbus müssen sich aber offenbar bald nach alternativen Verkehrsmitteln umschauen. Der deutsche Marktführer erwägt, Dutzende Haltestellen nicht mehr länger anzusteuern.

Fernbus-Anbieter Flixbus will einem Medienbericht zufolge sein Streckennetz zusammenstreichen. Nach Recherchen der "Bild am Sonntag" (BamS) sollen ab 2021 Dutzende Verbindungen entfallen. Grund sei die geplante Mehrwertsteuersenkung für Fahrkarten der Deutschen Bahn auf sieben Prozent. Flixbus fürchte, dass es damit zu einem neuen Preiskampf zwischen Bahn und Fernbussen komme, so das Blatt weiter.

Eine interne Flixbus-Streichliste, die BamS vorliegt, beinhaltet mehr als 100 Städte, die von Streckenstreichungen oder einer Reduzierung des Angebots betroffen wären, unter anderem Chemnitz, Passau, Aachen, Ulm, Dresden und Neumünster. Vor allem ländliche Gebiete und Touristenziele stünden im Visier. "Grundsätzlich kommentieren wir interne Planungen nicht. Klar ist aber auch, dass die einseitige Mehrwertsteuersenkung die Rahmenbedingungen im Fernverkehr massiv verschiebt. Die Politik hat die beliebten Fernbusse erst ermöglicht und macht sie nun in der Fläche wieder kaputt", zitiert das Blatt einen Flixbus-Sprecher.

Dass die geplante Mehrwertsteuersenkung für Bahnfahrkarten Auswirkungen auf das Fernbusangebot haben könnte, war bereits Ende Oktober öffentlich diskutiert worden. "Sollte die Mehrwertsteuersenkung tatsächlich nicht für den Fernbus kommen und nur für die Bahn, wird der Wettbewerbsvorteil wohl so immanent, dass wir circa 30 Prozent des Fernbusnetzes einschränken werden müssen", teilte Flixbus-Chef André Schwämmlein mit.

Gutachten: Einseitige Senkung verstößt gegen Grundgesetz

Der deutsche Marktführer hatte sein Netz in den letzten Jahren stark ausgebaut und steuert in Deutschland etwa 400 Haltestellen an. Als erstes würde Flixbus nach Schwämmleins Angaben von Oktober Ziele für Touristen zur Disposition stellen, etwa an die Küste, in das Alpenvorland und in den Harz.

Damit mehr Menschen mit der Bahn reisen statt mit Auto oder Flugzeug, will die Bundesregierung die Mehrwertsteuer auf Fernzugfahrten von 19 auf 7 Prozent senken. Die Bahn hat angekündigt, die Fahrpreise entsprechend zu senken, und erwartet rund fünf Millionen zusätzliche Fahrgäste.

Die Busbranche fürchtet, dass sie dadurch Kunden verliert, und fordert eine Steuersenkung auch für Fernbusfahrten. Nach einem Gutachten für den Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer verstieße es gegen das Grundgesetz und europäisches Recht, wenn die Steuer einseitig für die Bahn gesenkt würde. "Bus und Bahn haben zusammen die besten CO2-Werte, sodass eine sachliche Trennung nicht nachvollziehbar ist", teilte der Verband am Freitag mit.

Quelle: ntv.de, fzö/DJ/dpa