Wirtschaft

Überlebenskampf nach Corona Französische Hotels tricksen Plattformen aus

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Urlaub in der Bretagne? Bitte direkt buchen, meinen französische Hoteliers.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

In Deutschland fürchten viele Hoteliers um ihre Existenz: Vom Niveau der Vorkrisenzeit sind sie immer noch meilenweit entfernt. In Frankreich rebellieren kleine Hotels gegen die großen Portale und fordern Touristen zu Direktbuchungen auf. Damit wollen sie die hohen Gebühren einsparen.

Über 300 kleinere französische Hotels haben sich gegen die großen Buchungsplattformen verbündet, von denen sie sich in der Corona-Krise ungenügend unterstützt sehen. Unter dem Motto "Ich wähle Frankreich" (#JechoisislaFrance) rufen die Hotels, die sich zum Verband "Contact Hôtels" zusammengeschlossen haben, zu Buchungen bei den Hotels direkt statt über die großen Plattformen auf. Und das soll sich für die Touristen lohnen. Versprochen werden Tarife, die unter denen auf den Buchungsplattformen liegen, sowie weitere Vergünstigungen. "Wir geben lieber unseren Kunden einen Nachlass, anstatt die großen Firmen zu mästen, die wenig Steuern in Frankreich zahlen und wenig Jobs schaffen", sagte der bretonische Hotelier Vincent Carro der Zeitung "Le Figaro".

Im Mittelpunkt der Kritik der unabhängigen Hoteliers stehen die Kommissionen zwischen 15 und 25 Prozent des Buchungspreises, den die Plattformen kassieren, die den Hotels oftmals aber auch viel Umsatz sichern. Die Plattformen waren laut der Initiatoren des Protests auch in der Krise unter Missachtung der Notlage nicht bereit, die Kommissionen zu senken. Diese Geschäftspraxis bedrohe die Existenz vieler Hotels, hieß es.

"Wir brauchen jetzt diese Direktbuchungen, weil diese Tausende von Arbeitsplätzen sowie Investitionen sichern und über die in Frankreich gezahlten Steuern auch die Entwicklung unserer Regionen fördern", erklärte der Präsident von "Contact Hôtels", Thomas Richard. Im Moment rücke ein lokal verankertes und ethisch vertretbares Konsumverhalten in den Mittelpunkt. "Wir wollen, dass die Franzosen diesen Reflex auch bei ihren Urlaubsreservierungen haben und direkt buchen."

Deutsche Hoteliers fürchten um Existenz

Auch die deutschen Hoteliers sind von der Corona-Pandemie weiterhin hart gebeutelt. Die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem In- und Ausland ist im Juni zwar gestiegen. Vom Vorkrisenniveau sind Hotels, Pensionen und Co. jedoch noch weit entfernt. "Der Deutschlandtourismus wird noch einige Zeit brauchen, um an die alten Erfolge wieder anknüpfen zu können", sagte Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes (DTV). Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga fürchtet nun um die Existenz vieler Betriebe.

Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg die Zahl der Übernachtungen von Reisenden im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,1 Prozent auf 30,9 Millionen. Das monatelange Verbot touristischer Übernachtungen war erst im Mai je nach Corona-Lage in den Bundesländern schrittweise aufgehoben worden. Im Vergleich zum Juni 2019 verzeichneten Hotels, Pensionen und andere Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Schlafgelegenheiten einen deutlichen Rückgang von 39 Prozent.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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