Wirtschaft

Aufsichtsrat sucht Finanzquellen Für die Deutsche Bahn wird es teuer

Das Logo der Deutschen Bahn. Foto: Oliver Berg/Archivbild

Hohe Schulden und eine milliardenschwere Finanzlücke machen der Bahn zu schaffen.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Um den Ausstoß von CO2 zu reduzieren, spielt Zugfahren eine wichtige Rolle. Entsprechend gilt die Deutsche Bahn als ein Hoffnungsträger beim Klimaschutz. Doch einige finanzielle Baustellen belasten das Unternehmen. Der Aufsichtsrat muss sich nun entscheiden.

Billigere Fahrkarten, mehr Züge - vor allem beim Thema Klimaschutz lasten große Hoffnungen auf der Deutschen Bahn. Doch diese Hoffnungen zu erfüllen, dürfte sehr viel Geld kosten. Und der Konzern hat hohe Schulden und eine milliardenschwere Finanzlücke zu stopfen. Am Mittwoch soll der Aufsichtsrat darüber beraten. Ein Überblick über die aktuellen Herausforderung der Bahn:

Finanzlücke:

Allein in diesem Jahr fehlen der Bahn knapp drei Milliarden Euro, darauf hat der Bundesrechnungshof jetzt aufmerksam gemacht. Sein Bericht für den Bundestag steht nicht auf der Tagesordnung des Aufsichtsrats, doch er dürfte bei dem Staatskonzern mehr sein als Flurgespräch. Der Gewinn sinkt, die Investitionen ins marode Netz wachsen - müssen wachsen, denn der Bund will, dass die Fahrgastzahlen deutlich steigen.

In den nächsten zehn Jahren sollen 86 Milliarden Euro in das Netz fließen, deutlich mehr als bislang. Davon sollen 24 Milliarden von der Bahn kommen. Die hat ihre Schuldenobergrenze schon erreicht, inklusive Leasingverbindlichkeiten sind es rund 25 Milliarden Euro. Was nun? Der Bund verlangt vom Aufsichtsrat klare Antworten.

Verkauf profitabler Tochterfirmen:

Der Vorstand will sich mehr um die Eisenbahn in Deutschland kümmern, die zuletzt nur noch 40 Prozent des Umsatzes ausmachte. Dafür soll ein Teil des Auslandsgeschäfts versilbert werden, die profitable Tochter DB Arriva. Mit 53.000 Beschäftigten betreibt sie Busse und Regionalzüge in 14 europäischen Ländern. Es ist die Rede davon, dass das drei bis vier Milliarden Euro einbringen könnte. Es gibt eine Reihe von Kaufinteressenten. Wie konkret ihre Angebote sind, ist aber noch unklar. Klappt kein Komplettverkauf, soll Arriva an die Börse gehen. Der Rechnungshof empfiehlt, dass sich die Bahn auch Gedanken darüber macht, die internationale Logistiktochter Schenker zu verkaufen - was der Vorstand bislang ablehnt. Das Management plant weitere zwei Milliarden durch sogenannte Hybridanleihen an Land zu ziehen, wie es aus Aufsichtsratskreisen hieß. Die Mischform aus Anleihe und Aktie bietet eine sehr lange Laufzeit.

Stuttgart 21:

Der schwierige Milliardenbau ist regelmäßig Thema im Kontrollgremium. 8,2 Milliarden Euro waren zuletzt veranschlagt und sie werden wohl gebraucht. Dazu tragen auch steigende Baukosten bei. Der Bahnhof soll Ende 2025 fertig sein. Bei Baubeginn 2010 hatte das Kostenlimit für den unterirdischen Bahnhof und die Anschlussstrecken bei 4,5 Milliarden Euro gelegen. Der Bundesrechnungshof sieht das Risiko weiterer Belastungen.

Beraterverträge:

Kann es sich die Bahn in dieser Lage erlauben, Geld für Berater auszugeben, wenn Zweifel bestehen, ob die Gegenleistung angemessen ist? Das ist die Kernfrage, mit der die Prüfungsgesellschaft EY Beraterverträge mit Ex-Bahnmanagern aus den Jahren 2010 bis 2018 unter die Lupe genommen hat. Dem Vernehmen nach wurden in elf Fällen Verstöße gegen das Aktienrecht festgestellt. Die Prüfer werden im Aufsichtsrat Bericht erstatten.

Die Überprüfung betraf nach Bahnangaben auch Beraterverträge mit dem früheren nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers; der CDU-Politiker ließ Anfragen zu dem Thema unbeantwortet. Wie in Aufsichtsratskreisen zu hören war, prüft der Konzern die Möglichkeit, frühere Vorstände zur Kasse zu bitten. Auch Abmahnungen oder Rügen für Verantwortliche waren zuletzt im Gespräch.

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Quelle: n-tv.de, aeh/dpa

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