Wirtschaft

Der "Einheizer" läuft sich warm GDL-Chef Weselsky rüstet zum Bahnstreik

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Kämpft gern mit harten Bandagen: Weselsky hat bei den Lokführern großen Rückhalt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Claus Weselsky bereitet den Vorständen der Deutschen Bahn derzeit schlaflose Nächte. Ein Bahnstreik mitten in der Sommerreisezeit kommt dem Staatskonzern ungelegen. Doch der GDL-Chef hat viel Übung mit der Kompromisslosigkeit.

Den Führerstand im Zug hat er schon lange verlassen. Und doch kann Claus Weselsky als Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) die Züge quer durch die Republik noch immer zum Stillstand bringen. Daran, dass er auch im aktuellen Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn zu Streiks bereit ist, lässt er keinen Zweifel. Gegenwind auch gegen ihn persönlich ist dem 62-Jährigen dabei alles andere als fremd.

Weselsky ist Gewerkschafter durch und durch. Bereits bei der Geburtsstunde der GDL in Ostdeutschland ist der gebürtige Dresdner dabei und wird 1990 Vorsitzender der Ortsgruppe Pirna. Zwei Jahre später verlässt der gelernte Lokführer die Schienen: Vom Büro aus arbeitet er für die GDL als Personal- und Betriebsrat, von 2002 an ist er für seine Gewerkschaftstätigkeit ganz freigestellt. Im Mai 2006 steigt Weselsky zum Vizevorsitzenden der GDL auf und wird "Kronprinz" des damaligen Chefs Manfred Schell.

Bekannt wird Weselsky 2007, als sich Schell mitten in der heißen Phase des Arbeitskampfes in die Kur am Bodensee verabschiedet. Damals zeigt Weselsky, dass er als Verhandlungsführer die Position der Lokführer kompromisslos vertritt. Das nach monatelangem Streit Anfang 2008 erkämpfte Ergebnis kann sich aus Sicht der GDL sehen lassen: ein saftiges Lohnplus von elf Prozent. Wenige Monate später wählen die Mitglieder der Lokführergewerkschaft Weselsky zum Nachfolger von Schell, mit 90 Prozent der Stimmen.

"Als würde er den Heiligen Krieg ausrufen"

Mit harten Bandagen kämpft Weselsky, der seit Jahren CDU-Mitglied ist, auch in den folgenden Tarifrunden. Im Jahr 2015 beschert er der Deutschen Bahn den bislang längsten Streik der Unternehmensgeschichte. Während des Konflikts attackiert Weselsky den Konzern scharf, wirft dem Unternehmen mal ein "böses Spiel", mal eine "Schmierenkomödie" vor. Seine Poltereien bringen Weselsky in der Vergangenheit bisweilen aber auch Rücktrittsforderungen ein - selbst in Gewerkschaftskreisen ist sein Verhandlungsstil umstritten. "Der stellt sich hin, als würde er zum Heiligen Krieg aufrufen. Nur um sein Ego zu stärken", schimpft einmal sein Vorgänger Schell.

Dass Weselsky sich auch im aktuellen Tarifkonflikt weder mit seiner markigen Wortwahl noch mit der Ankündigung massiver Streiks ausgerechnet zur Ferienzeit nicht nur Freunde macht, ist für ihn keineswegs unbekannt. Wiederholt wurde er in der Öffentlichkeit als Krawallmacher dargestellt und dabei auch als "Buhmann der Nation" oder "Einheizer" bezeichnet, die "Bild-Zeitung" nannte ihn Ende 2014 einen "Größen-Bahnsinnigen".

Ellenbogen im Konkurrenzkampf mit der EVG

Weselsky betont, dass er vor allem für die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner kämpfen wolle. Diese hätten während der Corona-Krise die Bahn am Laufen gehalten und seien es nun leid, "mit Null- und Minusrunden abgespeist" zu werden, sagt er. Zwar räumt er ein, dass "jede Zeit, in der wir das Eisenbahnsystem bestreiken, eine schlechte Zeit" sei - "vor allen Dingen für das Eisenbahnsystem selbst". Und doch lässt Weselsky wenig Zweifel daran, dass er es ernst meint. Auch die Bahn rechnet nach den Worten von Personalvorstand Martin Seiler mit einer "weiteren Eskalation".

Für Weselsky geht es auch um die Bedeutung der GDL an sich: Die Spartengewerkschaft steht im Wettbewerb mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die Lokführergewerkschaft bangt, dass ihr Einfluss im Konzern im Rahmen des Tarifeinheitsgesetzes kleiner werden könnte. Die Bahn wirft Weselsky deshalb vor, im aktuellen Tarifkonflikt vor allem "egoistische Machtinteressen" durchsetzen zu wollen.

Vertrauen kann Weselsky indes auf die Rückendeckung durch die GDL-Mitglieder. "Wir erwarten über 90 Prozent Zustimmung zum Streik", sagt er. "Jetzt ist Arbeitskampf angesagt, wenn der Bahnvorstand kein verbessertes Angebot vorlegt."

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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