Wirtschaft

Streit um Vorverkaufsgebühr Gericht bremst Ticketgigant Eventim aus

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat gegen die Rückerstattungspraxis von Eventim geklagt und Recht bekommen. Jedoch nicht auf ganzer Linie.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat gegen die Rückerstattungspraxis von Eventim geklagt und Recht bekommen. Jedoch nicht auf ganzer Linie.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wenn ein Konzert aufgrund der Pandemie abgesagt wird, dürfen Tickethändler nicht automatisch die Vorverkaufsgebühren behalten. Das urteilt nun ein Münchner Gericht und erklärt eine Eventim-Klausel für ungültig. Ein genereller Anspruch auf Rückerstattung kann daraus aber nicht abgeleitet werden.

Tickethändler dürfen Vorverkaufsgebühren für abgesagte Veranstaltungen nicht automatisch auf Kosten ihrer Kundschaft behalten. Zumindest in den Fällen, in denen Eventim die Tickets auf Kommissionsbasis vertreibe, benachteilige eine Klausel des Unternehmens die Kunden in unangemessener Weise. Das urteilte nun das Landgericht München und hat damit in einem wesentlichen Punkt der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Recht gegeben, die gegen die Münchner Ticketagentur Eventim geklagt hatte. Das Gericht nannte die Beteiligten nicht, allerdings begrüßte anschließend die Verbraucherzentrale die Entscheidung.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig - und bedeutet außerdem laut Gericht auch nicht, dass der Tickethändler in jedem Fall automatisch die Vorverkaufsgebühr für eine wegen der Pandemie abgesagte Veranstaltung zurückerstatten müsste. Es hänge davon ab, wie die Verträge für das jeweilige Event explizit ausgestaltet sind. Eventim vermittelt Tickets entweder im Rahmen einer Handelsvertretung oder als Kommissionskauf. Bei einer Handelsvertretung wäre Eventim für die Rückerstattung zuständig, bei einer Kommission der Veranstalter.

Laut Verbraucherzentrale waren der Klage massenhafte Beschwerden zur Rückerstattungspraxis von Eventim vorausgegangen. Nach dem ersten Corona-Lockdown im vergangenen Frühjahr hatten viele Kunden bei dem Unternehmen ihr Geld für abgesagte Veranstaltungen zurückverlangt. Der Tickethändler behielt jedoch die Vorverkaufsgebühr für sich. Zu Unrecht, wie die Richter urteilten. Ein entsprechender Satz in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist demnach rechtswidrig. Ein Argument der Kammer: Wenn eine Veranstaltung erfolgreich über die Bühne geht, streicht der Tickethändler bei Verkauf auf Provisionsbasis die Kommission allein ein. Daher sollte der Händler nach Einschätzung der Kammer auf der anderen Seite auch das entsprechende Risiko allein tragen, und nicht bei einer abgesagten Veranstaltung Kosten auf die Kunden abwälzen. Ein zweiter Punkt: Die Höhe der Vorverkaufsgebühr ging aus den Ticketpreisen vielfach gar nicht hervor. Das rügte das Gericht als intransparent.

Die Verbraucherzentrale begrüßte den Richterspruch aus München. "Wurde Eventim bei Veranstaltungsabsagen mit der Rückzahlung beauftragt, können Betroffene mit Verweis auf das Urteil nun Eventim zur Zahlung der ausstehenden Beträge auffordern. Das ist ein großer Erfolg", sagte Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW einer Mitteilung zufolge.

Eventim verlor aber keineswegs auf ganzer Linie. Nicht durchsetzen konnte sich die Verbraucherzentrale in der Frage, ob die Agentur auch bei Verschiebung von Veranstaltungen in jedem Fall verpflichtet ist, Stornierungen zu akzeptieren.

Quelle: ntv.de, ysc/dpa/rts

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