Wirtschaft
Die dunklen Wolken und andere unheilvolle Anzeichen werden so bald nicht aus den VW-Bildern in den Medien verschwinden.
Die dunklen Wolken und andere unheilvolle Anzeichen werden so bald nicht aus den VW-Bildern in den Medien verschwinden.(Foto: dpa)
Montag, 08. August 2016

Hunderte Anleger fordern Milliarden: Gericht startet Musterklage gegen VW

Für viele VW-Aktionäre könnte es der erste Schritt auf dem Weg zu einer Entschädigung für ihre Verluste wegen des Abgasskandals sein: Das Oberlandesgericht in Braunschweig beginnt mit einem Musterverfahren. Doch die Anleger brauchen Geduld.

Die Schadensersatzklagen von Anlegern gegen Volkswagen im Dieselskandal werden in einem Musterverfahren vor dem Oberlandesgericht Braunschweig geklärt. Das Landgericht Braunschweig veröffentlichte dazu einen entsprechenden Beschluss. "Das ist der Startschuss", sagte Richterin Maike Block-Cavallaro

Das OLG legt nun fest, wessen Verfahren repräsentativ für Hunderte VW-Anleger entschieden wird. "Mit der Bekanntmachung des Musterverfahrens kann aufgrund der zunächst noch erforderlichen Verfahrensschritte frühestens im vierten Quartal des Jahres 2016 gerechnet werden", erklärte das Landgericht dazu. Sobald alle Kläger vor dem Landgericht gehört wurden, ist die Bündelung für die höhere Gerichtsinstanz über das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetzes möglich.

Aktuell liegen dem Landgericht Braunschweig 170 Schadensersatzklagen vor, überwiegend von Privatpersonen. Die größte Klage über insgesamt 3,255 Milliarden Euro reichte im Namen von 277 institutionellen Investoren der Tübinger Rechtsanwalt Andreas Tilp ein. Die zweitgrößte Klägergruppe mit einer Forderungssumme von knapp 680 Millionen Euro wird von der Kanzlei Quinn Emanuel vertreten. Kläger, die kein Musterverfahren beantragten, müssen auf eine Entscheidung bis nach einem Urteil im Musterverfahren warten.

Die klagenden Aktionäre und Anleihegläubiger sehen im Zuge der Affäre um manipulierte Emissionswerte kapitalmarktrechtliche Informationspflichten verletzt, weil VW angeblich zu spät über die möglichen finanziellen Folgen des Skandals Auskunft gegeben hat. Die VW-Aktie stürzte nach dem Ausbruch der Abgas-Affäre ab, viele Anleger wollen sich ihre Verluste vom Unternehmen erstatten lassen. Ihr Argument: VW hätte deutlich früher über die Probleme informieren müssen, weil Kursabschläge drohten. VW ist der Überzeugung, alle Regeln für die Information der Kapitalmärkte eingehalten zu haben. Ob das tatsächlich so war, wird sich nicht schnell klären lassen.

Quelle: n-tv.de