Wirtschaft

Zwei Verdächtige in U-Haft Ghosn zahlte Fluchthelfern 900.000 Dollar

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Ein Vater-Sohn-Gespann soll den Ex-Manager aus Japan über die Türkei in den Libanon geschleust haben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit seiner abenteuerlichen Flucht in den Libanon entgeht Carlos Ghosn im Dezember einem Prozess in Japan. Hilfe bekommt der Ex-Nissan-Chef dabei wohl von zwei mittlerweile inhaftierten Männern. Ihre Chance auf Freilassung auf Kaution scheint angesichts Ghosns sechsstelliger Zahlung äußerst gering.

Die Beweise gegen zwei mutmaßliche Helfer im Fall der spektakulären Flucht des ehemaligen Nissan-Chefs Carlos Ghosn aus Japan verdichten sich. Wenige Wochen vor seinem Absetzen in den Libanon habe Ghosn fast 900.000 Dollar an die Firma von einem der mutmaßlichen Fluchthelfer überwiesen, teilte die US-Staatsanwaltschaft mit.

Die Staatsanwälte reichten bei Gericht zwei entsprechende Belege über Transaktionen im Oktober in Höhe von 540.000 Dollar und 322.500 Dollar von einer Bank in Paris zu der Firma Promote Fox ein. Das Unternehmen ist auf Peter Taylor und seinen Bruder eingetragen.

Peter Taylor und sein Vater Michael werden im Zusammenhang mit Ghosns Flucht der Beihilfe beschuldigt und beantragten eine Freilassung aus der Untersuchungshaft auf Kaution. "Es besteht kein Fluchtrisiko und es gibt zweifellos Voraussetzungen, unter denen sie freigelassen werden können", sagten die Anwälte der Taylors mit Verweis auf steigende Coronavirus-Fälle in dem US-Gefängnis.

Gefahr der Absetzung

Das Vater-Sohn-Gespann im Alter von 27 und 59 Jahren fürchtet auch eine Auslieferung an Japan. Die Staatsanwaltschaft argumentiert dagegen, dass durch die Zahlung Ghosns ausreichend Finanzmittel vorliegen würden, die durchaus ein Absetzen ins Ausland ermöglichen könnten. Die US-Behörden verhafteten die Taylors im Mai auf einen Haftbefehl Japans, weil diese Ghosn angeblich bei seiner Flucht am 29. Dezember vergangenen Jahres in den Libanon geholfen hätten.

Ghosn wollte einem Prozess wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung beim japanischen Renault-Partner Nissan entgehen. Der Libanon hat kein Auslieferungsabkommen mit Japan. Im April 2019 wurde er unter strengen Auflagen auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen. Unter abenteuerlichen Umständen floh er anschließend in einem Privatjet unter anderem über die Türkei nach Beirut. Er soll in einer Kiste versteckt gewesen sein, die am Flughafen als Gepäck für Musikinstrumente deklariert war und nicht durchleuchtet wurde. Ghosn besitzt neben der französischen auch die libanesische und brasilianische Staatsbürgerschaft.

Auch in der Türkei stehen seit Anfang Juli sieben mutmaßliche Fluchthelfer des ehemaligen Automanagers vor Gericht. Vier Piloten und einem Geschäftsmann, die in Untersuchungshaft sitzen, werde von einem Gericht in Istanbul Teilnahme an Menschenhandel vorgeworfen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Darauf stünden bis zu acht Jahre Haft. Zwei Flugbegleiterinnen wird vorgeworfen, die mutmaßliche Straftat nicht gemeldet zu haben. Über eine Vergütung ihrer Hilfe durch Ghosn ist bislang nichts bekannt.

Quelle: ntv.de, lri/rts/dpa