Wirtschaft

"Gibt kein Zurück" Globale Verschuldung erreicht Rekordniveau

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EZB-Chef Mario Draghi.

(Foto: AP)

Der globale Schuldenberg wächst - und er wird der Deutschen Bank zufolge weiter wachsen. Ein wesentlicher Grund: die ultra-lockere Geldpolitik der Notenbanken. Ein Ende sei nicht in Sicht.

Das Ausmaß der weltweiten Staatsschulden war in Friedenszeiten noch nie so groß wie derzeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Deutschen Bank, auf die die "Financial Times" hinweist.

Demnach sind die Schulden seit der Finanzkrise regelrecht durch die Decke gegangen. In Zahlen ausgedrückt: Die wichtigsten Volkswirtschaften sind im Schnitt mit 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet. Das ist das höchste Niveau seit mindestens 150 Jahren - ausgenommen der Gipfel im Zweiten Weltkrieg.

Früher haben Regierungen in Friedenszeiten typischerweise Überschüsse erwirtschaftet, wie es weiter heißt. Doch moderne Demokratien und der Sozialstaatsgedanke machten nun in vielen Ländern Defizite zur Regel, so die Studienautoren.

Ein Ende dieser Entwicklung ist der Deutschen Bank zufolge nicht in Sicht. Die Zentralbanken würden wahrscheinlich weiterhin ihre Eingriffe in den Finanzmarkt fortführen, die den Regierungen ermöglichten, sich nach der Finanzkrise kräftig zu verschulden. Die Notenbanken versuchen, mit lockerer Geldpolitik die schwächelnde Wirtschaft zu beflügeln.

Die Europäische Zentralbank hat beispielsweise entschieden, ab dem 1. November wieder Anleihen für bis zu 20 Milliarden Euro im Monat zu kaufen. Ende 2018 hatte sie ihr früheres Anleihekaufprogramm eingestellt. Der Kauf von Staatsanleihen hilft Regierungen, sich günstig Geld zu besorgen. Denn wenn die EZB große Bestände kauft, müssen Staaten für ihre Wertpapiere nicht so hohe Zinsen bieten. Zugleich pumpt die Notenbank über Wertpapierkäufe viel Geld in den Markt, um so die niedrige Inflation zu erhöhen.

Deutsche Bank sieht Helikoptergeld kommen

In einer Welt mit hartnäckig niedrigem Wachstum und niedriger Inflation, mit populistischen Regierungen, die fiskalische Konsolidierung rückgängig machen, sei für viele Regierungen die Versuchung groß, sich angesichts ultra-niedriger Zinsen zu verschulden und Geld auszugeben, so die Deutsche Bank. Möglicherweise werde es sogar das sogenannte Helikoptergeld geben.

Dieses Konzept wird unter Ökonomen als ein weiteres mögliches Mittel einer ultralockeren Geldpolitik diskutiert. Der Kerngedanke: Statt Geld über Banken in den Markt zu pumpen, wird Zentralbankgeld quasi verschenkt. Sinnbildlich würden dabei Geldscheine aus einem Hubschrauber abgeworfen. Empfänger könnten beispielsweise die Bürger sein oder aber der Staat. Die Befürworter sehen darin den Vorteil, dass das Geld über Konsumausgaben direkt in den Wirtschaftskreislauf gelangen würde.

"Wir sind davon nicht eine Million Meilen entfernt", so Deutsche-Bank-Stratege Jim Reid. "Durch ihre aggressiven Maßnahmen der vergangenen zehn Jahre haben sich die Notenbanken eine Falle gestellt und müssen immer weiter im Staatsanleihemarkt intervenieren. Sie haben den Punkt überschritten, an dem es noch ein Zurück gegeben hätte."

Quelle: n-tv.de