Wirtschaft

Streit um mögliches Krebsrisiko Glyphosat-Prozess in den USA gestartet

Erstmals wird vor einem US-Bundesgericht eine Klage gegen das glyphosathaltige Monsanto-Produkt Rundoup verhandelt. In dem Prozess sollen die möglichen Gesundheitsrisiken des Unkrautgiftes geklärt werden. Das Urteil könnte Folgen für tausende weitere Klagen gegen Bayers Konzerntochter haben.

Vor einem US-Bundesgericht in San Francisco hat ein möglicherweise richtungsweisender Prozess um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat begonnen. Der klagende US-Bürger macht in dem Verfahren das zum Bayer-Konzern gehörende US-Unternehmen Monsanto für seine Krebserkrankung verantwortlich. Es ist der erste Prozess um das glyphosathaltige Monsanto-Produkt Roundup, der vor einem US-Bundesgericht stattfindet. Das Pilotverfahren hat potenzielle Folgen für tausende weitere Klagen gegen Monsanto.

Bayer
Bayer 55,34

In einem anderen Prozess vor einem Regionalgericht hatte im August eine Jury in San Francisco Monsanto zur Zahlung von Schadenersatz an den früheren Schulhausmeister Dewayne Johnson verurteilt. Dieser Prozess fand jedoch nur in Kalifornien Beachtung und hatte deshalb weniger weitreichende Folgen für andere anhängige Klagen. Bayer ist gegen das Urteil zum Fall Johnson in die Berufung gegangen. Der Leverkusener Chemiekonzern hatte Monsanto im Juni 2018 übernommen. Durch die Glyphosat-Prozesse gegen die US-Tochter droht Bayer nicht nur Schaden für seinen Ruf, sondern auch für seine Finanzen.

Die Jury zum Fall Johnson hatte dem Kläger einen Schadenersatz von 289 Millionen Dollar zugesprochen. Eine Richterin befand die Summe jedoch später für zu hoch und reduzierte sie auf 78,5 Millionen Dollar. Mit der Substanz des Urteils befasste sich die Richterin aber nicht. Johnson, wie auch der Kläger im nun angelaufenen Prozess vor dem Bundesgericht, leiden am Non-Hodgkin-Lymphom, einer Krebserkrankung des Lymphgewebes.

Kläger setzte Roundup jahrzehntelang im Garten ein

Wie Johnson setzte auch der jetzige Kläger Edwin Hardeman Roundup über viele Jahre hinweg ein. In seinem privaten Garten habe Hardeman das Mittel von Mitte der achtziger Jahre bis 2012 verwendet, führte seine Anwältin Aimee Wagstaff zum Prozessauftakt an. Sie zeigte eine Großaufnahme von Hardemans Kehle, auf welcher der bösartige Tumor deutlich zu erkennen war.

Auf Antrag von Bayer wurde der Prozess in zwei Phasen geteilt. In der ersten Phase geht es darum, ob Roundup tatsächlich die Krankheit Hardemans verursacht hat. Ist dies die Schlussfolgerung, soll in der möglichen zweiten Phase darüber verhandelt werden, ob Monsanto für den Krebs des Klägers verantwortlich gemacht werden kann. Das US-Unternehmen, das Roundup seit mehr als 40 Jahren auf der ganzen Welt verkauft, führt ins Feld, das Mittel sei bei sachgemäßer Anwendung ungefährlich. Hardeman ist hingegen der Ansicht, die Firma habe die von ihrem Herbizid ausgehenden Gesundheitsgefahren verschleiert.

Insgesamt sind mehr als 9300 Klagen von Krebskranken gegen Monsanto bei US-Gerichten eingegangen. In der Forschung ist die Frage, ob die in Roundup enthaltene Chemikalie Glyphosat eine krebsauslösende Wirkung hat, allerdings umstritten. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland gelangten zu dem Schluss, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgeht. Dagegen konstatierte die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) vor drei Jahren, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei.

Quelle: n-tv.de, jpe/AFP

Mehr zum Thema