Wirtschaft

Brexit-Votum lähmt die Wirtschaft Großbritannien nähert sich der Rezession

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Die Aussichten für die britische Wirtschaft trüben sich ein.

(Foto: REUTERS)

Bislang hat die britische Wirtschaft dem Brexit-Votum getrotzt. Doch langsam bekommt das Land die Auswirkungen zu spüren. Nun wächst der Druck auf die Notenbank.

Großbritannien steuert nach dem Brexit-Referendum auf einen Konjunktureinbruch zu. In Sachen Wirtschaft häufen sich die schlechten Nachrichten, eine Rezession scheint unvermeidlich.

Der jüngste Hinweis: Das Londoner Forschungsinstitut Markit geht nach einer Umfrage unter Managern, die in ihren Unternehmen für den Einkauf zuständig sind, davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,4 Prozent schrumpfen wird. Einen solchen Rückgang hat es seit mehr als sieben Jahren nicht gegeben - damals litt die Konjunktur unter der Finanzkrise. Eine Rezession ist dann erreicht, wenn die Wirtschaft zwei Quartale hintereinander zurückgeht.

Auch aus anderen Bereichen kommen Nachrichten, die Furcht vor einer Rezession nähren: Der Bausektor schrumpfte so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr, und auch die Industrie ging im Juli auf Talfahrt. Die Barometer für die Wirtschaftsaktivitäten in diesem Bereich fielen auf ein Niveau, das ein Schrumpfen der Branchen signalisiert.

Der Hintergrund: Das EU-Austrittsreferendum hat zur Verunsicherung bei Verbrauchern und Unternehmern geführt, das drückt den Konsum und Investitionen. Denn noch ist völlig unklar, wann und zu welchen Bedingungen Großbritannien die EU verlassen wird. Viele Unternehmer erwarten, dass die langjährige robuste Entwicklung der Wirtschaft zum Erliegen kommt.

Und auch die Konsumenten sind pessimistisch. Das von dem Marktforschungsinstitut GfK ermittelte Verbrauchervertrauen sackte im Juli so stark ab wie seit 1990 nicht mehr. Die Neigung für größere Anschaffungen habe sich spürbar verringert, so die GfK. Das pessimistische Bild der Verbraucher dürfte auf die Konsumausgaben durchschlagen, die eine wichtige Antriebskraft für das britische Wirtschaftswachstum sind.

Zinssenkung erwartet

Die Nachrichten lassen nach Ansicht vieler Experten der Bank of England (BoE) keine andere Wahl, als die Zinsen auf der Sitzung am Donnerstag zu senken. Sie hatte den Schlüsselsatz zur Versorgung der Finanzinstitute mit Geld zuletzt Anfang 2009 gekappt. Seither liegt er auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent.

Wird der Leitzins gesenkt, werden Kredite tendenziell billiger. Dies soll Konsum und Investitionen anregen und damit die Konjunktur anschieben. "[Die Bank of England] ist auf Gefechtsstation und dürfte den Leitzins auf 0,25 Prozent senken", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Doch es gibt auch Stimmen, die angesichts der Pfund-Schwäche nicht mit einer Zinssenkung rechnen. "Eine Lockerung könnte das deutlich angeschlagene Pfund noch mehr ins Rutschen bringen, zumal der Markt nach einem Zinsschritt direkt weitere Senkungen und wohl auch negative Zinsen vorwegnehmen dürfte", so BayernLB-Ökonom Johannes Mayr. Er rechnet allerdings damit, dass die BoE auf jeden Fall Maßnahmen ergreifen wird, um die Darlehensvergabe zu erhöhen. Denn andernfalls drohe eine Kreditklemme – mit gravierenden Konsequenzen für die ganze britische Wirtschaft.

Quelle: n-tv.de, jga/rts/dpa

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