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Insider: Daran wird nicht gerüttelt Grunddesign der EZB-Geldflut bleibt vorerst

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Der Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) dominiert die Bankenskyline von Frankfurt/Main.

(Foto: dpa)

Die Währungshüter der EBZ wollen sich weiter am Kapitalschlüssel orientieren. Das bedeutet, dass mehr Anleihen derjenigen Länder aufgekauft werden, die der Notenbank mehr Eigenkapital zur Verfügung stellen. Offiziell will sich die EZB nicht äußern.

Die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) wollen Insidern zufolge derzeit an ihrem Kapitalschlüssel für ihr billionenschweres Anleihen-Kaufprogramm festhalten. Die Hürden für eine Abschaffung des Schlüssels seien hoch, sagten mit den Überlegungen der EZB vertraute Personen. Kurse von südeuropäischen Staatsanleihen waren zuvor angezogen, nachdem ein Agenturbericht eine mögliche Aufweichung dieses zentralen Elements der Käufe ins Spiel gebracht hatte. Dies drückte die Rendite zehnjähriger italienischer Titel zeitweise auf ein Drei-Monats-Tief.

Börsianern zufolge spekulierten Investoren darauf, dass die Euro-Wächter künftig mehr Anleihen südeuropäischer Länder kaufen.

Die Agentur Bloomberg hatte berichtet, die Euro-Wächter könnten wegen Engpässen bei deutschen Bundesanleihen den Kapitalschlüssel aufweichen. Einer der Gründe: Viele Investoren sehen deutsche Staatstitel nach dem Brexit-Votum in Großbritannien als sicheren Hafen in turbulenten Zeiten. Das führe dazu, dass deutsche Bonds immer weniger für die Käufe zur Verfügung stehen.

"Wie in der Vergangenheit passen wir die Regeln an, wenn erforderlich, aber das ist jetzt nicht auf der Agenda", sagte ein EZB-Ratsmitglied. Änderungen am Programm-Design würden recht technisch ausfallen. "Der Kapitalschlüssel wäre hingegen politisch." Mit den Überlegungen bei der EZB vertrauten Personen zufolge würden erst andere Stellschrauben geprüft, wie etwa die Obergrenze für die Käufe je Emission, die aktuell bei 33 Prozent liegt. Auch Regeln, welche Wertpapiere gekauft werden können, zählten dazu. Die EZB lehnte eine Stellungnahme ab.

Der Kapitalschlüssel trägt den Bedenken Rechnung

Bei ihren Anleihekäufen von derzeit 80 Milliarden Euro monatlich orientiert sich die EZB bislang an ihrem Kapitalschlüssel. Dies bedeutet, dass mehr Anleihen derjenigen Länder aufgekauft werden, die der Notenbank mehr Eigenkapital zur Verfügung stellen. Die Konstruktion trägt auch vielen Bedenken der Bundesbank gegen Staatsanleihenkäufe Rechnung. Denn sie ist so gewählt, dass vor allem die nationalen Notenbanken das Risiko möglicher Verluste bei ihren Staatsanleihen tragen.

Die Länder der Euro-Zone müssen somit nur für einen geringen Teil der damit verknüpften Risiken gemeinschaftlich haften – ein Punkt, der der Bundesbank immer sehr wichtig war.

Analysten zufolge würde deshalb eine Abweichung von der Kapitalschlüssel-Regel gegen die Vorstellungen der Bundesbank laufen. "Dadurch würden die Haftungsrisiken neu verteilt, was zumindest von deutscher Seite zu erheblicher Kritik führen dürfte", schrieben die Analysten der Essener National-Bank in einem Kommentar. Die Bundesbank stand den Anleihenkäufen von Anfang an kritisch gegenüber. Sie befürchtet unter anderem, dass sich die Staaten zu sehr an die niedrigen Zinsen gewöhnen und die Regierungen notwendige Reformen auf die lange Bank schieben.

Quelle: n-tv.de, ppo/rts

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