Wirtschaft

Teurer Dämpfer für Autobauer Gutachten empfiehlt Dieselnachrüstungen

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Den ersten Abgas-bedingten Feinstaubalarm gab es in Stuttgart schon am 9. Januar.

picture alliance / Sebastian Gol

Die deutschen Autobauer wollen den gefährlichen Stickstoffausstoß ihrer Diesel mit günstigen Softwareupdates senken. Gutachter der Bundesregierung bevorzugen dagegen teure, aber effiziente Motoren-Nachrüstungen. Wer die Kosten tragen soll, ist offen.

Ein Regierungsgutachten empfiehlt offenbar eine Nachrüstung bei Dieselmotoren, um die Stickoxid-Belastung (NOx) auf deutschen Straßen zu senken. Die sogenannten SCR-Katalysatoren seien eine "sehr effiziente Maßnahme zur Emissionsreduzierung", zitierte der "Spiegel" aus der Studie. Die Nachrüstung können den Ausstoß giftiger Stickoxide um 90 Prozent verringern. "Deshalb wird dieses System für eine Nachrüstung vorgeschlagen." Sie koste etwa 1300 Euro pro Fahrzeug.

Das Gutachten war von einer Arbeitsgruppe angefordert worden, die beim Dieselgipfel im vergangenen Jahr unter Leitung von Kanzlerin Angela Merkel eingesetzt wurde. Das Bundesverkehrsministerium wollte sich auf Nachfrage nicht äußern und erklärte, die Untersuchungen zu einer möglichen Nachrüstung liefen noch.

Die Angaben des "Spiegel" decken sich mit Reuters-Informationen aus dem Umfeld der Arbeitsgruppe, wonach eine solche Nachrüstung bei einem Großteil der rund sechs Millionen Fahrzeuge der Schadstoffnorm Euro 5 möglich sei. Dies hatten auch die Sondierer von Union und SPD in ihr gemeinsames Papier aufgenommen und dort die Nachrüstung bereits verankert. Offen jedoch ist, wie sie genau umgesetzt werden und wer sie bezahlen soll.

Die deutschen Autobauer hatten beim Dieselgipfel angeboten, den Stockstoffausstoß ihrer Diesel mit vergleichsweise günstigen Softwareupdates zu senken. Nachrüstungen am Motor lehnen sie bisher ab. Berechnungen des Bundesumweltamts zufolge reichen Softwareupdates allerdings nicht aus, um die EU-Vorgaben bei der Luftqualität einzuhalten.

Der Druck auf Regierung und Autobauer wird voraussichtlich steigen, wenn das Bundesverwaltungsgericht im Februar über mögliche Fahrverbote entscheidet. Diese drohen in mehreren Ballungsräumen, da die NOx-Grenzwerte dort oft überschritten werden. Die EU-Kommission hat aus diesem Grund bereits ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet.

Quelle: n-tv.de, chr/rts

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