Wirtschaft

Wirecard-Untersuchungsausschuss Guttenberg stellt sich als Betrugsopfer dar

226620426.jpg

Karl Theodor zu Guttenberg, früherer Verteidigungsminister, auf dem Weg zur Sitzung des Wirecard-Untersuchungsausschusses im Bundestag.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ex-Minister Guttenberg verteidigt seinen Einsatz für den Markteintritt von Wirecard in China "in Unkenntnis der unfassbaren Machenschaften" des Konzerns. Sein Gespräch mit Angela Merkel darüber soll nicht länger als "zwei, drei Minuten" gedauert haben.

Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat Vorwürfe zurückgewiesen, in unlauterer Weise für Wirecard Lobbyarbeit betrieben zu haben. Von dem "Jahrhundertbetrug" hätten er und seine Firma Spitzberg Partners nichts geahnt, geschweige denn, davon gewusst, sagte der ehemalige CSU-Politiker am Donnerstag als Zeuge vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages, der den größten deutschen Bilanzbetrugsskandal der Nachkriegszeit aufzuklären versucht. "Wir wurden offensichtlich arglistig getäuscht." Zum Ausmaß der kriminellen Machenschaften des Wirecard-Managements meinte er: "Das war einfach nicht vorstellbar."

Es gebe über sein Zutun und seine Rolle bei der Wirecard-Story "bemerkenswert falsche und verzerrende Berichte", die er mit seiner Aussage "richtig zu stellen" wünsche, betonte Guttenberg in einem ausführlichen Eingangsstatement. "Ich teile mit Ihnen das Interesse an einer umfassenden Aufklärung", sagte er in Richtung Abgeordnete. Hätten seine Firma und er gewusst, dass das Geschäftsmodell von Wirecard offenkundig auf Betrug basiere, hätten "wir dieses Unternehmen niemals beraten". Spitzberg Partners habe sich auf die staatlichen Aufsichtsbehörden, die Analysen von Profi-Anlegern und Kreditgebern von Wirecard sowie die Wirtschaftsprüfer verlassen.

"Zwei, drei Minuten" über Wirecard gesprochen

Guttenberg verteidigte auch sein Engagement für den Konzern in China und das Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im September 2019, das sich "zwei, drei Minuten" um Wirecard gedreht habe. Westliche Unternehmen, die im stark regulierten chinesischen Markt Fuß fassen wollten, kämen nicht umhin, politische Stellen zu kontaktieren. Doch auch hier gelte: Spitzberg Partners habe "in Unkenntnis der unfassbaren Machenschaften von Wirecard" gehandelt.

Das Treffen mit Merkel 2019 "hatte keine Agenda". Er habe die Kanzlerin zu nichts gedrängt, sondern ihr lediglich berichtet, dass er dabei sei, Wirecard zu helfen, als erster europäischer Konzern ein chinesisches Finanzmarktunternehmen mehrheitlich zu übernehmen. Er habe Merkel sinngemäß gesagt, es "könnte ein Hinweis beim Genehmigungsprozess sicher hilfreich sein".

Die Kanzlerin habe Wirecard gekannt. Er wisse aber nicht, ob sie sich im Detail damit befasst habe. Merkel habe "allgemein" geantwortet: "Ja, das könnte hilfreich sein." Guttenberg sagte aber auch, dass sich Merkel "explizit" nicht festgelegt habe. Er solle einen Beamten darüber informieren. Für ihn stehe fest: "Beim leisesten Zweifel an der Seriosität von Wirecard hätte ich niemals mit Angela Merkel darüber gesprochen."

Mehr zum Thema

Guttenbergs Firma hatte es - auch unter Einschaltung der Kanzlerin - geschafft, Wirecard den Weg in China zu eben. Die ersten Aktivitäten reichen in den Sommer 2018 zurück. Wenige Tage nach der Unterredung im Kanzleramt im September 2019 war Wirecard auf der China-Reise Merkels ein Thema, obwohl damals schon schwere Vorwürfe gegen das frühere Dax-Unternehmen im Raum standen. Etwa acht Wochen später gab Wirecard bekannt, Anteile an der chinesischen Firma AllScore Payment Services zu kaufen.

Florian Toncar, der die FDP im Untersuchungsausschuss vertritt, hatte ntv gesagt: "Der Deal in China wurde damals gefeiert, weil bis dahin noch nie ein europäischer Konzern eine Mehrheit an einem chinesischen Finanzmarktunternehmen hatte." Für den inhaftierten Ex-Vorstandschef von Wirecard, Markus Braun, war das China-Geschäft nach Einschätzung Toncars ein Husarenstück. "Er konnte auch diese Akquisition dafür nutzen, die Wachstumsgeschichte seines Unternehmens weiter zu erzählen und damit Investoren zu täuschen."

Quelle: ntv.de