Wirtschaft

Auf Gelände von Kohlekraftwerk Hamburg schiebt Wasserstoff-Projekt an

Blick über das inzwischen vom Netz gegangene Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg. Foto: Markus Scholz/dpa/Archivbild

Das umstrittene Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg ist noch nicht lange vom Netz.

(Foto: Markus Scholz/dpa/Archivbild)

Am Standort des umstrittenen Kohlekraftwerks Moorburg soll Windenergie aus dem Norden in grünen Wasserstoff umgewandelt werden. Eine der größten Anlagen Europas ist geplant. Der Hamburger Hafen scheint dafür bestens geeignet, mehrere große Konzerne wollen sich beteiligen.

Am Standort des lange umstrittenen und inzwischen vom Netz gegangenen Kohlekraftwerks Hamburg-Moorburg soll künftig im großen Stil grüner Wasserstoff produziert werden. Der Ölkonzern Shell, der Industriekonzern Mitsubishi Heavy Industries (MHI), der bisherige Kraftwerksbetreiber Vattenfall sowie die kommunale Wärme Hamburg haben dazu eine Absichtserklärung unterzeichnet, wie die Umweltbehörde mitteilte. Geplant ist eine mit Strom aus Windkraft gespeiste Elektrolyse-Anlage mit einer Leistung von mindestens 100 Megawatt. Außerdem soll auch untersucht werden, wie die bestehende Infrastruktur zur Energieerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien genutzt werden kann.

Sollten die Partner über ihre Absichtserklärung hinausgehen und sich tatsächlich für Investitionen entscheiden, könnte von 2025 an grüner Wasserstoff erzeugt werden. Die Anlage wäre dann eine der größten in Europa. Die Partner bemühen sich um Fördermittel, mit denen die EU Projekte von gemeinsamem europäischem Interesse (IPCEI) anschiebt. Der Antrag dafür soll mit einer ersten Projektskizze noch im ersten Quartal gestellt werden.

Der Standort in Moorburg hat aus Sicht der vier Partner ideale Voraussetzungen. Er sei sowohl an das nationale Strom-Übertragungsnetz als auch an das Netz der Stadt Hamburg angeschlossen. Außerdem könnten Überseeschiffe dort anlegen und die Kai- und Hafenanlage als Importterminal nutzen. "Das Gasleitungsnetz im Hafen und rund um Moorburg wird ab sofort ausgebaut für Wasserstoff, um Industrie und große Betriebe zu beliefern", erklärte Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan von den Grünen.

Kohlekraftwerk wurde erst 2015 in Betrieb genommen

Der parteilose Wirtschaftssenator Michael Westhagemann sagte: "Über den 380-kV-Anschluss und die Verbindung zu Brunsbüttel haben wir direkten Zugriff auf die Versorgung mit grünem Strom aus der Windkraft - und damit die Möglichkeit, tatsächlich grünen Wasserstoff in relevanten Mengen zu produzieren." Im Umkreis seien zahlreiche potenzielle Abnehmer angesiedelt.

"Diese Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt für die Energiewendestadt Hamburg", sagte Umweltsenator Kerstan. Im grünen Wasserstoff liege ein großer Hebel zur Erreichung der Klimaziele. Auch Wirtschaftssenator Westhagemann zeigte sich begeistert: "Mit dieser Ankündigung wird ein großer Schritt hin zu einer langfristigen Dekarbonisierung des Hafens sowie einer wettbewerbsfähigen Wasserstoffwirtschaft in der Metropolregion Hamburg geleistet."

Ziel sei es, Hamburg als Startpunkt für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Norddeutschland zu entwickeln. Denkbar sei dort außerdem eine Energieerzeugung aus Biomasse. Noch befindet sich am Standort das lange umstrittene Steinkohlekraftwerk Moorburg, das erst 2015 als eines der größten in Europa ans Netz gegangen war und im vergangenen Dezember den kommerziellen Betrieb eingestellt hatte, nachdem Vattenfall von der Bundesnetzagentur den Zuschlag für eine Stilllegungsprämie erhalten hatte. Noch bis zum Sommer kann das Kraftwerk nach Vattenfall-Angaben im Notfall Strom liefern.

Quelle: ntv.de, lwe/dpa/rts