Wirtschaft

Keine Besserung in Sicht Handelsstreit presst Börsen ins Minus

Zollstreit und Brexit - an den wichtigsten Börsen dominieren die roten Vorzeichen. Die Folgen der Handelskonflikte schlagen immer stärker auf die Konjunktur durch. Die Anzeichen für ein mindestens deutlich schwächeres Wachstum mehren sich.

Die Angst vor einem weltweiten Konjunktureinbruch in Folge von Handelskonflikten schickt die Börsen weiter auf Talfahrt. Für zusätzliche Nervosität sorgte der nahende Brexit-Showdown. In der Folge fiel der Dax wieder unter die 12.000er Marke. Am Ende stoppte die Talfahrt bei 11.925 Punkten - ein Minus von 2,8 Prozent. Besonders konjunkturabhängige Werte mussten in Europa Federn lassen. Der MDax sackte um 2,1 Prozent ab. Der TecDax fiel um 2,5 Prozent. Für den EuroStoxx50 ging es um 2,6 Prozent auf 3124 Punkte zurück. Der britische Aktienmarkt geriet unter die Räder und verlor 3,2 Prozent.

An den US-Börsen ging es ebenfalls abwärts - der Dow-Jones-Index lag zur Handelsmitte knapp zwei Prozent im Minus. Mit den Ölpreisen ging es ebenfalls bergab. Die US-Lagerbestände sind stärker gestiegen als erwartet, weil die US-Raffinerien ihre Produktion gekürzt haben.

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Zu den Sorgen über den Handelsstreit zwischen den USA und China, bei dem sich keine Lösung abzeichnet, gesellten sich am Nachmittag Befürchtungen, dass der Konflikt zwischen den USA und Europa in eine neue Runde gehen könnte. Denn im Streit über Subventionen für den europäischen Flugzeugbauer Airbus entschied die Welthandelsorganisation WTO, dass die USA EU-Waren im Wert von 7,5 Milliarden Dollar mit Strafzöllen belegen darf. Während die EU zur Besonnenheit mahnte, kündigte Frankreich an, auf etwaige US-Zölle entschieden zu reagieren.

Schon jetzt sind die negativen Effekte der globalen Handelskonflikte für die Weltkonjunktur immer deutlicher spürbar. Börsianern zufolge wirkten am Markt noch die schwachen US-Industriedaten vom Vortag nach. Auch für die deutsche Wirtschaft sind die führenden Forschungsinstitute skeptischer und sagen ein geringeres Wachstum voraus.

Im Handelsstreit zwischen den USA und China sei eine Lösung des Konflikts nicht wirklich greifbar, sagte Milan Cutkovic, Marktanalyst beim Handelshaus AxiTrader. "Denn selbst wenn die Handelsgespräche zwischen den USA und China im Oktober erfolgreich verlaufen, dürfte es noch eine Weile dauern, bis ein unterschriftsreifes Abkommen auf dem Tisch liegt." Und so flohen Anleger vor der feiertagsbedingten Handelspause vermehrt in als sicher geltende Anlagen wie Gold. Das Edelmetall verteuerte sich auf 1500 Dollar je Feinunze.

"Die Stimmung ist fragil geworden"

Auch die Konjunkturabkühlung in Europa und China nähre Ängste um die Weltwirtschaft, sagte Stratege Robert Pavlik vom Vermögensverwalter SlateStone Wealth. "All das gibt den Investoren Gründe zu pausieren und Gewinne mitzunehmen." Einen negativen Vorgeschmack auf den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag lieferten die Daten der privaten US-Arbeitsagentur ADP: Mit 135.000 wurden etwas weniger neue Stellen im September geschaffen als erwartet.

"Die Auswirkungen des immer noch andauernden Handelskonflikts zwischen den USA und China scheinen in der Realwirtschaft anzukommen", sagte IG-Marktbeobachter Christian Henke. "Die Stimmung ist fragil geworden", führte sein Kollege Craig Erlam vom Broker Oanda weiter aus. Die Auswirkungen der WTO-Entscheidung im Subventionsstreit rund um Airbus waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht konkret absehbar. Die US-Liste der von neuen Strafzöllen betroffenen Produkte aus Europa wurde erst Stunden nach US-Börsenschluss veröffentlicht.

Unter den Einzelwerten notierten Aktien des Ölkonzerne Exxon und Chevron jeweils rund drei Prozent schwächer. Den Aktienkursen im Rohstoffsektor macht der sinkende Ölpreis zu schaffen. Exxon korrigierte vor diesem Hintergrund bereits seine Prognose für das dritte Quartal.

Unerwartet schwache Fahrzeug-Absatzzahlen für das dritte Quartal trieben die Aktien von General Motors und Ford um 4,0 beziehungsweise 3,3 Prozent ins Minus. Bei Fiat Chrysler war die Bilanz etwas besser ausgefallen. Die Aktien verloren 1,9 Prozent. Der E-Autokonkurrent Tesla stellte seine lang erwarteten Kennzahlen zur Produktion erst nach US-Börsenschluss vor.

Überdurchschnittliche Kursabschläge mussten die Anteilscheine von Fluggesellschaften hinnehmen, nachdem Delta Air Lines die Kostenschätzung für das dritte Quartal erhöht hatte. Die Delta-Aktien sackten um 4,7 Prozent ab. Die Papiere von United Airlines und American Airlines verloren 4,7 beziehungsweise 5,3 Prozent.

Hinter der ersten Reihe sorgte ein Zusammenschluss im Glücksspielsektor für Aufsehen. Die Aktien der Stars Group, die unter anderem für Seiten wie "Pokerstars" bekannt ist, schossen aufgrund der Nachricht über eine Fusion mit dem britischen Konkurrenten Flutter Entertainment um mehr als 30 Prozent nach oben.

Die Aktien von Activision Blizzard verbilligten sich um 1,2 Prozent. Zuvor hatte ein Broker die Aktien des Entwicklers von Computerspielen wie "Call of Duty" und "Warcraft" heruntergestuft.

Die US-Kreditmärkte waren als sicherer Hafen gefragt und legten zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 13/32 auf 100-8/32. Die Rendite sank auf 1,5974 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 15/32 auf 103-21/32 und rentierte mit 2,0842 Prozent.

Der Kurs des Euro setzte seine leichte Aufwärtsbewegung aus dem europäischen Geschäft fort. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,0960 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,0925 (Dienstag: 1,0898) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit am Nachmittag offiziell 0,9153 (0,9176) Euro.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa/rts

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