Wirtschaft

Tausende im Streik Hat die Post die Zustellung im Griff?

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Frank Bsirske spricht vor den Post-Mitarbeitern in Bonn.

(Foto: REUTERS)

Seit fast zwei Wochen wird bei der Post gestreikt - und dennoch halten sich laut Unternehmen Verzögerungen in Grenzen. Stimmt nicht, heißt es bei Verdi. Die Gewerkschaft spricht von teils chaotischen Verhältnissen in vielen Zustellpunkten.

Die Deutsche Post sieht trotz der massiven Ausweitung des Streiks ihrer Brief- und Paketboten die Zustellung nicht gravierend beeinträchtigt. Durch umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen könnten bundesweit rund 80 Prozent der Briefe und Pakete zeitgerecht ausgeliefert werden, teilte das Dax-Unternehmen mit. Wegen der unterschiedlichen Streikbeteiligung in den Regionen könne der Umfang der verzögerten Sendungen aber sehr unterschiedlich ausfallen. Die Gewerkschaft Verdi berichtete dagegen von "chaotischen" Zuständen in vielen Zustellpunkten.

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In einem Interview mit dem "Bonner Generalanzeiger betonte Personalchefin Melanie Kreis, dass die Post versuche, die Auswirkungen des Streiks auf die Kunden so gering wie möglich zu halten. Einen Ausweg aus dem Konflikt sieht sie im Moment nicht. "Die Situation ist sehr grundsätzlich und verhärtet", betonte Kreis.

Verdi droht mit langem Streik

Derweil stellt sich Verdi auf einen wochenlangen Streik ein. Die Gewerkschaft will ihren Ausstand fortsetzen, bis der Konzern auf seine neuen Gesellschaften mit niedrigeren Löhnen verzichtet, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske auf einer Demonstration direkt vor der Bonner Post-Zentrale. Sonst werde es "keinen Frieden geben". Die Post hatte einen Verzicht auf die neuen Firmen immer wieder strikt abgelehnt.

Verdi könne den Streik noch lange durchhalten - "bis der Post-Vorstand zur Besinnung kommt", sagte Bsirske weiter. Das Management mit Konzernchef Frank Appel an der Spitze fahre mit seinem Kurs "den Laden vor die Wand". "Wir werden diesen Angriff auf das Lohnniveau nicht hinnehmen", unterstrich er.

Rund 4000 Post-Mitarbeiter waren Verdi zufolge vor den Bonner Post-Tower gezogen. "Appel raus", skandierten sie immer wieder. "Wir sind die Post", riefen sie, "Wir lassen uns nicht veräppeln", stand auf Plakaten zu lesen. Die Post sperrte ihre Zentrale mit Stellwänden ab, auf denen sie für ihr umstrittenes neues Tarifmodell warb - ebenso wie auf einem für die Demonstranten gut zu sehenden riesigen Plakat über dem Haupteingang ihrer Zentrale.

Bsirske attackiert Konzernchef

Entzündet hatte sich der Konflikt an der Ankündigung des Unternehmens, Tausende unbefristete Stellen zu schaffen - allerdings in 49 neuen Gesellschaften, für die niedrigere Löhne gelten als im Konzern. Die neuen Firmen orientieren sich an den Tarifverträgen der Logistik-Branche, die deutlich unter denen der Post liegen. Verdi will die Post mit dem Streik zwingen, dass auch bei den Tochterunternehmen mit derzeit rund 6000 Beschäftigten der höhere Haustarif gezahlt wird, der für rund 140.000 Postler gilt. Die Post verweist dagegen darauf, dass sie deutlich höhere Löhne als die Konkurrenten zahlt.

"Der Haussegen bei der Post hängt sehr schief", sagte Bsirske weiter. Er griff auch Konzernchef Appel scharf an: Dieser verdiene selbst Millionen, verspreche den Aktionären rosige Zeiten und dem Kapitalmarkt stetig steigende Gewinne, während er gleichzeitig das Lohnniveau absenke.

Die Gewerkschaft weitete ihre Proteste weiter aus. Mehr als 23.000 Beschäftigte befänden sich nun im Ausstand, teilte Verdi mit.

Quelle: ntv.de, wne//dpa/rts

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