Wirtschaft
Besondere Geschäftsbeziehungen zu Großkunden: Heckler & Koch beliefert Polizeibehörden, Nato-Militärs und auch die Bundeswehr.
Besondere Geschäftsbeziehungen zu Großkunden: Heckler & Koch beliefert Polizeibehörden, Nato-Militärs und auch die Bundeswehr.(Foto: imago/photothek)
Freitag, 21. September 2018

Hauptversammlung im Waffenbau: Heckler & Koch lädt Aktionäre ein

Einer der prominentesten Namen der deutschen Rüstungsindustrie muss den Gürtel enger schnallen: Mit neuen Plänen will H&K-Chef Koch die Kosten drücken. Beim großen Aktionärstreffen muss Heckler & Koch auch erklärten Pazifisten die Türen öffnen.

Der deutsche Waffenhersteller Heckler & Koch (H&K) will unter neuer Führung zurück in die schwarzen Zahlen steuern. Der seit Mai amtierende Firmenchef Jens Bodo Koch kündigte kurz vor Beginn der anstehenden Hauptversammlung an, die Arbeitsabläufe zu verbessern, um die Kosten in den Griff zu bekommen.

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Im ersten Halbjahr 2018 stieg der Umsatz zwar um rund 14 Prozent auf 109,5 Millionen Euro. Wegen höherer Kosten musste das Unternehmen mit Sitz in Oberndorf am Neckar aber einen Verlust von 2,3 Millionen Euro hinnehmen. Im Vorjahreszeitraum konnte H&K noch einen Gewinn von 1,1 Millionen Euro verbuchen.

Mit Spannung warteten Beobachter auf den Verlauf des großen Aktionärstreffens, das in diesem Jahr an diesem Freitag unter Beteiligung von Friedensaktivisten stattfindet. Die Kritiker des verschwiegenen Unternehmens, das neben der Bundeswehr auch zahlreiche Polizei- und Sicherheitsbehörden mit Schusswaffen beliefert, hatten sich durch den Kauf von H&K-Aktien Zugang zu der eigentlich nicht-öffentlichen Hauptversammlung verschafft.

Die kritischen Kleinaktionäre werfen dem Unternehmen schon seit Langem eine verfehlte Geschäftspolitik vor. Dabei ging es zuletzt vor allem um Pistolen und Gewehre von Heckler & Koch, die trotz bestehender Beschränkungen auch in Krisenregionen wie etwa in Mittelamerika aufgetaucht waren. Die Aktivisten fordern einen weitergehenden Exportstopp.

MG5 im Anschlag: Das neue Standardmaschinengewehr der Bundeswehr stammt von Heckler & Koch.
MG5 im Anschlag: Das neue Standardmaschinengewehr der Bundeswehr stammt von Heckler & Koch.(Foto: picture alliance/dpa)

Beobachter halten es für wenig wahrscheinlich, dass die kritischen Stimmen die Unternehmensführung zu strategischen Kurswechseln zwingen können. Die erklärten Pazifisten kontrollieren durch ihre Aktienkäufe nur einen sehr kleinen Anteil der Stimmrechte. Weniger als ein Prozent der H&K-Aktien sind im Freiverkehr erhältlich. Die große Mehrheit der Anteile liegt fest in der Hand der Großaktionäre.

Vom G36 zum neuen MG5

Die Geschäfte der Waffenschmiede sind unabhängig von der längst abgehefteten Aufregung um den G36-Skandal und der laufenden juristischen Aufarbeitung der Rüstungsexporte auch für den deutschen Steuerzahler von Interesse: Als angestammter Großkunde des Präzisionsmaschinenbauers führt die Bundeswehr derzeit ein neues Maschinengewehr bei den Streitkräften ein. Bei dem Großauftrag geht es um die Ausstattung der Truppe mit einem Nachfolger für das veraltete Standardmaschinengewehr MG3, dessen Konstruktion im Kern noch auf Entwürfen aus dem Zweiten Weltkrieg basiert.

Die Bundeswehr hatte in einem ersten Schritt gut 7000 Waffen des Typs MG5 bestellt. Das Volumen des Großauftrags liegt früheren Angaben zufolge bei 118,4 Millionen Euro. Wenn die derzeit stattfindende Truppeneinführung des neuen "Universalmaschinengewehrs" nach Plan verläuft, kann Heckler & Koch auf lukrative Anschlussaufträge hoffen.

Waffen aus Deutschland

Die Unternehmensgruppe Heckler & Koch, die sich als "weltweit führender Hersteller von Handfeuerwaffen" und als "Partner für Sicherheitskräfte, Polizei und Sondereinsatzkräfte" versteht, stellt neben Maschinengewehren und Kleinwaffen wie Pistolen und Maschinenpistolen auch militärische Sturmgewehre wie das G36, Spezialgewehre für Scharfschützen und auch automatische Granatwerfer her.

Das 1949 von Maschinenbauer Edmund Heckler, Feinmechaniker Theodor Koch und Ingenieur Alex Seidel gegründete Unternehmen wird seit 2002 von privaten Eigentümern kontrolliert. An den Standorten der Unternehmensgruppe in Deutschland, den USA, Frankreich und Großbritannien beschäftigt H&K insgesamt rund 700 teils hoch spezialisierte Fachkräfte.

Quelle: n-tv.de