Wirtschaft

"Ich komme wieder!"Wirtschaftsweise Malmendier muss gehen - Kollegen sind verwundert

01.03.2026, 12:15 Uhr
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Ulrike Malmendiers Expertise liegt im Bereich der Kapitalmärkte und der Verhaltensökonomie. (Foto: REUTERS)

Seit mehr als drei Jahren berät Ulrike Malmendier die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen. Doch nun ist Schluss: Das Mandat der Top-Ökonomin im Sachverständigenrat wird nicht verlängert. Ihre Kollegen sind verwundert.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Ulrike Malmendier ist aus dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ausgeschieden. Nach dreieinhalb Jahren als Wirtschaftsweise wurde sie von der Bundesregierung nicht wieder in diese Funktion berufen. Ihre Amtszeit endete am Samstag.

Der Sachverständigenrat nahm dies in einer Stellungnahme "mit großer Verwunderung und allergrößtem Bedauern" zur Kenntnis. "Mit ihr verliert der Sachverständigenrat Wirtschaft ein hochgeschätztes Mitglied, das in seinem internationalen wissenschaftlichen Renommee in der langen Geschichte des Gremiums seinesgleichen sucht. Der Sachverständigenrat wird insbesondere ihren Blick von außen aus den USA auf Europa und Deutschland vermissen", führte das Ökonomengremium aus.

Malmendier selbst sprach ebenso von "großem Bedauern", dass ihr Mandat nicht verlängert worden sei. Es sei ihr eine große Ehre gewesen, für das Gremium zu arbeiten, und sie stehe weiterhin für die Politikberatung in Deutschland und Europa zur Verfügung, betonte sie und fügte hinzu: "Rest assured: I’ll be back!" ("Seien Sie versichert: Ich komme wieder!") Malmendiers Expertise liegt im Bereich der Kapitalmärkte, der Unternehmensfinanzierung und der Verhaltensökonomie. Die 52-Jährige forscht an der US-Universität Berkeley im Bundesstaat Kalifornien.

Kanzleramt legte wohl Veto ein

Über die mutmaßliche Ablösung Malmendiers hatte vor einer Woche das "Handelsblatt" berichtet. Gegen eine Verlängerung habe es Widerstand innerhalb der Regierung gegeben, hieß es. Malmendier war noch unter dem damaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen in das Beratungsgremium der Bundesregierung gestoßen.

Medienberichten zufolge legten nun aber das mittlerweile CDU-geführte Wirtschaftsministerium sowie auch das Kanzleramt ein Veto gegen die Verlängerung von Malmendiers Mandat ein. Laut "Handelsblatt" hätte unter anderem das SPD-geführte Finanzministerium Malmendiers Berufung hingegen gerne verlängert.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, wie das Gremium vollständig heißt, soll der Bundesregierung mit seinem Fachwissen eine wichtige Hilfestellung bei der Beurteilung der konjunkturellen Lage leisten. Der Sachverständigenrat erstellt Konjunkturprognosen und regelmäßige Gutachten zur Wirtschaftslage und bringt Vorschläge für Reformen ein.

Quelle: ntv.de, lar/dpa/rts/AFP

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