Wirtschaft

"So funktioniert der Markt" Ifo-Chef fordert höhere Löhne

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"Wenn Fachkräfte knapp sind, müssen die Löhne steigen", sagt Clemens Fuest.

(Foto: dpa)

Ifo-Präsident Clemens Fuest plädiert für höhere Löhne, eine Abschaffung des Ehegattensplittings und eine bessere Kinderbetreuung. "Jeder, der Kinder hat, weiß: Kinderbetreuung schließt oft zu früh, und sobald ein Kind krank ist, hat man ein Problem."

Der Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Clemens Fuest, fordert einen Anstieg der Löhne in Deutschland. "Wenn Fachkräfte knapp sind, müssen die Löhne steigen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Auf den Einwand, dass eine Erhöhung der Löhne gerade jetzt für einige Betriebe ein Problem sein könnte, entgegnete Fuest, so funktioniere die Marktwirtschaft. Lohnerhöhungen hätten auch die Funktion, dass Fachkräfte an den Stellen nicht eingesetzt werden, wo sie weniger dringend gebraucht würden. "Insofern sind Lohnerhöhungen selbst dann richtig, wenn deswegen keine einzige Fachkraft zuwandert." Wenn durch die Lohnerhöhungen Betriebe verschwänden, sei dies bitter für die betroffenen Betriebe, aber ökonomisch richtig.

Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter in Deutschland werde in den kommenden Jahren sinken, sagte Fuest. "Das beschränkt auch das Wachstumspotential. Hier liegt eins der wichtigsten Themen für die Wirtschaftspolitik der nächsten zehn oder 20 Jahre", sagte der Ifo-Präsident.

Fuest forderte daher mehr Erwerbsanreize, um das Wachstum anzukurbeln. "In Deutschland gibt es durchaus ungenutzte Potentiale. Das betrifft vor allem die Zweitverdiener." Um vor allem Frauen einen Anreiz zu geben, mehr zu arbeiten, plädiert Fuest für eine Abschaffung des Ehegattensplittings. Ein Grund für die hohe Teilzeitquote bei Frauen in Deutschland sei, dass Zweitverdiener steuerlich stärker belastet würden. Als Ersatz für das Ehegattensplitting schlägt der Ifo-Chef ein Realsplitting vor, "bei dem man einen gewissen Betrag auf den Partner übertragen kann, der die Unterhaltspflichten reflektiert".

Klar sei allerdings: "Die Reform der Ehegattenbesteuerung wird die Arbeitskräfteknappheit nicht allein lösen." Fuest forderte in diesem Zusammenhang einen Ausbau der Kinderbetreuung. "Jeder, der Kinder hat, weiß: Kinderbetreuung schließt oft zu früh, und sobald ein Kind krank ist, hat man ein Problem. Dafür brauchen wir Lösungen. Nur dann können wir mehr Erwerbstätigkeit erreichen."

Kinderbetreuung dürfe nicht von einem Moment auf den anderen zusammenbrechen, betonte Fuest. Die Kinderbetreuung müsse generell flexibler und länger verfügbar sein. "Es kann nicht sein, dass Eltern immer unter diesem Damoklesschwert leben, dass, wenn ein Kind krank ist oder man einmal etwas länger arbeiten muss, die Betreuung fehlt."

Quelle: ntv.de, hvo/AFP

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