Wirtschaft

Nutri-Score ausgebremst? Iglo darf Lebensmittelampel nicht nutzen

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In Frankreich und Belgien ist der Nutri-Score bereits verbreitet. In Deutschland gibt es Hindernisse.

(Foto: imago/Reporters)

Im Streit über Lebensmittel-Kennzeichnungen erlässt das Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen Iglo. Der Hersteller darf seine Produkte vorerst nicht mit der Ampel Nutri-Score auszeichnen. Verbraucherschützer sind verärgert: Ernährungsministerin Klöckner habe Iglo ins offene Messer laufen lassen.

Das Landgericht Hamburg verbietet Iglo, mit Hilfe einer französischen "Lebensmittel-Ampel" über Fett, Zucker und Salz in seinen Produkten zu informieren. Der Tiefkühlkostanbieter darf das farbliche Logo "Nutri-Score" auf Packungen vorerst nicht mehr verwenden. Der Münchener Verein "Schutzverband gegen Unwesen in der Wirtschaft" hatte eine einstweilige Verfügung beantragt - das Gericht gab dem statt. Nutri-Score verstoße gegen europäische Vorschriften zur Lebensmittelkennzeichnung und sei daher im geschäftlichen Verkehr unzulässig, befand das Gericht. Iglo kündigte Berufung an.

Deutsche Verbraucherschützer kritisieren die Entscheidung. Foodwatch bewertete die einstweilige Verfügung als "absurd". Das System auf freiwilliger Basis funktioniere in Frankreich einwandfrei und habe dort auch den Stempel der EU bekommen. Dieser fehle in Deutschland, weil Ernährungsministerin Julia Klöckner diesen nicht beantragt habe, sagte Foodwatch-Sprecher Dario Sarmadi n-tv.de. "Das Ministerium steht massiv auf der Bremse und lässt alle Unternehmen, die diese freiwillige Kennzeichnung einführen wollen, ins offene Messer laufen."

Das Nutri-Score-System bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine in eine Bewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an - auf einer fünfstufigen Skala von dunkelgrün bis rot. Einige andere Hersteller wie Danone haben erste Produkte damit schon in die Supermärkte gebracht. Iglo weist Produkte im Internet damit aus und hatte für das Frühjahr den Start im Handel angekündigt.

Möglicherweise steht hinter dem fehlenden EU-Stempel kein Versäumnis, sondern Kalkül: Klöckner will bis zum Sommer ein eigenes Modell erarbeiten, das den Nährwertgehalt "gegebenenfalls vereinfacht visualisiert". Die CDU-Politikerin strebt vor einer Festlegung auf ein System noch weitere Klärungen an, da laut einer Analyse alle bestehenden Systeme Vor- und Nachteile hätten - auch der Nutri-Score, so das Ministerium.

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Quelle: n-tv.de, mau/dpa

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