Wirtschaft

Folgen der Coronavirus-Epidemie In der Industrie steigt die Rezessionsangst

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Der BDI fordert, dass die Bundesregierung einem möglichen Abschwung noch vor Ostern gegensteuert.

(Foto: imago images/imagebroker/StefanxZiese)

Sehr optimistisch sah die Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft ohnehin nicht aus. Nun kassiert der BDI selbst diese Einschätzung. Schuld ist das Coronavirus. Um die Folgen der Epidemie abzufedern, appelliert der Branchenverband nun an die Bundesregierung.

Die Industrie sieht die Gefahr einer Rezession in Deutschland angesichts massiver Folgen für die Wirtschaft durch den neuartigen Coronavirus erheblich gestiegen. "Das wirtschaftliche Wachstum droht fast zum Erliegen zu kommen", heißt es im neuen Quartalsbericht des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Komme es nicht zu einer wirtschaftlichen Normalisierung in den von der Corona-Epidemie betroffenen Ländern im zweiten Quartal, erwartet der BDI für Deutschland für das Gesamtjahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung. 

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Der BDI hatte bisher ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland von 0,5 Prozent erwartet. Dies liegt aber auch daran, dass das Jahr mehr Arbeitstage hat. Der Industrieverband forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. Es müssten rasch wirtschaftspolitische Maßnahmen in der Koalition verabredet und möglichst noch vor Ostern beschlossen werden. Es biete sich an, ohne weitere Verzögerungen die Regelungen für eine erleichterte Kurzarbeit wie in den Jahren der Finanzkrise 2008/2009 in Kraft zu setzen. "Deutschland darf nicht sehenden Auges in eine Rezession abgleiten."

Die Bundesregierung sollte sowohl gezielte Stützungsmaßnahmen als auch langfristige Wachstumsmaßnahmen prüfen. Aus Sicht des BDI hat das Coronavirus die Chancen für eine bis vor Kurzem noch erhoffte Erholung der Weltwirtschaft in diesem Jahr dramatisch reduziert. Vor allem die exportstarke deutsche Industrie befand sich schon vor dem Ausbruch des Virus in einer schwierigen Lage. Die Industrieproduktion ist gesunken, Firmen halten sich mit Investitionen zurück.

Weltweite Sorge vor Abschwung

Auch deshalb spricht sich der BDI dafür aus, die Politik der "schwarzen Null" zu lockern - einem Bundeshaushalt ohne Neuverschuldung. "Es wäre fatal, die Zukunftsinvestitionen an einer schwarzen Null scheitern zu lassen. Sie darf kein Dogma sein", heißt es in dem Papier. Dagegen stehe die grundgesetzlich verankerte Schuldenbremse nicht zur Disposition. Um private Investitionen anzukurbeln, bekräftigt der BDI Forderungen nach einer Reform der Unternehmenssteuern.

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie lassen weltweit die Sorge vor einer Rezession wachsen. Auch der Ölpreis ist kräftig unter Druck geraten. Ein Barrel der Sorte Brent lag zeitweise unter 51 US-Dollar. Das Ölkartell Opec steht deshalb vor einer schwierigen Sitzung über seine künftige Produktionsstrategie. Die zuständigen Minister der 14 Staaten wollen im Laufe des Tages in Wien über mögliche neue Förderbeschränkungen beraten.

Quelle: ntv.de, jug/dpa