So viel wie noch nie seit 2015Industrie freut sich über fettes Auftragspolster

Allen Unkenrufen zum Trotz gibt es für die Industrie gerade auch gute Nachrichten. So sind die Auftragsbücher voll - und noch für Monate. Das hat aber auch einen Haken.
Das Auftragspolster der deutschen Industrie ist so dick wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Der Bestand an offenen Bestellungen wuchs im Juni inflationsbereinigt erneut um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Mit dem fünften Anstieg in Folge sind die Auftragsbücher aktuell so gut gefüllt wie noch nie seit Beginn dieser Statistik im Jahr 2015. Verglichen mit dem Vorjahresmonat legte der Bestand um 9,3 Prozent zu und damit so stark wie seit August 2022 nicht mehr, als es Nachholeffekte wegen der Corona-Pandemie gab.
"Der Auftragsbestand gibt weiter Grund zur Freude", sagte der Chefvolkswirt der Bank Bethmann HAL, Alexander Krüger. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt, müssten aber auch abgearbeitet werden. "Hier aber liegt der Hase im Pfeffer, da jetzt auch noch Versorgungsengpässe durch die Hitzeperiode bestehen", fügte Krüger mit Blick auf das Niedrigwasser am Rhein hinzu. Viele Bestellungen könnten daher vorerst nicht abgearbeitet werden. Produktionsdrosselungen würden für eine niedrig bleibende Kapazitätsauslastung sprechen.
Die Reichweite des Auftragsbestands verharrte im Juni bei 8,9 Monaten - einen höheren Wert gab es seit Beginn der Erhebung im Jahr 2015 noch nie. Er gibt an, wie viele Monate die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz ohne Neugeschäft theoretisch produzieren müssten, um vorhandene Bestellungen abzuarbeiten.
Die positive Entwicklung des Auftragsbestands geht wesentlich auf den Anstieg im Bereich Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen zurück: Hier gab es ein Plus von 4,6 Prozent. Auch der Anstieg im Maschinenbau von 0,9 Prozent wirkte sich positiv auf das Gesamtergebnis aus. Die offenen Aufträge aus dem Inland legten im Juni um 1,2 Prozent zu. Der Bestand aus dem Ausland stieg um 0,6 Prozent.