Wirtschaft

"Alles deutet darauf hin" Institute sehen Deutschland in Rezession schlittern

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist so schlecht, wie seit Beginn der Pandemie nicht mehr. Gleich mehrere Faktoren schlagen schwer auf Laune und Prognosen. Experten sehen ein "unkontrolliertes Schlittern in die Rezession".

Deutschland kann den führenden Forschungsinstituten zufolge eine Rezession nicht verhindern. Die Wirtschaft rutsche wegen der Energiekrise im Winterhalbjahr in eine konjunkturelle Talsohle und werde dann schrumpfen, erwarten die Regierungsberater, wie die Nachrichtenagentur Reuters von mehreren mit der Sache vertrauten Personen erfuhr. Deshalb hätten die Ökonominnen und Ökonomen ihre Frühjahrs-Prognose massiv gekappt.

Für dieses Jahr erwarten die Fachleute demnach nur noch ein Wirtschaftswachstum von rund 1,4 Prozent und für 2023 einen Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts um etwa 0,4 Prozent. Die Inflation werde von 8,4 Prozent im Jahresschnitt 2021 dann im nächsten Jahr auf 8,8 Prozent klettern. Die vier Wirtschaftsforschungsinstitute veröffentlichen ihr Herbstgutachten für die Bundesregierung am Donnerstag.

Staat muss "massiv gegensteuern"

Im Frühjahr hatten die Fachleute für 2022 noch mit einem Wachstum von 2,7 und 2023 von 3,1 Prozent gerechnet. Wegen der Folgen des Ukraine-Kriegs und den Auswirkungen auf die Energie-, Rohstoff- und Verbraucherpreise schraubten die Institute ihre Schätzung nun allerdings deutlich zurück. Darüber hatte zuerst das "Handelsblatt" berichtet. Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose stammt vom Essener RWI, Münchner Ifo, Kieler IfW und dem IWH aus Halle. Das Berliner DIW pausiert derzeit und will 2023 wieder am Gutachten mitarbeiten.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) befürchtet für 2023 sogar einen Einbruch der Konjunktur um 1,75 Prozent, nach 1,25 Prozent Wachstum in diesen Jahr. "Alles deutet darauf hin, dass Deutschland unkontrolliert in eine Rezession schlittert", sagte IW-Direktor Michael Hüther. Der Staat müsse jetzt massiv gegensteuern. Neben den Verbrauchern müssten auch die Unternehmen entlastet - und notfalls die Schuldenbremse erneut ausgesetzt werden.

In den Chefetagen der Firmen ist die Stimmung derzeit so schlecht wie seit den Anfängen der Corona-Pandemie nicht mehr. Die Energie-Krise drückte das wichtigste Barometer für die deutsche Konjunktur, den IFO-Geschäftsklimaindex, im September auf den tiefsten Stand seit Mai 2020. "Die deutsche Wirtschaft rutscht in eine Rezession", hatte IFO-Präsident Clemens Fuest dazu erklärt. Die Bundesbank rechnet damit, dass die Wirtschaft im zu Ende gehenden Sommer-Quartal etwas schrumpft, dann Ende 2022 und Anfang 2023 sogar merklich Fahrt verliert.

Quelle: ntv.de, ter/rts

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