Wirtschaft

Lufthansa, Wöhrl, Zeitfracht Interessenten für Air Berlin gehen in Stellung

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Die Liste der potenziellen Käufer für Air Berlin für länger.

(Foto: picture alliance / Ralf Hirschbe)

Noch bis kommenden Freitag können Interessenten ihre Angebote zur Übernahme von Air Berlin vorlegen. Sie können für Teile oder die komplette Airline bieten. Die Pleite-Airline lockt nicht nur große Namen. Ein Außenseiter zieht sich schnell wieder zurück.

Eine Woche vor Ende der Abgabefrist von Übernahmeangeboten für die insolvente Air Berlin wird die Liste der potenziellen Käufer länger. Aussichtsreichste Kandidatin ist nach wie vor:

Air Berlin
Air Berlin ,01

Deutsche Lufthansa

Die größte deutsche Fluggesellschaft will Teile von Air Berlin übernehmen. Nur wenige Tage nach der Insolvenzmeldung bei einer Mitarbeiterveranstaltung, sagte Konzernchef Carsten Spohr, bei Air Berlin arbeiteten "Top-Leute, bei denen wir uns freuen können, wenn wir möglichst viele zu uns holen".

Die Fluggesellschaft will mit den Gewerkschaften über eine faire Lösung beraten. Die Leitung stellte dabei aber bereits klar, dass die Mitarbeiter nicht zu den vergleichsweise komfortablen Air-Berlin-Konditionen übernommen, sondern zu Konditionen der Billig-Tochter Eurowings eingestellt werden könnten.

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Lufthansa-Chef Carsten Spohr

(Foto: picture alliance / Peter Kneffel)

Lufthansa und Air Berlin arbeiten bereits zusammen. Ende vergangenen Jahres schloss die Lufthansa einen Leasingvertrag mit Air Berlin über 38 Mittelstreckenflugzeuge mitsamt Besatzung. Medienberichten zufolge will die Fluggesellschaft nun fast alle Langstrecken-Jets und weitere Mittelstreckenflieger von Air Berlin übernehmen. Insgesamt soll die Lufthansa an 90 Maschinen von Air Berlin interessiert sein.

Easyjet und Condor

Laut Medienberichten werden auch der britische Billigflieger Easyjet und die Fluglinie Condor, eine Tochter des Reisekonzerns Thomas Cook, als Interessenten an Teilen von Air Berlin gehandelt.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann wollte die Meldungen zu Easyjet in einem Interview Mitte August weder bestätigen noch dementieren. Condor erklärte damals lediglich, Thomas Cook und die Fluggesellschaft stünden "für eine aktive Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin bereit".

Hans Rudolf Wöhrl

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Hans Rudolf Wöhrl hat auch Interesse.

(Foto: picture alliance / Nicolas Armer)

Der Nürnberger Unternehmer will Air Berlin als Ganzes erhalten und strebt eine Gruppenlösung mit einem Konsortium an. Zwar verzichtete Wöhrl kürzlich zunächst auf den Zugang zum Datenraum, der für ein konkretes Angebot notwendig wäre. Das hatte aber den Grund, dass Air Berlin eine Vertraulichkeitserklärung gefordert hatte, die in den Augen von Wöhrls Firma nicht geeignet war, um die angestrebte Lösung umzusetzen.

Wöhrls Konzept sieht vor, dass Air Berlin künftig Flugzeuge inklusive Besatzung, Wartung und Versicherung an andere Fluggesellschaften vermieten könnte. Die Flüge finden dann unter dem Namen und der Flugnummer der Partner statt, verbunden mit dem Hinweis "Operated by Air Berlin". So könnten Selbständigkeit und Name der Airline erhalten bleiben.

Alexander Skora

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Das Hostel "Happy Go Lucky" am Stuttgarter Platz.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Berliner Hostelbetreiber Alexander Skora, der erst am Montag sein Interesse an Wir Berlin bekundet hatte, ist nicht mehr interessiert. "Wir werden nicht bei Air Berlin einstiegen", verkündete Skora am Freitag. Nach Gesprächen mit Branchenvertretern habe er sich entschieden, von Air Berlin die Finger zu lassen.

Mit Blick auf seine Partner sagte er: "Wenn, dann werden wir etwas Frisches gründen, was dann auch organisch wächst." Der Hostel-Betreiber wollte eigentlich erst nach Prüfung der Wirtschaftszahlen abwägen, ob er bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft einsteigt. Nach eigenen Worten war Skora allerdings nicht im sogenannten Datenraum.

Angekündigt war ein Kauf zusammen mit einem Konsortium aus israelischen, kanadischen und US-Investoren. Skora wollte Air Berlin zum Basisgeschäft mit Strecken nach Mallorca und zu anderen Zielen zurückführen. Außerdem strebte er eine Art Auktionsmodell mit einem Mindestpreis für die Tickets an. Der Unternehmer ist Eigentümer des Hostels "Happy Go Lucky" in Berlin.

Zeitfracht

Den Hut in den Ring geworfen hat auch die kleine Berliner Spedition Zeitfracht. Das Unternehmen mit 352 Lastwagen will Air Berlin ebenfalls als Ganzes übernehmen und den Luftverkehrsstandort Berlin stärken. Der Familienbetrieb hält die insolvente Airline ohne ihre Altlasten für fortführungsfähig. Zeitfracht will bis Mitte September ein verbindliches Angebot vorlegen.

In dem geplanten Konzept, mit dem man die Airline wieder flott machen will, klaffen laut "Handelsblatt" allerdings erhebliche Lücken. So sieht Zeitfracht zwar im Luftfrachtbereich "große Wachstumschancen und Erlöspotenziale". Für den Passagierbereich aber suche man nach Partnern, heißt es. In Frage käme laut Zeitungsinformationen Air China. Mit der Airline wickelt die Lkw-Spedition bereits jetzt ihr Luftfrachtgeschäft ab.

Utz Claassen

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Der ehemalige EnBW-Chef Utz Claassen

(Foto: picture alliance / dpa)

Medienberichten zufolge ist auch der frühere Chef des Energiekonzerns EnBW als Investor im Gespräch. Angeblich prüft auch er bereits die Geschäftszahlen des Unternehmens und wandte sich mit seinem Ziel an den Sachwalter, möglichst viele Arbeitsplätze zu retten.

Bis zum 15. September werden noch Gebote von Interessenten eingesammelt. Womöglich könnte schon die nächste Gläubigerversammlung am 21. September dann entscheiden, welche Käufer einen Zuschlag bekommen.

Zypries: Politik mischt sich nicht ein

Wer am Ende den Zuschlag bekommt, ist offen. Die Regierung hält sich nach den Worten von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries aus der Aufteilung der insolventen Fluglinie heraus. "Die Politik ist nicht an den Verkaufsverhandlungen beteiligt", sagte die SPD-Politikerin dem Magazin "Focus".  "Das entscheiden das Unternehmen und der Insolvenzverwalter." Die Ministerin versicherte, "dass sich alle ernsthaften Interessenten um die Anteile bewerben können".

Befürchtungen, die Steuerzahler blieben auf dem vom Bund verbürgten 150-Millionen-Kredit der KfW an die Airline sitzen, wies sie zurück. "Wir gehen fest davon aus, dass genügend Erlöse aus dem Verkauf der Vermögenswerte erzielt werden, um den Kredit zurückzuzahlen", sagte Zypries. "Die vielen Interessenten zeigen, dass sie an die Zukunft des Unternehmens mit neuen Partnern glauben."

Nicht zuletzt handele es sich bei dem Notkredit für Air Berlin um "einen Massekredit, das heißt, dass die Bundesregierung vorrangig im Insolvenzverfahren bedient wird". Hätte der Bund nicht für einen Kredit gebürgt, wäre "ein geordneter Verkauf der Vermögenswerte" nicht möglich gewesen.

Quelle: ntv.de, ddi/AFP/rts

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