Wirtschaft

Kein Firmenverkauf nach China Investor beugt sich politischem Druck

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Leifeld Metal Spinning ist Technologieführer bei hochfesten Materialien.

(Foto: Leifeld Metal Spinning)

Der deutsche Mittelständler Leifeld gilt Technologieführer bei hochfesten Materialien, die auch im Nuklearbereich verwendet werden. Für die Bundesregierung offensichtlich ein Grund, einem chinesischen Investor die Übernahme des Unternehmens zu verbieten.

Ein chinesischer Investor beugt sich bei der geplanten Übernahme eines westfälischen Maschinenbauers politischem Druck aus Berlin. Wie die Firma Leifeld Metal Spinning erklärte, trat der Investor Yantai Taihai von dem Vorhaben zurück, die Firma zu kaufen. Grund dafür ist ein drohendes Veto der Bundesregierung - die für ein Verbot des Kaufs nötige Ermächtigung beschloss das Bundeskabinett.

Leifeld Metal Spinning ist ein führender Hersteller von Maschinen zur Verarbeitung hochfester Materialien, die in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz kommen, aber auch im Nuklearbereich verwendbar sind. Das Unternehmen aus Ahlen beschäftigt rund 200 Mitarbeiter. Wie das "Manager-Magazin" vor kurzem berichtet hatte, war Leifeld ins Visier der chinesischen Firma Yantai Taihai Corp geraten, die den Maschinenbauer gemeinsam mit der französischen Manoir Group übernehmen wollte.

Ein Investitionsprüfungsverfahren bei einem Unternehmenserwerb kommt dann in Betracht, wenn Investoren außerhalb der EU mindestens 25 Prozent der Stimmrechte an einem Unternehmen in Deutschland erlangen wollen. Das Bundeswirtschaftsministerium kann dann auf Antrag des erwerbenden Unternehmens oder von Amts wegen prüfen, ob der Erwerb die öffentliche Ordnung oder Sicherheit der Bundesrepublik gefährdet.

Leifeld-Chef hat kein Verständnis

Am Mittwochmorgen teilte der chinesische Investor nun mit, vom Kauf des deutschen Unternehmens zurückzutreten, wie aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums verlautete. Auch eine Sprecherin von Leifeld sagte, Yantai Taihai habe seinen "Antrag auf eine Unbedenklichkeitsbescheinigung" beim Ministerium zurückgezogen. Stattdessen werde nun ein Börsengang des Unternehmens "geprüft und geplant", sagte die Sprecherin.

Leifeld-Chef Oliver Reimann verteidigte den nun geplatzten Übernahme-Deal und äußerte in der Düsseldorfer "Wirtschaftswoche" sein Unverständnis über die Haltung der Bundesregierung. "Wir verfügen über gar kein Know-how in der nicht-zivilen Nuklearindustrie", sagte er dem Blatt zufolge. Nun werde das Unternehmen mit Hilfe des geplanten Börsengangs sein weiteres Wachstum finanzieren.

Dabei solle dann eine vergleichbare Wachstumsstrategie verfolgt werden, wie dies unter der Regie des Investors geplant gewesen sei. Ziel sei es, durch einen Ausbau der Kapazitäten am Standort Ahlen sowie durch Zukäufe und eine internationale Expansion den Umsatz von derzeit rund 40 Millionen Euro innerhalb von drei Jahren auf rund 100 Millionen Euro zu erhöhen.

Ministerium: "Diskriminierungsfreie" Entscheidung

Dem Wirtschaftsministerium zufolge sollen die eingereichten Rücktrittsunterlagen Taihais nun auf ihre "Belastbarkeit" hin geprüft werden. Sollte der Rücktritt vom Kauf des Unternehmens nicht wirksam sein, kann die Regierung ihr Veto gegen den Kauf einlegen. Die dafür nötige Voraussetzung schuf sie durch den Kabinettsbeschluss.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums stimmten die Regierungsmitglieder für eine sogenannte Ermächtigung für eine Untersagung nach der Außenwirtschaftsverordnung. Damit kann der Kauf eines inländischen Unternehmens durch eine ausländische Firma "aus sicherheitspolitischen Gründen" verboten werden. Ob die Regierung davon Gebrauch macht, hängt davon ab, ob der Rücktritt vom Kauf wirksam ist. Das werde nun geprüft, erklärte das Wirtschaftsministerium.

Eine Sprecherin bestritt, dass es darum gegangen sei, ein Exempel bei chinesischen Investitionsvorhaben zu statuieren. "Investitionsprüfungen sind einzelfallbezogene Prüfungen", sagte sie. Sie erfolgten "diskriminierungsfrei und ohne Blick auf die Herkunft des Erwerbers". Seit Sommer 2017 gab es demnach mehr als 80 Prüfungen solcher Investitionsvorhaben. An mehr als einem Drittel dieser Projekte waren "Investoren aus China unmittelbar oder mittelbar beteiligt".

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa

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