Wirtschaft

Iran, Trump und die TankstellenWoher das deutsche Rohöl kommt

15.04.2026, 18:37 Uhr
imageVon Martin Morcinek
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Erdöl aus der Nordsee: Norwegen ist der wichtigste deutsche Energielieferant, noch vor den USA. (Foto: picture alliance / dpa)

Der Krieg am Golf stürzt die Weltwirtschaft ins Chaos: Wichtige Energielieferanten fallen aus, die Meerenge von Hormus ist weiter blockiert, Industrienationen fürchten um ihre Versorgung mit Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin. Wie stark hängt Deutschland am Öl?

Düstere Aussichten für Konjunktur und Verbraucher: Die Auswirkungen des Iran-Kriegs führen zu ernsten Verwerfungen. Je länger die Blockade an der Einfahrt zum Persischen Golf andauert, desto gravierender schlagen die Folgen durch. In Deutschland bekommen Autofahrer die ersten Ausläufer der Schockwellen an den Tankstellen zu spüren: Die Preise für Benzin und Diesel sind bereits deutlich gestiegen.

Mittelfristig drohen erheblich schärfere Konsequenzen. Bevölkerungsreiche Länder wie Indonesien bereiten sich längst auf den Energienotstand vor. Die kriegsbedingte Verknappung des Angebots zwingt stark ölabhängige Staaten und auch große Verbraucher wie Indien, Südkorea, Japan und China zum Ausweichen. Deutschland bezieht derzeit nur einen Bruchteil des eigenen Rohölbedarfs aus der Golf-Region. Im vergangenen Jahr stammten laut amtlichen Angaben lediglich 6,1 Prozent des eingeführten Rohöls aus dem Nahen Osten.

Wichtigstes Lieferland für den Energierohstoff Öl ist der EU-Partner Norwegen. Mit 12,5 Millionen Tonnen kamen 2025 die umfangreichsten nach Deutschland importierten Mengen aus den norwegischen Nordsee-Vorkommen. Knapp dahinter auf Platz 2 folgen die Vereinigten Staaten, die dank ihres seit einigen Jahren laufenden Fracking-Booms enorme Mengen an Rohöl nach Deutschland exportieren.

Konfliktrisiken sind für deutsche Ölimporteure nichts Neues: Drittwichtigster Importpartner ist das kriegszerrüttete Libyen, das im vergangenen Jahr immerhin 10,4 Millionen Tonnen Erdöl nach Deutschland liefern konnte. Weitere Lieferländer stehen dagegen für stabile Handelsbeziehungen. Dicht gefolgt wird Libyen von dem zentralasiatischen Kasachstan und - mit einigem Abstand - dem Vereinigten Königreich.

Auffälligster Befund: Staaten aus der Golf-Region tauchen auf der Liste der bedeutendsten deutschen Bezugsquellen nur vereinzelt auf. Der Irak zum Beispiel exportierte im vergangenen Jahr mit 3,1 Millionen metrischen Tonnen deutlich weniger Rohöl nach Deutschland als der Dschungelstaat Guyana im Nordosten Südamerikas.

Pipelines und Tanker

Insgesamt wirken die deutschen Rohöl-Importe breit aufgestellt: In der Rangfolge der wichtigsten Lieferländer tauchen auf den Plätzen 8 bis 15 neben vier weiteren afrikanischen Staaten sowie Kanada und Aserbaidschan nur zwei Länder aus der Golf-Region auf - die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien.

Der Krieg am Golf betrifft demnach unmittelbar nur einen Bruchteil der deutschen Ölimporte. Trotzdem zahlen Autofahrer in Deutschland mittlerweile deutlich mehr für Benzin und Diesel als die Nachbarn im europäischen Ausland. In Österreich, Luxemburg und Polen etwa müssen Verbraucher an der Tankstelle weniger tief in die Tasche greifen als die Deutschen, wie eine laufende Auswertung von EU-Daten belegt.

Steueranteil beim Tanken

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Die Preise an den Zapfsäulen gehen auf verschiedene Faktoren zurück, teils wirken vor Ort auch schon politische Maßnahmen wie der Preisdeckel nach österreichischem Vorbild. Dazu kommen variierende Produktionskosten bei der Verarbeitung von Rohöl in lokalen Raffinerien, höhere Ausgaben für den Transport, Personal oder den Betrieb der Tankstellen. In Deutschland wird der Benzinpreis zu einem beachtlichen Anteil von der Besteuerung beeinflusst.

Steuern und Abgaben auf Kraftstoffe machen meist "über die Hälfte des Gesamtpreises aus", wie der ADAC beklagt. Hauptbestandteile sind demnach die Energiesteuer (ehemals Mineralölsteuer), die jährlich steigende CO2-Abgabe und die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent. Beim Diesel fällt die Besteuerung etwas sparsamer aus, bedingt vor allem durch die niedriger angesetzte Belastung durch die Energiesteuer.

Der übrige Anteil der Verkaufspreise setzt sich zusammen aus den Beschaffungskosten, also dem Einkauf des Rohöls, die Lieferung per Öltanker oder Pipeline nach Deutschland, die Verarbeitung in der Raffinerie, die Auslieferung bis an die Zapfsäulen - und der einkalkulierten Gewinnmarge der Mineralölkonzerne. Die geplante Absenkung der Energiesteuer um rund 17 Cent pro Liter dürfte nur in überschaubarem Ausmaß für Erleichterung sorgen. Der Anstieg seit Kriegsbeginn beläuft sich allein bei "Super E10" auf rund 36 Cent. Beim Diesel waren es in der Spitze sogar mehr als 70 Cent je Liter.

Und: Das Grundproblem, die kriegsbedingte Verknappung am Weltmarkt, bleibt davon unberührt. Wenn die Straße von Hormus weiter blockiert bleibt, müssen sich wichtige Verbraucherstaaten nach neuen Versorgungsquellen umschauen. Indirekt droht der Iran-Krieg damit auch Deutschland noch mit voller Wucht zu erreichen. Die verlagerte Nachfrage könnte in wenigen Wochen auch hierzulande Versorgungsengpässe auslösen, wie Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche bereits einräumte.

Abhängig von Energie-Importen

"Wir müssen davon ausgehen, dass der Energiepreisschock durch den Iran-Krieg anhält und die Lage äußerst fragil bleibt", bestätigte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. Deutschland ist mit Blick auf den Gesamtenergieverbrauch. Dieser ist Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat zufolge zu rund 67 Prozent von Importen abhängig.

Damit bewegt sich die deutsche Volkswirtschaft leicht über dem EU-Durchschnitt. Andere Länder, wie etwa Malta oder auch Italien, trifft die Energieabhängigkeit deutlich stärker. Die neue Ölkrise dürfte die Suche nach Einsparmöglichkeiten europaweit befeuern.

Denn Rohöl ist bei weitem nicht die einzige Energiequelle: Bei der Stromerzeugung in Deutschland etwa spielt es nur noch eine untergeordnete Rolle. Erdgas, Öl und andere konventionelle Energieträger kamen im vergangenen Jahr zusammen nur auf einen Anteil von rund 15 Prozent. Zum Vergleich: Braun- und Steinkohle lieferten 22 Prozent des ins Netz eingespeisten Stroms, der Anteil der Erneuerbaren lag Zahlen der Fraunhofer-Gesellschaft 2025 bei mehr als 60 Prozent.

Wofür braucht Deutschland dann so viel Öl? Der deutsche Tagesverbrauch wird im Schnitt mit etwas mehr als zwei Millionen Barrel angegeben. Rund 58 Prozent davon entfallen innerhalb der EU in Form von Benzin und Diesel auf den Straßenverkehr. 20 Prozent gehen als Energiequelle und als Rohstoff zur Weiterverarbeitung in die Industrie. Elf Prozent werden für den "sonstigen inländischen Verkehr" verwendet, wie es in der amtlichen Statistik heißt, also in Form von Kerosin für Flugzeuge oder als Schiffsdiesel in der Binnenschifffahrt.

Lediglich fünf Prozent des durchschnittlichen Tagesbedarfs landen in den Heizöltanks privater Hausbesitzer - doch auch dort werden steigende Preise bei anhaltend hohem Verbrauch spätestens im kommenden Herbst schmerzhaft spürbar werden.

Quelle: ntv.de

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