Wirtschaft

Model 3, China, Kosten Ist Tesla nun endlich über den Berg?

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Für Telsa läuft es derzeit rund.

(Foto: REUTERS)

Elon Musks E-Autoschmiede Tesla triumphiert. Die Drittquartalszahlen sind endlich schwarz. Analysten sind erstaunt, Anleger euphorisch. Doch wird das so bleiben? "Die großen Probleme sind vorbei", sagt Autoexperte Dudenhöffer n-tv.de. Ein Quäntchen Skepsis scheint dennoch berechtigt.

Das ist mal eine unerwartete Jubelmeldung aus Elon Musks E-Autoschmiede: Tesla hat das dritte Quartal mit einen Gewinn von 143 Millionen Dollar abgeschlossen. Aber heißt das, der E-Autopionier ist nach zahllosen Rückschlägen nun endlich über den Berg? Experten sehen zumindest einen möglichen Wendepunkt.

Tesla Motors (USD)
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Zunächst einmal hat Tesla-Chef Musk sein Versprechen schwarzer Zahlen - die ersten in diesem Jahr - wahr gemacht. "Die hohen Investitionskosten, die Tesla in der Vergangenheit immer wieder auf die Füße  gefallen sind, haben die E-Autoschmiede diesmal nicht umgehauen", sagt Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen n-tv.de.

Musk scheint auf der Zielgeraden. Er sei "höchst zuversichtlich", 2019 mehr als 360.000 Fahrzeuge an die Kundschaft bringen zu können, schreibt er in seinem Brief an die Aktionäre. Das bisherige Jahresziel lag bei 360.000 bis 400.000 Fahrzeugen. Laut "Wall Street Journal" müssen in den drei Monaten bis zum 31. Dezember damit noch mindestens 104.800 Fahrzeuge ausgeliefert werden. Ein entscheidender Faktor, dass Musk die Latte nicht reißt, ist das Modell 3. Allen Unkenrufen zum Trotz läuft es hier besser als erwartet: Im dritten Quartal wurden 79.600 Fahrzeuge des Modells verkauft. Vier von fünf Kunden entscheiden sich demnach für das günstige Tesla-Modell, das für rund 39.000 US-Dollar zu haben ist.

Fortschritte gibt es auch bei neuen Modellen. Laut Musk liegt Tesla mit dem Crossover-SUV Modell Y vor dem Zeitplan. Die Markteinführung ist für nächsten Sommer geplant. Im November will Musk zudem einen Prototyp für den lang erwarteten neuen E-Pickup enthüllen. Pickups sind in den USA Verkaufsschlager. Musk hofft damit den Konkurrenten GM und Ford Marktanteile abjagen zu können.

Der US-Markt ist tot, es lebe China

Auch auf dem chinesischen Markt kann Tesla punkten. Positiv kommt an, dass das Werk in Shanghai endlich an den Start gehen kann. Peking hat erst kürzlich grünes Licht gegeben. "Tesla und Trump haben keine Zukunft. China ist entscheidend", sagt Dudenhöffer. Bis Ende des Jahres sollen in Shanghai wöchentlich mindestens 1000 Fahrzeuge des Modells 3 vom Band laufen. Das soll nicht nur den Absatz im weltgrößten Automarkt ankurbeln, sondern auch die teuren Einfuhrzölle für Autos aus den USA vermeiden helfen.

Dennoch ist Skepsis angebracht. Das Quartalsergebnis mag schwarz sein, aber es liegt satte 50 Prozent unter dem des Vorjahres. Auch der Umsatz ist um ganze acht Prozent auf 6,3 Milliarden US-Dollar geschrumpft. Tatsächlich ist es das erste Mal seit 2012, dass Teslas Erlöse im Jahresvergleich sanken. Dass der Konzern trotzdem einen Gewinn erwirtschaften konnte, lag unter anderem an strammen Kosteneinsparungen. Im Mai rief Musk in einem internen Schreiben alle Mitarbeiter auf, das Geld beisammenzuhalten, ansonsten wäre der Konzern in zehn Monaten pleite.

Fraglich ist, wie lange Musk diese Kostenkontrolle beibehalten wird. Musk wäre nicht Musk, wenn er nicht immer wieder mit ambitionierten und kostenintensiven Zielen aufwarten würde. Die Emissionsgutschriften, die in der Vergangenheit ebenfalls viel Geld in die Tesla-Kasse gespült haben, sind ein Auslaufmodell. Im kommenden Jahr fallen die Steuergutschriften für Elektrofahrzeuge in den USA weg. Genau aus diesem Grund hat Tesla Anfang des Jahres sieben Prozent der Belegschaft gekündigt, die meisten Einzelhandelsgeschäfte geschlossen und die Preise gesenkt.

"Es bleibt volatil"

Ob Musks Rechnung aufgehen oder der Personalabbau zu einem Problem werden wird, ist ungewiss. Auch auf dem großen Hoffnungsmarkt China gibt es Unsicherheiten. Der größte Automarkt der Welt ist eingebrochen. Fragen gibt es auch noch mit Blick auf Arbeitskräfte und Lieferanten. Es bleibt zudem ein Beigeschmack, erinnert man sich an das dritte Quartal 2018, in dem ebenfalls ein satter Gewinn ausgewiesen wurde. Im vierten Quartal war dieser bereits deutlich zusammengeschrumpft. Und im ersten Halbjahr diesen Jahres belief sich der Verlust dann auf mehr als eine Milliarde US-Dollar. Wende oder Reise auf demselben Weg?

"Es wird volatil bleiben", prognostiziert Dudenhöffer. "Aber Tesla ist auf dem Weg sich zu stabilisieren. Die ganz großen Probleme sind vorbei." Genau darauf wetten die Anleger derzeit. Zum Handelsstart an der Wall Street schießt die seit Jahresanfang um über 20 Prozent eingeknickte Aktie um knapp 19 Prozent nach oben.

Quelle: ntv.de