Wirtschaft
Jeff Bezos, der reichste Mann der Welt, spielt lieber den Philantrophen, statt Steuern zu zahlen.
Jeff Bezos, der reichste Mann der Welt, spielt lieber den Philantrophen, statt Steuern zu zahlen.(Foto: picture alliance/dpa)
Freitag, 14. September 2018

Milliardenspenden für Obdachlose: Jeff Bezos sollte lieber Steuern zahlen

Ein Kommentar von Hannes Vogel

Amazon-Chef Jeff Bezos ist kein Fan von Steuern. Sein Konzern zahlt so gut wie keine. Der reichste Mann der Welt gibt lieber den Wohltäter und gründet einen Obdachlosenfonds. Mit dem er… Steuern spart. Das ist die blanke Heuchelei.

Auf den ersten Blick gibt es an Jeff Bezos neuer Wohltätigkeitinitiative nichts auszusetzen. Der reichste Mann der Welt - geschätztes Vermögen laut Forbes über 100 Milliarden Dollar - öffnet seine Brieftasche, um den Ärmsten und Schwächsten zu helfen. Zwei Milliarden Dollar macht Bezos locker, um Obdachlosenstiftungen und Vorschulen in einkommensschwachen Gegenden zu finanzieren.

Dafür verdient Bezos Applaus. Allerdings kann er es nicht lassen, sich gleichzeitig als Wohltäter zu feiern. "Wo ist das Gute in der Welt, und wie können wir es verbreiten?", fragte er rhetorisch auf Twitter. Und lieferte dann die Antwort unausgesprochen selbst: Ich bin es. Denn ich spende.

Das ist nicht nur selbstherrlich. Es ist die pure Heuchelei. Denn Bezos Engagement für das Gemeinwohl lässt vorsichtig gesagt zu wünschen übrig. Sein Konzern ist einer der größten Steuersünder der Welt.

Fast eine Billion Dollar ist Amazon inzwischen an der Börse wert. 5,6 Milliarden Dollar Gewinn machte der Konzern im vergangenen Jahr - und zahlte darauf in den USA nicht einen Cent Einkommenssteuer. Im Gegenteil: Amazon bekam vom US-Fiskus sogar noch eine millionenschwere Erstattung.

In Europa verhält sich Amazon kaum besser. Hier hat die Firma wie Apple und andere Digitalkonzerne sogar das Kunststück vollbracht, jahrelang so gut wie nichts auf seine Gewinne zu zahlen. Möglich machten das geheime Steuerdeals mit der Luxemburger Regierung, die die EU-Kommission inzwischen für illegal erklärt hat. Der Konzern soll 250 Millionen Euro nachzahlen und klagt dagegen.

Am deutlichsten zeigt sich die Bigotterie von Bezos Wohltätigkeitsfonds aber ausgerechnet am Amazon-Hauptsitz in Seattle: Dort hat es der Konzern gerade geschafft, eine neue Steuer zu kippen, mit der der Stadtrat den sozialen Wohnungsbau finanzieren und Obdachlosigkeit bekämpfen wollte. Nun macht Bezos mit großzügiger Geste Geld locker, um Obdachlose von der Straße zu holen. Seine Spenden kann er natürlich auch wieder von der Steuer absetzen. Wie gönnerhaft.

All das ist legal. Amazon bricht keine Gesetze. Die Finanzminister der Welt erlauben es dem Konzern, das Gemeinwesen schamlos auszuplündern. Sie sind die Fluchthelfer multinationaler Firmen, weil sie sich nicht auf Mindestsätze für die Digitalriesen einigen können.

"Wenn unsere eigenen Urgroßenkel keine besseren Leben als wir haben, ist etwas ziemlich schief gelaufen", twitterte Bezos pathetisch, als er seinen milliardenschweren Sozialfonds ankündigte. Da hat er Recht.

Man stelle sich vor, wieviele Schulen man bauen, wie vielen Obdachlosen man helfen könnte, wenn Amazon & Co. Steuern zahlen würden wie Mittelständler und Maschinenbauer. Wenn die Internet-Giganten ihre Einnahmen nicht rund um den Globus verschieben, sich mit Scheinlizenzen, Transferpreisen und In-Sich-Geschäften armrechnen und in Steueroasen flüchten könnten. Jeff Bezos könnte sich jede Wohltätigkeitsstiftung sparen.

Quelle: n-tv.de