Wirtschaft

Jetzt drohen VersorgungsengpässeDie letzten Hormus-Tanker erreichen ihre Raffinerien

14.04.2026, 09:38 Uhr
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Ein Öltanker läuft am 3. April in der Bucht von Tokio ein. Er hatte die Straße von Hormus am 26. Februar passiert, also zwei Tage vor den US-israelischen Angriffen auf den Iran. (Foto: picture alliance/dpa/kyodo)

An den Zapfsäulen zahlen Autofahrer seit Wochen den Preis für den Iran-Krieg. Beim nächsten Besuch stehen sie womöglich gänzlich auf dem Trockenen: Die letzten Vorkriegslieferungen aus der Straße von Hormus erreichen ihr Ziel. Wirtschaftsministerin Reiche hatte bereits im März vor diesem Szenario gewarnt.

Den globalen Energiemärkten drohen womöglich bereits Ende der Woche neue Verwerfungen. Die letzten Öltanker, die vor dem Iran-Krieg die Straße von Hormus durchquert haben, erreichen in den kommenden Tagen ihre anvisierten Raffinerien. Dies könnte Analysten zufolge zu dem Szenario führen, vor dem Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche Ende März gewarnt hatte: Der Preisschock an der Zapfsäule könnte sich zu einem Versorgungsschock ausweiten.

Asien bezieht etwa 80 Prozent seines Rohöls aus dem Nahen Osten. Wie die "Financial Times" berichtet, werden die Öltanker ihre Ziele in Malaysia und Australien voraussichtlich bis zum 20. April erreichen. Asiatische Raffinerien haben seit Ausbruch des Iran-Kriegs und der Sperrung der Straße von Hormus vorsorglich Rekordmengen an Rohöl eingekauft, um sich auf einen drohenden Lieferstopp vorzubereiten. Darunter befinden sich auch Lieferungen, die eigentlich nach Europa und in die USA gehen sollten. Deshalb sind Engpässe hierzulande nicht auszuschließen.

Asiatische Raffinerien reduzieren ihren Betrieb bereits aufgrund von Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Rohöl, wie der Analyst Nic Dyer von Energy Aspects in der "Financial Times" sagt. Dies passiert demzufolge, obwohl sie strategische Ölreserven anzapfen und Rekordmengen an Rohöl aus den USA, Kanada, der Nordsee, Südamerika und Afrika einkaufen. "Der Westen wird in einem Monat davon betroffen sein", wird Dyer zitiert. Über die Straße von Hormus wurden vor dem Krieg knapp 20 Prozent des globalen Öl- und Flüssiggasbedarfs verschifft.

Preisniveau der Finanzkrise

Der Krieg begann am 28. Februar. Aufgrund der enormen Entfernungen haben die meisten Ladungen auch bereits raffinierter Produkte aus dem Nahen Osten ihr Ziel laut Bericht erst um den 1. April herum erreicht.

Seitdem sind nur noch vereinzelt Tanker mit Vorkriegslieferungen auf den Weltmeeren unterwegs. Mindestens eine Ladung irakischen Rohöls wird diese Woche in Malaysia erwartet. Auch die USA erwarten in dieser Woche die letzte Lieferung. Dänemark erhielt am Wochenende die vermutliche letzte Ladung Kerosin aus Kuwait. Die letzte Lieferung nach Afrika wurde mutmaßlich am 10. April registriert.

Für sofort lieferbare Ladungen zahlen Raffinerien laut Bericht inzwischen Preise von 149 US-Dollar je Barrel. So viel musste demnach zuletzt am Vorabend der globalen Finanzkrise 2008 gezahlt werden. Der Bieterwettbewerb treibt die Kosten nach oben.

April wird schlimmer als März

Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt davor, dass der April für die Weltwirtschaft ein schwierigerer Monat werden dürfte als der März. "Im März sind noch Lieferungen aus der Region eingetroffen, die lange vor Beginn der Krise verladen wurden", sagte IEA-Chef Fatih Birol am Montag nach der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington. In den vergangenen Wochen sei "nichts mehr verladen worden".

Der IEA-Chef warnt eindrücklich: "Kein Land ist gegen dieses Problem immun. Je länger die Unterbrechung anhält, desto gravierender wird das Problem."

Birol zufolge können die Mitgliedsländer der Energieagentur mehr strategische Ölreserven auf den Markt bringen, um eine weitere Eskalation der Rohölpreise zu dämpfen. Anfang März hatten die 32 Mitgliedsländer bereits eine Rekordmenge von 400 Millionen Barrel freigegeben. Deutschland beteiligt sich mit 19,5 Millionen Barrel. 

Die Aussichten sind dennoch düster. Totalenergies-Chef Patrick Pouyanné warnte am Montag vor "ernsthaften Versorgungsproblemen" bei einigen Kraftstoffen, sollte die Straße von Hormus nicht zeitnah für den Warenverkehr geöffnet werden. "Wenn dieser Krieg und diese Blockade länger als drei Monate andauern, werden wir bei einigen Produkten wie Kerosin mit ernsthaften Versorgungsproblemen konfrontiert sein", sagte er auf dem Semafor World Economy Forum in Washington. "Dann müssen Flüge gestrichen sowie Diesel und natürlich LNG rationiert werden."

Quelle: ntv.de, chr

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