Wirtschaft

"Wir bekommen Trainingsdaten"KI-Firma bietet Gratis-Reinigungsdienst für Wohnungen an

01.06.2026, 13:56 Uhr
imageVon Max Borowski
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Besonders nützlich für das KI-Training: eine "herausfordernde Reinigungsumgebung". (Foto: picture alliance / Zoonar)

Humanoide Roboter für Privathaushalte sollen das nächste große Ding der Technologiebranche werden. Um die KI für deren Steuerung zu trainieren, fehlen aber Daten. Geeignetes Material ist rar und teuer. Ein Startup bietet New Yorkern nun ein Tauschgeschäft.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Reinigungspersonal, das das US-Startup Shift in New Yorker Wohnungen schickt, wenig von den Mitarbeitern anderer Unternehmen, die Putzdienste für Privathaushalte anbieten. Man beschäftige nur "Reinigungsprofis", versichert Shift in seinem Angebot. Das Besondere: Die Kunden zahlen nichts für die Reinigung - zumindest kein Geld. Shift übernimmt die Kosten komplett und bekommt dafür etwas, was wertvoller ist als der Lohn einer Reinigungskraft: Daten. Genauer: Trainingsdaten für Künstliche Intelligenz (KI), die Roboter befähigen sollen, sich künftig in Haushalten ähnlich wie Menschen zu bewegen und zu arbeiten.

Um diese Trainingsdaten zu gewinnen, tragen die menschlichen Reinigungskräfte von Shift eine an einem Stirnband befestigte Kamera. Die zeichnet jede Bewegung bei der Arbeit aus Sicht des Mitarbeitenden auf: Staubsaugen, Spülen, Wäschewaschen, Aufräumen, Wischen: Alles wird gefilmt, um damit die KI zu füttern. Datenschutzbedenken, heißt es auf der Website von Shift, seien unbegründet. Gesichter von Menschen und "alle persönlichen Details" in den Wohnungen würden vor der Verarbeitung des Filmmaterials unkenntlich gemacht.

"Du bekommst eine saubere Wohnung. Wir bekommen Trainingsdaten. Alle gewinnen", beschreibt Shift das Angebot. Seit vergangener Woche kann der Service zunächst nur in New York gebucht werden. Bald soll er auch in anderen Städten in den USA und Europa angeboten werden.

Das Angebot ist eine neue Stufe einer schnell wachsenden, weltumspannenden Branche: Training von Roboter-KI. Humanoide, also menschenähnliche Roboter, die alltägliche Aufgaben in Haushalten übernehmen, sollen das neue große Ding der Technologiebranche werden. Tesla, Boston Dynamics, Nvidia und viele andere arbeiten daran. Tesla gehört zu den Unternehmen, die solche Roboter bereits mit weitreichenden Versprechungen vorgestellt und eine kurz bevorstehende Markteinführung angekündigt haben.

Doch im Vergleich zu anderen Bereichen wie Robotern in der Industrie oder weitgehend automatisierten Lagern sind humanoide Haushaltsroboter noch weit von der Marktreife entfernt. Bisher vorgestellte Modelle scheinen kaum hilfreich und arbeiten zudem hauptsächlich ferngesteuert. Haushalte und die dort zu erledigenden Arbeiten sind viel komplexer als einzelne Fertigungsschritte in Fabriken, die zudem den Bedürfnissen der Roboter angepasst werden können. Im Vergleich zu KI-Sprachmodellen wie ChatGPT oder Bild- und Videogeneratoren, wo Unternehmen in den vergangenen Jahren Durchbrüche erzielten, haben die Entwickler von Haushaltsrobotern einen entscheidenden Nachteil: Es fehlen Trainingsdaten. Diese zu generieren, ist teuer.

Für die Entwicklung von ChatGPT, Claude und anderen Sprachmodellen verarbeiteten die Unternehmen einen Großteil des Internets, weitgehend ohne dafür zu zahlen. Einen ähnlichen Datenschatz zu Haushalten gibt es nicht. Um Trainingsmaterial zu gewinnen, beschäftigen spezialisierte Unternehmen weltweit Menschen, die sich unter anderem in speziellen Laboren bei Aufgaben wie Wäschefalten immer wieder filmen lassen. Das ist zum einen teuer und kann zum anderen Trainingsdaten aus echten Haushalten nicht ersetzen. Andere Unternehmen bezahlten Menschen dafür, verschiedene Tätigkeiten im Alltag mit smarten Brillen zu filmen.

Auf diesem Markt geht Shift noch einen Schritt weiter in den Alltag normaler Haushalte, auch und gerade dahin, wo es schwierig wird. Auch die Reinigung von "sehr schmutzigen" Wohnungen werde übernommen, heißt es auf der Website, denn "herausfordernde Reinigungsumgebungen" seien "besonders nützlich".

Quelle: ntv.de

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