Aus für russische Tanktouristen?Kasachstan kontrolliert an 59 Checkpoints Benzinschmuggel ins Ausland

Anfang Juli meldet die erste russische Großstadt: Nach ukrainischen Drohnenangriffen gibt es kein Benzin mehr. In russischen Grenzregionen behelfen sich Einwohner mit Fahrten ins Ausland. Kasachstan schiebt diesen Vorgängen jetzt offenbar einen Riegel vor.
Kasachstan hat an seinen Grenzübergängen 59 Polizeikontrollpunkte eingerichtet, um den Schmuggel von Kraftstoffen ins Ausland zu unterbinden. Das berichtet das unabhängige russische Exilportal Medusa unter Berufung auf das kasachische Innenministerium. Alle Fahrzeuge, die eine Grenze überqueren, werden demzufolge ab sofort auf zusätzliche Kraftstoffbehälter überprüft.
Dem Bericht zufolge wurden seit Jahresbeginn durch die örtliche Polizei 255 Fälle registriert, in denen Fahrzeuge mit illegalen Zusatztanks und Kanistern ausgestattet waren. Unter den Beschuldigten befanden sich 195 ausländische und 60 kasachische Staatsangehörige. Gegen sie wurden Strafen verhängt. Die illegalen Zusatztanks wurden aus den Fahrzeugen entfernt. Anschließend wurden die Fahrzeuge an die Besitzer zurückgegeben.
Die Schmuggelversuche haben demnach zuletzt deutlich zugenommen. Allein in den beiden Tagen zuvor sollen die Grenzbehörden 61 Versuche vereitelt haben, Kraftstoff über die Grenze zu schmuggeln. Bereits seit gut einem Monat dürfen Fahrzeuge aus Nachbarstaaten die kasachische Grenze nur einmal täglich passieren, um den Schmuggel zu unterbinden.
Laut Bericht nennt das kasachische Innenministerium keinen Grund für die Verschärfung der Grenzkontrollen und gibt nicht an, ob der Kraftstoffschmuggel einen bestimmten Nachbarstaat betrifft. Nahe liegt, dass der akute Treibstoffmangel in Russland Auslöser für die Kontrollen ist: Unter anderem die "Novaya Gazeta Europe" hatte zuletzt von einem wachsenden Schwarzmarkt für Benzin und Diesel berichtet.
In den vergangenen Monaten hat die Ukraine mit Drohnen wiederholt Ölraffinerien in ganz Russland angegriffen und damit eine Kraftstoffkrise ausgelöst. Laut der "Financial Times" sollen rund 50 Millionen Menschen direkt betroffen sein.
Die russischen Behörden versuchen, Kraftstofflieferungen aus anderen Ländern auszuhandeln, doch viele Regionen haben Beschränkungen für den Benzinverkauf verhängt, sodass die Menschen stundenlang an Tankstellen Schlange stehen müssen. Anfang Juli gab Noworossijsk als erste Großstadt bekannt, nach ukrainischen Drohnenangriffen über keinerlei Benzin mehr zu verfügen. In russischen Grenzregionen hat die Versorgungslage zu einem Tanktourismus geführt.