Wirtschaft

Abkommen im Iran-KriegKommt jetzt die wirtschaftliche Erholung?

19.06.2026, 16:52 Uhr
imageVon Zoe Gleisberg
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Laut VDR stecken noch rund 2000 Handelsschiffe in der Straße von Hormus fest. (Foto: REUTERS)

Freie Fahrt auf der Straße von Hormus - das steht im Rahmenabkommen zur Beendigung des Iran-Krieges. Doch von freiem Schiffsverkehr kann bisher noch keine Rede sein. Gerade deshalb ist noch schwer abzusehen, welche wirtschaftlichen Auswirkungen das Ende des Krieges tatsächlich haben wird.

Das Abkommen ist unterzeichnet: US-Präsident Donald Trump und der iranische Präsident Massud Peseschkian haben sich darauf geeinigt, den Iran-Krieg zu beenden und die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Trumps Beweggründe für den Deal waren unter anderem die wirtschaftlichen Folgen des Krieges. Denn die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen für den Handel mit Öl und Gas. Durch ihre Blockade war das Angebot knapp, und die Energiepreise sind weltweit gestiegen. Trump wolle „keine Wirtschaftskatastrophe erleben. Wäre das so weitergegangen, hätte das passieren können“, sagte er. Wie schnell die Wirtschaft sich jetzt erholen wird, ist allerdings noch offen.

Der Verband Deutscher Reeder (VDR) erwartet vorerst keine sofortige Rückkehr zum normalen Schiffsverkehr in der Straße von Hormus. Das Abkommen sei zwar ein wichtiger erster Schritt, doch noch gäbe es „Risiken für die Schifffahrt, insbesondere mögliche Minengefahren“, sagte VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger. Diese müssten in den kommenden Wochen beseitigt werden, um eine sichere Durchfahrt zu ermöglichen.

Insgesamt stecken nach Angaben des VDR noch rund 2000 Handelsschiffe mit etwa 20.000 Seeleuten in der Straße von Hormus fest. Diese werden nicht alle gleichzeitig die Meerenge passieren können. Es brauche eine enge internationale Abstimmung, um eine "schrittweise und sichere Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs" zu organisieren, so der VDR.  

Viele Raffinerien und Ölförderungsanlagen in der Region seien durch den Krieg beschädigt worden, sagte Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie, im Interview mit ntv. Es könne noch Monate, „vielleicht sogar in Richtung Jahre" dauern, bis die Ölproduktion sich wieder normalisiere. Daher werde der Preis in absehbarer Zeit auch nicht auf das Vorkriegsniveau sinken.

Hingegen erwartet die US-Großbank Goldman Sachs, dass die Golf-Exporte bis Ende Juli auf Vorkriegsniveau steigen und die Rohölproduktion sich bis Oktober erholt.  

Wenn die Preise für Rohöl und Erdgas durch ein größeres Angebot sinken, hätte das gesamtwirtschaftlich weitreichende Folgen. Die Inflationsraten würden „unmittelbar sinken und die Kaufkraft der Verbraucher zurückkehren“, sagte der Leiter der Konjunkturforschung am Münchner Ifo-Institut Timo Wollmershäuser. Außerdem hätte ein Kriegsende seiner Meinung nach „positive Auswirkungen auf die Konjunktur“.

Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank, geht hingegen davon aus, dass der Inflationsdruck weiterhin bestehen werde und die Europäische Zentralbank die Leitzinsen im September erhöhen wird. Außerdem betont er, dass der konjunkturelle Schaden bereits eingetreten sei und “für Deutschland und den Euroraum für dieses Jahr weiter nur ein mageres Wachstum von jeweils 0,6 Prozent“ erwartet werden könne. Insofern begrenze das Abkommen nur den konjunkturellen Schaden. Und auch insgesamt seien noch wichtige Fragen in Bezug auf das Rahmenabkommen ungeklärt, so Krämer. Denn für ein finales Friedensabkommen und damit auch ein tatsächliches Ende des Krieges müssen sich beide Parteien noch in vielen zentralen Punkten einigen.

Quelle: ntv.de, mit rts/dpa

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