Wirtschaft

Kampf der Lebensmittel-Giganten Edeka boykottiert 163 Nestlé-Produkte

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Maggi gilt seit mehr als 130 Jahren als "Must-have" für Lebensmittelhändler.

(Foto: picture alliance / dpa)

Kaum ein Supermarkt kann auf Produkte des Nestlé-Konzerns - wie Maggi und Nescafé - verzichten. Edeka ist als größter deutscher Lebensmittelhändler gewohnt, von allen Lieferanten Top-Konditionen zu bekommen. Nun eskaliert der Preisstreit.

Es ist ein Kräftemesse der Branchenriesen: Die Nummer eins des deutschen Lebensmitteleinzelhandels will den größten Nahrungsmittelhersteller der Welt in die Knie zwingen. Einem Bericht der "Lebensmittelzeitung" zufolge bestellt Edeka 163 Produkte des Nestlé-Konzerns nicht mehr nach, weil sich die beiden Unternehmen bei den Preisverhandlungen nicht einigen konnten. Edeka beklagt laut "Lebensmittelzeitung", dass Nestlé einige Konkurrenten günstiger beliefere als die eigenen Märkte. Edeka und Nestlé haben zu dem Bericht bislang nicht Stellung genommen. Allerdings hat die Schweizer Supermarktkette Coop, die ebenfalls in die Preisverhandlungen involviert ist, bestätigt, keine Nestlé-Produkte mehr zu bestellen.

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Nestle 116,40

Harte Preisverhandlungen, die gelegentlich auch zu einem "Delisting" - dem Streichen eines Herstellers von der Lieferantenliste - führen, sind in der hart umkämpften deutschen Lebensmittelbranche nichts Ungewöhnliches. Im Kampf mit Mars strich Edeka etwa im vergangenen Jahr kurzfristig dessen Tiernahrungsprodukte aus dem Sortiment. Die Drogeriekette DM boykottierte öffentlichkeitswirksam eine versteckte Preiserhöhung bei Zahnpasta von Colgate.

Der Kampf zwischen Edeka und Nestlé hat jedoch eine außergewöhnliche Dimension: Nestlé hat nicht nur aufgrund seiner Größe besondere Macht, sondern viele der Konzern-Marken von Maggi bis Nescafé gelten als "Must-have". Jeder Supermarkt mit Vollsortiment muss sie führen, um die Kunden nicht zu enttäuschen. Sollte nicht einer der beiden Kontrahenten schnell nachgeben, dürften sich in den Edeka-Regalen bald größere Lücken auftun.

Nestlé kann sich Rabatte kaum leisten

Edeka seinerseits ist nicht nur der größte deutsche Lebensmittelhändler, der allein Nestlé pro Jahr einen Umsatz von geschätzt 900 Millionen Schweizer Franken beschert. Zudem hat sich Edeka im Ringen mit Nestlé mit der europäischen Einkaufsallianz Agecore zusammengetan. Gemeinsam repräsentieren die Supermarktbetreiber Edeka aus Deutschland, Conad aus Italien, Intermarché aus Frankreich, Eroski aus Spanien, die belgische Colruyt Group und die Schweizer Coop 140 Milliarden Euro Jahresumsatz in großen Teilen Europas. Die Einkäufer von Agecore sind mit ihren Ordern bisher schätzungsweise für 10 Prozent des Nestlé-Umsatzes verantwortlich.

Beide Seiten stehen unter großem Druck. Die Supermärkte befinden sich in einem immer härteren Preiskampf untereinander. Zudem wächst die Konkurrenz vonseiten der Discounter, die immer mehr Markenprodukte in ihr Sortiment aufnehmen. Dass Hersteller wie Nestlé dabei den Billig-Ketten teilweise günstigere Bedingungen einräumen als den Vollsortiment-Märkten, macht die Supermarktmanager offenbar noch entschlossener in den Verhandlungen.

Nestlé dagegen kämpft zuletzt mit stagnierenden Umsätzen und einem zurückgehenden Gewinn. Weitere Rabatte an die Großkunden kann sich der neue Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider kaum leisten. Allerdings haben die Agecore-Mitglieder Nestlé eine Gegenleistung angeboten, falls der Hersteller zu Zugeständnissen bei den Preisen bereit ist. In ganz Europa könnten die Märkte die Nestlé-Produkte intensiver bewerben als bisher.

Quelle: ntv.de, mbo

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