Wirtschaft

Zittern an der TankstelleKraftstoffpreise signalisieren Atempause

12.03.2026, 11:32 Uhr
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Jetzt wird es gleich teuer: Beim Tanken spüren Verbraucher in Deutschland die Auswirkungen des Iran-Kriegs. (Foto: picture alliance / dpa)

Vorsichtiges Aufatmen an der Tankstelle: Die Preise für Benzin und Diesel kommen zur Wochenmitte das erste Mal seit Kriegsbeginn leicht zurück, im bundesweiten Tagesdurchschnitt wird Tanken billiger. Nur: Die neuesten Ereignisse am Golf sind in der ADAC-Einschätzung noch nicht enthalten.

Der steile Anstieg bei den Kraftstoffpreisen ist unterbrochen: Zum ersten Mal seit Beginn des Iran-Krieges haben sich die Preise für Benzin und Diesel im Tagesvergleich wieder etwas verbilligt. Superbenzin der Sorte E10 und Diesel waren im bundesweiten Tagesdurchschnitt am Mittwoch um 3,4 beziehungsweise 5,4 Cent billiger als am Dienstag, wie der ADAC am Morgen mit Blick auf die Bewegungen zur Wochenmitte mitteilte.

Die Angaben des Automobilclubs beziehen sich auf die mehrtägige Entwicklung an den Zapfsäulen in Deutschland. Der von ntv berechnete aktuelle Tagesdurchschnitt für E10 lag am Donnerstagmorgen in der Spitze bei 2,05 Euro, Diesel kostete 2,18 Euro je Liter. Damit bewegten sich die Kraftstoffpreise zunächst noch etwa auf Vortagesniveau.

Wie lange die Atempause anhält, ist unklar: Die jüngsten Vorfälle in der Golf-Region trieben die Rohstoffpreise an den Weltmärkten nach einer kurzen Phase der Entspannung mittlerweile aufs Neue in die Höhe. Rohöl der Nordseesorte Brent näherte sich am Donnerstagmorgen wieder der Marke von 100 Dollar je Barrel an, US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) lag bei 91,28 Dollar je Fass - und damit gut sieben Dollar über dem Vortagesniveau.

Die Bewegungen bei den Benzin- und Dieselpreisen stellen damit womöglich nur eine kurze Unterbrechung des Preisanstiegs dar: Mit 2,011 Euro pro Liter war E10 am Mittwoch im Tagesdurchschnitt immerhin noch gut 23 Cent teurer als am Tag vor Kriegsausbruch. Bei Diesel waren es mit 2,134 Euro pro Liter am Mittwoch sogar knapp 39 Cent mehr als vor Beginn der Angriffe.

Ein wichtiger Faktor für den Preisanstieg der vergangenen Tage ist die Nervosität an den Rohstoffmärkten und die unsicheren Aussichten mit Blick auf die Exportwege führender Öl- und Erdgas-Förderstaaten wie Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Durch die Sperrung der Meerenge von Hormus sind wichtige Abnehmerländer wie Indien, Japan, Südkorea und vor allem China von einem Teil ihrer Bezugsquellen für fossile Energieträger wie Rohöl, Ölprodukte und auch Flüssigerdgas (LNG) abgeschnitten.

Dazu kommen die Beeinträchtigungen bei den Förderkapazitäten durch iranische Raketen- und Drohnenschläge. Die kriegsbedingte Verknappung am Weltmarkt zwingt den Rohstoffhandel in den Ausnahmezustand - mit tendenziell weiter steigenden Preisen. Diesel reagiert typischerweise stärker auf Krisen, unter anderem weil angesichts des hohen Verbrauchs unter anderem durch Lkw und den höheren Anteil an Diesel-Pkw sehr viel mehr von diesem Kraftstoff nach Deutschland importiert werden muss.

Zu Beginn der zweiten Kriegswoche war der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent im Handelsverlauf vorübergehend auf mehr als 120 Dollar gestiegen. Diese Preisspitze blieb bisher aber vorübergehend, die Notierungen schwächten sich bereits nach wenigen Stunden wieder deutlich ab. Am Dienstag und Mittwoch beruhigte sich die Lage teilweise mit Preisen klar unter 100 Dollar. Die Lage im Kriegsgebiet blieb unübersichtlich - am Donnerstagmorgen lag der Ölpreis wieder um die 100 Dollar.

Am Mittwoch wurden verschiedene Gegenmaßnahmen gegen die hohen Öl- und Spritpreise beschlossen. So hat die Internationale Energieagentur IEA angekündigt, dass die 32 Mitgliedsländer der Agentur 400 Millionen Barrel Rohöl aus ihren strategischen Reserven freigeben - mehr als je zuvor bei einer gemeinsamen Aktion. Zudem sollen Tankstellen in Deutschland nach Plänen der Regierung nur noch einmal am Tag ihre Spritpreise erhöhen dürfen. Ob das etwas an den hohen Preisen ändert, ist noch offen.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa

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