Wirtschaft

Live-Daten zu Benzin und DieselSo bewegen sich die Spritpreise

11.03.2026, 18:48 Uhr
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Bomben auf Teheran, steigende Spritpreise in Deutschland: Verbraucher spüren die Folgen des Krieges im Alltag. (Foto: picture alliance / SIPA)

Der Krieg im Iran führt in Deutschland zu spürbaren Verwerfungen: Die Preise für Benzin und Diesel ziehen kräftig an, die Kosten für Heizöl, Transport und Lebensmittel dürften bald folgen. Was kostet Rohöl aktuell an den Weltmärkten? Die Daten zur Spritpreiskrise im Überblick.

Schock für Verbraucher: An den deutschen Tankstellen sind die Kraftstoffpreise den zwölften Tag in Folge gestiegen. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt kostete ein Liter Superbenzin der Sorte E10 in der Spitze knapp 2,05 Euro - gut 30 Cent je Liter mehr als vor Beginn der Angriffe auf den Iran. Der Liter Diesel lag zeitweise sogar bei 2,19 Euro. Damit lag der Dieselpreis um gut 47 Cent je Liter über dem Niveau von Ende Februar.

Immerhin: Eineinhalb Wochen nach Kriegsbeginn zeichnet sich eine erste Abschwächung ab. Aktuelle Daten aus den Beständen der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) im Bundeskartellamt machen die Bewegungen nachvollziehbar. Wie haben sich die Preise für Benzin der Sorten E5 und E10 sowie für Diesel im bundesweiten Durchschnitt seit Jahresbeginn entwickelt?

Die Nervosität ist groß, die Lage dramatisch: Neuerliche Drohungen in der Straße von Hormus schüren die Sorge, dass der Krieg gegen den Iran länger andauern könnte als erwartet. Wichtige Abnehmerländer wie etwa Japan, Südkorea und vor allem China beziehen große Anteile ihrer Energieimporte aus der Golfregion.

Hinweis: Alle aktuellen Ereignisse im ntv Liveticker zum Iran-Krieg

Eine Ausweitung des Iran-Kriegs mit brennenden Raffinerien in Saudi-Arabien, Katar, den Emiraten und Bahrain, Drohnenangriffe auf Tanker und die anhaltende Seeblockade an der Einfahrt zum Persischen Golf stürzen die Rohstoffmärkte ins Chaos. Rohöl der Nordseesorte Brent verteuerte sich zu Beginn der zweiten Kriegswoche auf bis zu 98,96 US-Dollar je Barrel. Kurzzeitig kostete das Fass Rohöl im US-Handel sogar deutlich mehr als 100 Dollar.

Indirekt verteuern sich durch die Verknappung am Weltmarkt auch die für Deutschland entscheidenden Rohstoffpreise - mit allen volkswirtschaftlichen Konsequenzen für Transport-, Energie und Produktionskosten. Der Gasoil-Future zum Beispiel, der als Terminkontrakt für die Region Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam die Richtung für den gesamten europäischen Diesel-Markt vorgibt, schnellte in den ersten Kriegstagen steil nach oben.

Auslöser waren iranische Vergeltungsschläge, bei denen in den ersten Kriegstagen unter anderem auch die größte Raffinerie Saudi-Arabiens am Standort Ras Tanura getroffen wurde. Ähnliche Angriffe meldeten Beobachter auch aus Bahrain, Katar, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Empfindlich spürt der Rohstoffmarkt jedoch vor allem auch die Blockade der Straße von Hormus. Über diese Meerenge läuft der Löwenanteil der Rohstoffexporte aus den Golf-Staaten.

Alternativen gibt es kaum: Saudi-Arabien verfügt mit der Ost-West-Pipeline zwar eine Ausweicheroute über Land. Der Öltransport durch die Pipelinie-Röhren quer durch die Wüste der Arabischen Halbinsel in Richtung Rotes Meer kann die Tanker-Kapazitäten nicht ersetzen.

Beim Gasoil-Future zeigt sich, wie eng das Netz der weltweiten Handelsbeziehungen mittlerweile verwoben ist: Die Nachfrage nach Diesel übersteigt in Europa die Produktionskapazitäten. Händler kaufen daher Diesel-Kontingente aus anderen Weltregionen an, die europäischen Raffinerien exportieren dafür Benzin.

Abgerechnet wird beim Diesel-Vorprodukt Gasoil in US-Dollar je 100 Tonnen schwefelarmes Gasoil. Binnen weniger Tage nach Kriegsbeginn kletterte die Gasoil-Notierung von einem Niveau bei rund 750 Dollar Ende Februar auf bis zu 1166 Dollar zu Wochenbeginn.

Schwankungen im Preis sind im Rohstoffhandel eigentlich an der Tagesordnung: Die Märkte reagieren üblicherweise schon in alltäglichen Situationen sehr sensibel auf das Auf und Ab der Konjunkturdaten, politische Signale oder konkretere Absatzprognosen.

Eine Unterbrechung der Handelsströme in einem Ausmaß wie aktuell am Golf versetzt die Welt der Händler jedoch komplett in den Ausnahmezustand: Wie werden die von fossilen Energieträgern abhängigen Industriestaaten reagieren? Wann werden die Spritpreise in Deutschland wieder dauerhaft sinken? Was heißt das für die deutsche Wirtschaft, den privaten Konsum, die Verbraucherpreise?

In ersten Reaktionen kündigt die Bundesregierung eine stärkere Regulierung bei den Tankstellenpreisen an. Zusammen mit anderen Staaten gibt Deutschland zudem einen Teil der strategischen Ölreserven frei. Tatsächlich gibt es bei den Kraftstoffen auch auf der Ebene der Verbraucher erste Anzeichen für eine mögliche Trendwende: Der scharfe Preisanstieg der vergangenen Tage kam in der Mitte der zweiten Kriegswoche zum Erliegen.

Mit Argusaugen achten Autofahrer und auch Kartellwächter darauf, in welchem Umfang die großen Tankstellenketten die Preissenkungen im Großhandel an die Verbraucher weitergeben. Unabhängig von den bekannten Bewegungen im Tagesverlauf müssten die laufend berechneten Durchschnittspreise in Deutschland auch im mehrtägigen Vergleich wieder nachgeben.

Und: Die Preise für Benzin und Diesel an den Zapfsäulen bewegen sich derzeit zwar auf ähnlichen Niveaus wie in den ersten Monaten nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022. Von den Rekorden kurz nach dem damaligen Kriegsausbruch sind sie aber noch ein gutes Stück entfernt. Der Preis für Diesel zum Beispiel hatte sein bisheriges Allzeithoch am 10. März 2022 markiert, als der Liter im Schnitt bei 2,321 Euro lag. Super E10 stieg am 14. März 2022 zeitweise auf bis zu 2,203 Euro.

Mit den eingeleiteten Gegenmaßnahmen könnte sich die Lage am Rohölmarkt vorübergehend entspannen. Entscheidend für die weiteren Entwicklungen dürfte jedoch der Kriegsverlauf am Golf sein. Ohne ein schnelles Ende der US-amerikanischen und israelischen Bombardierungen dürfte der Iran die Angriffe auf die Öl-Infrastruktur der Nachbarstaaten fortsetzen. Noch vollkommen unklar ist, ab wann die Meerenge von Hormus für die zivile Schifffahrt wieder passierbar ist. Die strategischen Reserven China, Indiens und Europas sind begrenzt. Der Ölmarkt, so sieht es aus, bleibt wohl weiter massiv unter Druck.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa

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