Wirtschaft

Live-Daten zum TankrabattSo reagieren Benzin und Diesel

24.04.2026, 11:50 Uhr
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Schockmoment an der Tankstelle: Der Iran-Krieg erreicht den eigenen Geldbeutel. (Foto: picture alliance / dpa)

Der Krieg im Iran führt in Deutschland zu spürbaren Verwerfungen: Die Preise für Benzin und Diesel ziehen steil an. Der weltweite Energiepreisschock trifft auch Verbraucher in Deutschland. Bringt der "Tankrabatt" die erhoffte Entlastung? Die aktuellen Preise für Benzin und Diesel im Überblick.

Schockmomente für Autofahrer: An den deutschen Tankstellen sind die Kraftstoffpreise seit Beginn der Angriffe im Iran kräftig gestiegen. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt kostete ein Liter Superbenzin der Sorte E10 Anfang April in der Spitze knapp 2,19 Euro - gut 41 Cent je Liter mehr als vor Beginn des Krieges in der Golf-Region. Der Liter Diesel kletterte zeitweise sogar bis auf 2,43 Euro. Damit lag der Dieselpreis um 61 Cent über dem Niveau von Ende Februar.

Die Verwerfungen sind groß, der Ausblick unsicher: Eineinhalb Wochen nach Kriegsbeginn zeichnete sich eine erste Abschwächung ab. Zum Start der vierten Kriegswoche lösten Äußerungen des US-Präsidenten heftige Gegenreaktionen aus. Die USA befänden sich demnach mit dem Iran "sehr guten und konstruktiven Gesprächen", teilte Donald Trump mit. Dabei gehe es um die "vollständige und endgültige Beilegung unserer Kampfhandlungen". Die Ölpreise sackten daraufhin steil ab. Die vereinbarte Waffenruhe ist brüchig, das US-Militär blockiert weiter iranische Häfen, die Straße von Hormus ist für Öltanker weiterhin nicht frei und gefahrlos befahrbar.

Die Preise für Benzin und Diesel geben an den Zapfsäulen in Deutschland bisher allerdings nur langsam nach. Wie reagieren die Kraftstoffpreise auf die geopolitische Lage? Aktuelle Daten aus den Beständen der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) im Bundeskartellamt machen die Bewegungen nachvollziehbar. Erkennbar wird, wie stark sich die Preise für Benzin der Sorten E5 und E10 sowie für Diesel im bundesweiten Durchschnitt seit Jahresbeginn verändern.

Hinweis: Die Daten zur Entwicklung der Kraftstoffpreise werden laufend aktualisiert.

Die Lage am Persischen Golf bleibt fragil, die Nervosität hält an: Die wechselseitigen Drohungen mit Blick auf die Straße von Hormus schüren die Sorge, dass der Krieg gegen den Iran womöglich noch Monate andauern könnte. Wichtige Abnehmerländer wie etwa Japan, Südkorea und vor allem China beziehen große Anteile ihrer Energieimporte aus der Golfregion. Die kriegsbedingten Engpässe wirken sich über kurz oder lang auch auf die Versorgungssituation in Europa aus.

Hinweis: Alle aktuellen Ereignisse im ntv Liveticker zum Iran-Krieg

Eine Ausweitung des Iran-Kriegs mit brennenden Raffinerien in Saudi-Arabien, Katar, den Emiraten und Bahrain, Drohnenangriffe auf Tanker und einer andauernden Seeblockade an der Einfahrt zum Persischen Golf stürzen die Rohstoffmärkte ins Chaos. Rohöl der Nordseesorte Brent verteuerte sich im März auf bis zu 118,35 US-Dollar je Barrel. Den Anstieg des Ölpreises bekommen auch Abnehmer in den USA zu spüren: Das Fass Rohöl der US-Referenzmarke West Texas Intermediate (WTI) stieg zwischenzeitlich ebenfalls deutlich über die 100-Dollar-Marke.

Indirekt verteuern sich durch die Verknappung am Weltmarkt auch die für Deutschland entscheidenden Rohstoffpreise - mit allen volkswirtschaftlichen Konsequenzen für Transport-, Energie und Produktionskosten. Der Gasoil-Future zum Beispiel, der als Terminkontrakt für die Region Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam die Richtung für den gesamten europäischen Diesel-Markt vorgibt, schnellte in den ersten Kriegstagen steil nach oben.

Auslöser waren iranische Vergeltungsschläge, bei denen in den ersten Kriegstagen unter anderem auch die größte Raffinerie Saudi-Arabiens am Standort Ras Tanura getroffen wurde. Ähnliche Angriffe meldeten Beobachter auch aus Bahrain, Katar, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Empfindlich spürt der Rohstoffmarkt jedoch vor allem auch die Blockade der Straße von Hormus. Über diese Meerenge läuft der Löwenanteil der Rohstoffexporte aus den Golf-Staaten.

Alternativen gibt es kaum: Saudi-Arabien verfügt mit der Ost-West-Pipeline zwar eine Ausweicheroute über Land. Der Öltransport durch die Pipelinie-Röhren quer über die Arabische Halbinsel in Richtung Rotes Meer kann die Tanker-Kapazitäten allerdings kaum ersetzen. Dafür reichen die Kapazitäten der Anlage nicht aus.

Beim Gasoil-Future zeigt sich, wie eng das Netz der weltweiten Handelsbeziehungen mittlerweile verwoben ist: Die Nachfrage nach Diesel übersteigt in Europa die Produktionskapazitäten. Händler kaufen daher Diesel-Kontingente aus anderen Weltregionen an, die europäischen Raffinerien exportieren dafür Benzin.

Abgerechnet wird beim Diesel-Vorprodukt Gasoil in US-Dollar je 100 Tonnen schwefelarmes Gasoil. Binnen weniger Tage nach Kriegsbeginn kletterte die Gasoil-Notierung von einem Niveau bei rund 750 Dollar Ende Februar auf bis zu 1166 Dollar zu Wochenbeginn.

Schwankungen im Preis sind im Rohstoffhandel eigentlich an der Tagesordnung: Die Märkte reagieren üblicherweise schon in alltäglichen Situationen sehr sensibel auf das Auf und Ab der Konjunkturdaten, politische Signale oder konkretere Absatzprognosen.

Eine Unterbrechung der Handelsströme in einem Ausmaß wie aktuell am Golf versetzt die Welt der Händler jedoch komplett in den Ausnahmezustand: Wie werden die von fossilen Energieträgern abhängigen Industriestaaten reagieren? Wann werden die Spritpreise in Deutschland wieder dauerhaft sinken? Was heißt das für die deutsche Wirtschaft, den privaten Konsum, die Verbraucherpreise?

In ersten Reaktionen kündigte die Bundesregierung eine stärkere Regulierung bei den Tankstellenpreisen an. Zusammen mit anderen Staaten gibt Deutschland zudem einen Teil der strategischen Ölreserven frei. Tatsächlich gibt es bei den Kraftstoffen auch auf der Ebene der Verbraucher erste Anzeichen für eine mögliche Trendwende: Der scharfe Preisanstieg der ersten Kriegstage kam in der Mitte der zweiten Kriegswoche vorübergehend zum Erliegen, der Höhepunkt des Preisdrucks scheint überschritten - bedingt vor allem durch die Aussicht auf ein rasches Ende der Kampfhandlungen am Golf.

Tankrabatt ab 1. Mai

In Deutschland reagiert die Bundesregierung mit weitreichenden Maßnahmen. Ab 1. Mai soll eine Absenkung der Steuern auf Benzin und Diesel für Entlastung sorgen. Befristet für zwei Monate wird der Steuersatz im Rahmen des "Tankrabatts" um rund 17 Cent pro Liter herabgesetzt. Mit Argusaugen achten Autofahrer und Kartellwächter darauf, in welchem Umfang die großen Tankstellenketten die Rabatteffekte und die Preissenkungen im Großhandel an die Verbraucher weitergeben. Unabhängig von den bekannten Bewegungen im Tagesverlauf müssten die laufend berechneten Durchschnittspreise in Deutschland auch im mehrtägigen Vergleich wieder nachgeben.

Und: Die Preise für Benzin und Diesel an den Zapfsäulen bewegen sich derzeit zwar auf ähnlichen Niveaus wie in den ersten Monaten nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022. Von den Rekorden kurz nach dem damaligen Kriegsausbruch sind sie aber noch ein gutes Stück entfernt. Der Preis für Diesel zum Beispiel hatte sein bisheriges Allzeithoch am 10. März 2022 markiert, als der Liter im Schnitt bei 2,321 Euro lag. Super E10 stieg am 14. März 2022 zeitweise auf bis zu 2,203 Euro.

Der starke Preisanstieg an den Tankstellen trifft die Bevölkerung auf breiter Front. Die überwiegende Mehrheit der Fahrzeugbesitzer bekommt die Bewegungen beim Tanken von Benzin oder Diesel zu spüren. Nur ein Bruchteil der in Deutschland zugelassenen Pkw kommt bislang komplett ohne fossile Energieträger aus. Der Anteil der Elektro-Pkw - also der ausschließlich batteriebetriebenen Personenwagen - lag den Angaben aus dem Kraftfahrt-Bundesamt zufolge im vergangenen Jahr bei rund 3,3 Prozent.

Offen ist, wie schnell sich die Lage am Rohölmarkt selbst im Fall eines raschen Kriegsendes entspannen wird. Die mehrmonatige Unterbrechung von Transportwegen und Lieferketten hat eine tiefe Kerbe in die Logistik des Ölhandels geschlagen. Entscheidend für die weiteren Entwicklungen dürfte der Erfolg oder Misserfolg der diplomatischen Bemühungen zwischen dem Iran und den USA sein. Ohne eine schnelle Einigung dürfte der Konflikt schnell wieder aufflammen. Damit drohen auch erneut iranischen Angriffe auf die Öl-Infrastruktur der Nachbarstaaten.

Noch vollkommen unklar ist, ab wann die Meerenge von Hormus für die zivile Schifffahrt wieder passierbar ist. Die strategischen Reserven China, Indiens und Europas sind begrenzt. Der Ölmarkt, so sieht es aus, bleibt bis auf weiteres massiv unter Druck.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa

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