Wirtschaft

Nach jahrelangem Verlustgeschäft LG baut bald keine Smartphones mehr

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2013 war LG noch der drittgrößte Handy-Hersteller weltweit, verlor aber durch gehäufte Produktionsfehler immer mehr Kunden.

(Foto: imago/AFLO)

Das Handy-Geschäft des Elektronikherstellers LG schreibt schon seit Langem rote Zahlen. Bis Mitte des Jahres wollen die Südkoreaner die Sparte vollends einstampfen und sich auf "Wachstumsbereiche" konzentrieren. Vorhandene Geräte sollen aber weiterhin unterstützt werden.

Der südkoreanische Elektronikhersteller LG schließt seine verlustbringende Smartphone-Sparte. Der Verwaltungsrat habe den Schritt gebilligt, teilte LG Electronics mit. Es sei eine strategische Entscheidung, sich aus dem Bereich "mit unglaublich starker Konkurrenz" zurückzuziehen. Nach jahrelangen Verlusten in der Sparte hatte sich der Rückzug des einst drittgrößten Handy-Herstellers weltweit schon seit Längerem angedeutet.

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Das Unternehmen wolle nun seine Ressourcen auf Wachstumsbereiche wie etwa Teile für Elektrofahrzeuge, miteinander verbundene Geräte, Robotertechnik, intelligentes Wohnen, künstliche Intelligenz sowie Business-to-Business-Lösungen konzentrieren, hieß es. Die Stilllegung des "Geschäfts mit Mobiltelefonen" werde voraussichtlich bis Ende Juli abgeschlossen sein.

Die Geräte, die noch auf Lager seien, sollen aber weiter zum Verkauf angeboten werden. LG will auch den Geräteservice weiter unterstützen und Software-Aktualisierungen für seine Kunden anbieten. Einzelheiten zur Beschäftigungssituation würden auf lokaler Ebene geregelt. Das hinter Samsung Electronics zweitgrößte südkoreanische Elektronikunternehmen kündigte zudem an, weiter Mobilfunk-Technologien wie 6G zu entwickeln, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit in anderen Geschäftsbereichen zu stärken. 6G gilt als die nächste Stufe der superschnellen Mobilfunkstandards.

Verkaufsgespräche zuvor wohl gescheitert

Die Ankündigung von LG über seinen Rückzug aus dem hart umkämpften Smartphone-Markt ist keine Überraschung. Zuletzt hatten Vertreter des Unternehmens davon gesprochen, dass alle Optionen einschließlich eines Verkaufs der Sparte auf dem Tisch lägen. Gespräche über den Verkauf an die vietnamesische Vingroup scheiterten an Differenzen über die Konditionen, erklärten mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Bereich mobile Kommunikation hatte seit dem zweiten Quartal 2015 in jedem Quartal einen operativen Verlust geschrieben. Für das Gesamtjahr 2020 belief sich das Defizit auf 841,2 Milliarden Won (zurzeit: 634,5 Mio Euro). LGs Marktanteil bei Smartphones in Südkorea sei schon durch die Gerüchte über einen Rückzug gefallen, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf den Marktforscher Counterpoint Research. In den Monaten Januar und Februar habe der Anteil von LG nur noch 10 Prozent betragen. Der Anteil des Marktführers Samsung sei im Februar im Jahresvergleich um 4 Prozentpunkte auf 69 Prozent gestiegen.

Mit einer Reihe von Innovationen stieg das Unternehmen in der ersten Jahreshälfte 2013 zum drittgrößten Handy-Hersteller der Welt auf, hinter Samsung und Apple. Doch durch Soft- und Hardware-Fehler bei den Spitzenmodellen rutschte die Marke in der Gunst der Käufer immer weiter ab. Analysten kritisierten das Unternehmen auch wegen mangelnder Expertise im Marketing im Vergleich zu chinesischen Rivalen.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/rts

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