Wirtschaft

Müllbeutel als Benzinkanister Lage an US-Tankstellen verschärft sich

cf58ecc7fc6c84f13903a309e83f8033.jpg

Die Preise an den Tankstellen sind hoch wie seit 2014 nicht. Viele Autofahrer decken sich ein.

(Foto: REUTERS)

Nach dem Hackerangriff auf die Colonial Pipeline geht vielen Tankstellen an der US-Ostküste das Benzin aus. Die Versorgung läuft langsam wieder an, doch das hält besorgte Kunden nicht vom Hamstern ab. Durch abenteuerliche Transportlösungen bringen sie sich und andere in Gefahr.

Nach dem Cyberangriff auf die größte Benzin-Pipeline in den USA ist es im Südosten des Landes zu Engpässen an Tankstellen gekommen. Der Experte Patrick De Haan von der Marktanalysefirma Gasbuddy twitterte, im Bundesstaat North Carolina sei an 70 Prozent der Tankstellen kein Benzin mehr erhältlich. In Virginia seien 53 Prozent der Tankstellen betroffen, in South Carolina und in Georgia sei es jeweils knapp jede zweite. Auch in anderen Bundesstaaten im Südosten der Vereinigten Staaten gab es demnach Engpässe.

An den Zapfsäulen, an denen Autofahrer Sprit horteten, kam es teils zu chaotischen Szenen. US-Medien verbreiteten ein Instagram-Video von einer Schlägerei an einer Tankstelle in North Carolina, wo sich eine Fahrerin offenbar in der Schlange an einer Zapfsäule vordrängeln wollte. Die US-Verbraucherschutzbehörde CPSC sah sich am Mittwoch dazu gezwungen, auf Twitter davor zu warnen, Benzin in Plastiktüten zu füllen. "Wir wissen, das klingt einfach, aber wenn Menschen verzweifelt sind, denken sie nicht mehr klar."

Auch Verkehrsminister Pete Buttigieg betonte, Treibstoff dürfe nur direkt in den Tank oder in zugelassene Behälter gefüllt werden. "Jetzt ist der Moment, vorsichtig und vernünftig zu sein." Buttigieg rief die Bevölkerung grundsätzlich zur Ruhe auf. Die Regierung verstehe zwar die Sorgen der Menschen. "Aber Hamstern macht es nicht besser." "Wir haben Benzin, wir müssen es nur zu den richtigen Orten bringen", sagte Energieministerin Jennifer Granholm.

Entspannung wohl erst am Freitag

De Haan rechnete trotz der schrittweisen Wiederaufnahme des Betriebs der Pipeline am Mittwoch mit einer möglichen Verschärfung der Benzin-Knappheit im Südosten der USA vor eine Entspannung der Lage an diesem Freitag. Die Engpässe haben die Spritpreise in den USA auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2014 getrieben.

Nach Angaben der Betreibergesellschaft Colonial dürfte es mehrere Tage dauern, bis die Anlage wieder normal läuft. Die Firma hatte Ende vergangener Woche bestimmte Systeme nach einer Cyberattacke vom Netz genommen, um die Bedrohung einzudämmen. Der Betrieb der Pipeline kam dadurch komplett zum Erliegen. Die Colonial Pipeline ist für die Versorgung des Landes von großer Bedeutung, sie transportiert etwa 45 Prozent aller an der Ostküste verbrauchten Kraftstoffe.

Viele Hintergründe des Cyberangriffs sind weiterhin unklar. So ist etwa unbekannt, wie viel Geld die Hackergruppe Darkside, die als verantwortlich für die Attacke gilt, von Colonial erpressen wollte. Das Unternehmen hielt sich bislang auch bedeckt dazu, ob überhaupt Lösegeld gezahlt wurde. Eine stellvertretende Nationale Sicherheitsberaterin hatte am Montag im Weißen Haus erklärt, die Regierung habe dazu auch keine Informationen. Momentan sei von einem "kriminellen Akt" auszugehen. Es würden aber alle Hinweise geprüft, auch mit Blick auf eine mögliche Verwicklung staatlicher Akteure.

Als Reaktion auf die jüngsten Cyberangriffe will die US-Regierung den Schutz vor Hackern verbessern. US-Präsident Joe Biden unterzeichnete am Mittwoch eine entsprechende Verfügung. Damit sollten unter anderem IT-Dienstleister verpflichtet werden, Informationen über ein Eindringen in ihre Netzwerke mit den Behörden zu teilen. Standards für stärkere Cyber-Schutzmaßnahmen in der Bundesregierung sollten modernisiert werden. Auch bei der Entwicklung von Software für die Bundesregierung sollen künftig höhere Sicherheitsmaßstäbe gelten, wie das Weiße Haus weiter mitteilte. Für die Reaktion der Behörden auf Cyberangriffe soll ein Drehbuch entworfen werden. Die Verfügung sieht die Einrichtung eines Gremiums mit Vertretern der Regierung und der Privatwirtschaft vor, das nach Cyberangriffen konkrete Empfehlungen zur Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen geben kann.

Quelle: ntv.de, ino/AFP/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.