Wirtschaft

Mehrwertsteuer als Werbethema Lebensmittelhändler zögern bei Preisanhebung

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Nicht alle Lebensmittelmärkte wollen die höhere Mehrwertsteuer auf die Kunden umschlagen.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Seit Jahresbeginn gilt wieder der normale Mehrwertsteuersatz. Damit endet die staatlich initiierte Rabattaktion zur Belebung der Wirtschaft. Doch einige Lebensmittelmärkte wollen zunächst an den reduzierten Steuersätzen festhalten.

Viele Lebensmittelhändler haben erneut die Mehrwertsteuer als Werbethema ausgemacht. So zögern einige Marktgrößen, die seit Jahresbeginn wieder angehobene Abgabe direkt an die Kunden weiterzugeben. So teilte etwa der Discounter Lild mit, dass in den landesweit mehr als 3200 Filialen der Kette weiterhin nur der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 16 und 5 Prozent angewendet würde. Gleiches hatte zuvor die zur Edeka-Gruppe gehörende Discount-Kette Netto angekündigt. Die Supermarktkette Rewe hatte bereits vor dem Jahreswechsel angekündigt, dass die Rückkehr zu den regulären Steuersätzen von 19 und 7 Prozent angesichts Tausender neu zu gestaltender Etiketten pro Markt "in den ersten Tagen des Januars" umgesetzt werde.

Dass die Mehrwertsteuer ein Thema ist, mit dem sich die Händler gerne profilieren, zeigte sich bereits bei der Senkung im vergangenen Sommer. Damals wartete Lidl den Stichtag gar nicht ab, sondern senkte schon mehr als eine Woche vorher die Preise. Rivale Aldi konterte und stockte die Mehrwertsteuersenkung zu einem Preisnachlass von drei Prozent auf das gesamte Sortiment auf. Der zusätzliche Rabatt kostete den Discounter nach eigenen Angaben einen dreistelligen Millionenbetrag.

Klöckner warnt: Nicht auf Kosten der Landwirte

Der Bund hatte im Sommer die Mehrwertsteuer reduziert, um den Konsum anzukurbeln und den Einzelhandel inmitten der Corona-Krise zu beleben. Über den Erfolg der Aktion gehen die Meinungen bei Ökonomen und Wirtschaftsvertretern auseinander. Die Aktion war von Beginn an bis zum 31. Januar befristet.

Derweil warnte Bundesagrarministerin Julia Klöckner die Händler davor, die aktuellen Preisaktionen auf Kosten der Bauern auszutragen. "Dass die drei Prozent Mehrwertsteuer nicht direkt wieder an die Verbraucher weitergereicht werden, darf nicht auf dem Rücken der landwirtschaftlichen Erzeuger und ihrer Marge geschehen!", verlangte sie.

Das Branchenfachblatt "Lebensmittel Zeitung" sieht allerdings Anzeichen dafür, dass "in den kommenden Wochen überall die Preise um die gestiegene Mehrwertsteuer erhöht werden". Aldi Süd teilte mit, das Unternehmen habe die Preise nach dem Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung "zu Jahresbeginn wieder entsprechend angepasst". Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka verfolgt die Entwicklung aufmerksam: "Wir beobachten den Wettbewerb und werden unseren Kunden auch künftig wettbewerbsfähige Preise bieten", erklärte ein Sprecher.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa