Wirtschaft

Bund muss wieder Zinsen zahlen Lindner schwört auf Ausgabendisziplin ein

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Lindner bekräftigt einmal mehr die Rückkehr zur Schuldenbremse.

(Foto: imago images/Political-Moments)

Erstmals seit rund drei Jahren muss der Staat auf zehnjährige Bundesanleihen Geld zahlen, anstatt wie bislang Gewinn zu machen. Das erhöht den Druck auf Finanzminister Lindner. Anleger dürften von der positiven Rendite trotzdem kaum profitieren.

Lange hat der deutsche Staat dank negativer Zinsen mit Schulden Gewinne verbucht - Anleger mussten drauf zahlen, wenn sie ihm Geld borgten. Nun muss der Staat zumindest für zehnjährige Bundesanleihen wieder etwas Geld zahlen. Aus Sicht von Ökonomen hat die geknackte "Null-Marke" aber eher symbolischen Wert. Am heutigen Mittwoch war die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen erstmals seit knapp drei Jahren wieder positiv. Sie stieg am Vormittag bis auf rund 0,02 Prozent.

Es ist das erste Mal seit Mai 2019, dass zehnjährige Bundesanleihen eine positive Rendite abwerfen. Die Wertpapiere gelten als richtungsweisend. Die steigende Inflation macht sich damit stärker an den Kapitalmärkten bemerkbar.

Bundesfinanzminister Christian Lindner hat angesichts der steigenden Renditen eine größere Ausgabendisziplin angemahnt. "Staatsverschuldung ist nicht umsonst zu haben. Die Entwicklung bei den Staatsanleihen erinnert uns daran", sagte der FDP-Politiker. Er bestätigte das Ziel, im kommenden Jahr zur Schuldenbremse zurückzukehren. "Wenn Zinsausgaben steigen, dann muss die Politik erst recht Prioritäten setzen", sagte Lindner. Man müsse bei den Konsumausgaben der Gegenwart Maß halten, damit Spielraum für Investitionen in Zukunftsaufgaben entstehe.

Kaum Vorteile für Anleger

Für Anleger ist der Anstieg allerdings nicht mehr als ein kleiner Hoffnungsschimmer. Denn abzüglich der Inflation von in Deutschland zuletzt mehr als fünf Prozent bringen die Papiere real, also unter dem Strich, Verluste ein. Für Kreditnehmer wie Bauherren ergeben sich eher negative Konsequenzen, da die Kapitalmarktzinsen die Kosten von Baudarlehen beeinflussen. Steigen die Bundesrenditen, erhöhen sich auch meist die Hypothekenzinsen - allerdings ausgehend von einem vergleichsweise sehr niedrigen Niveau.

Für den deutschen Staat bedeuten steigende Kapitalmarktzinsen eher schlechte Nachrichten. Denn der Bund finanziert einen Teil seiner Ausgaben über neue Schulden. Steigen die Zinsen, steigen die Belastungen. Allerdings ist die Staatskasse seit Jahren durch die extrem niedrigen und teils negativen Zinsen erheblich entlastet worden. Auch dürften sich die Auswirkungen der aktuellen Entwicklung auf den Bundeshaushalt in Grenzen halten und keine allzu große Last sein. Auch hier bleiben nach Abzug der Inflation die Finanzierungskosten günstig.

Ausgangspunkt des Zinsanstiegs auf den Kapitalmärkten sind die USA. Dort wird von der Notenbank Fed angesichts der Inflation von derzeit sieben Prozent ein deutliches Gegensteuern erwartet. Die Märkte rechnen für dieses Jahr mit bis zu vier Zinsanhebungen der Fed. Aufgrund der hohen Bedeutung der US-Finanzmärkte setzt sich der Zinsauftrieb in vielen anderen Volkswirtschaften fort.

EZB hält noch die Füße still

Die EZB dagegen sende noch keine Signale einer baldigen Zinserhöhung, schrieb Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Deshalb sei der Renditeanstieg eine Sache länger laufender Staatstitel. Die kurzfristigen Zinsen blieben wegen des EZB-Kurses tief, während es im länger laufenden Zinsbereich nach oben gehe.

Aufgrund der abwartenden Haltung der EZB rechnen Fachleute nicht mit einem starken Anstieg der Kapitalmarktzinsen in Deutschland. Solange die Währungshüter an ihrer Grundhaltung festhielten, dürften die Bundesrenditen ihren US-Pendants nur mit gebremstem Tempo folgen, erwartet Anleihenexperte Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg. In den USA beträgt der Zins für zehnjährige Staatsanleihen aufgrund der strafferen Haltung der Fed rund 1,9 Prozent.

Auch die Staatskassen anderer Länder der Eurozone und der EU wurden durch die teils negativen Zinsen erheblich entlastet. Allerdings könnte ein steigendes Zinsniveau für viele der teils hoch verschuldeten Staaten finanzielle Nöte mit sich bringen. Dagegen spricht aus Sicht des zur Deutschen Bank gehörenden Vermögensverwalters DWS aber die Aussicht auf eine anhaltend lockere Geldpolitik der EZB. "Derzeit erwarten wir nicht, dass der Markt deren Refinanzierungsfähigkeit testen wird", kommentierte DWS-Anleihenexperte Oliver Eichmann.

Darüber hinaus habe es in Europa mit dem Corona-Krisenfonds bereits eine teilweise Vergemeinschaftung von Staatsschulden gegeben. Allerdings könnte die jüngste Zinsentwicklung einige Investoren dazu bewegen, Kapital aus höher verschuldeten Staaten des Euroraums abzuziehen. "Daher gehen wir auf Sicht von zwölf Monaten von moderat steigenden Risikoprämien italienischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen aus." Italien zählt im Währungsraum zu den am höchsten verschuldeten Staaten.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa

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