Wirtschaft

Ökonom befürchtet Öffnungs-Jo-Jo Lockdown kostet schon 250.000.000.000 Euro

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Gespaltene Wirtschaft: Während die Industrie wieder anzieht, steht der Dienstleistungssektor weitgehend still.

(Foto: picture alliance / SvenSimon)

Die Pandemie trifft auch die Wirtschaft deutlich stärker als noch vor wenigen Monaten erwartet. Reihenweise senken die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen. Die Kosten des Lockdowns sind bereits schwindelerregend, könnten aber noch deutlich steigen.

Angesichts anhaltender Pandemie-Beschränkungen senken führende Institute ihre Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft, allerdings auf unterschiedlichem Niveau. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr nur um 3,7 Prozent und nicht - wie noch im Dezember erwartet - um 4,2 Prozent zulegen, sagt etwa das Münchner Ifo-Institut voraus. "Die Corona-Krise zieht sich hin und verschiebt den erwarteten kräftigen Aufschwung nach hinten", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Am Jahresende soll dann das Vorkrisenniveau wieder erreicht werden.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erwartet sogar nur ein Plus von drei statt der bislang angenommenen vier Prozent. Auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die sogenannten Wirtschaftsweisen, hatte seine Konjunkturprognose zuletzt auf 3,1 Prozent gesenkt. Mehr Zuversicht verbreitet das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), das mit plus 4,9 Prozent rechnet - angetrieben von steigenden Exporten und einem wieder in Schwung kommenden Konsum.

Für 2022 hob das Ifo-Institut seine Vorhersage von 2,5 auf 3,2 Prozent an. Insgesamt dürften sich die Kosten der Pandemie für die Jahre 2020 bis 2022 auf 405 Milliarden Euro summieren - gemessen an entfallender Wirtschaftsleistung. 2020 war die Wirtschaft um 4,9 Prozent eingebrochen. Allein die Lockdowns kosteten laut Ifo-Analyse bisher 250 Milliarden Euro. Es könnte aber noch weit teurer werden.

Spaltung der Wirtschaft droht

Ifo-Finanzexperte Andreas Peichl ging mit der Politik scharf ins Gericht: "Es wird planlos agiert und über Nebenkriegsschauplätze diskutiert, statt wichtige Dinge wie Impfen, Testen, Datenauswertung voranzutreiben." Nach dem "Dauer-Jo-Jo" beim Öffnen und Schließen befürchte er den fast schon "nächsten Lockdown wahrscheinlich über Pfingsten, dann sind die Aussichten noch trüber".

"Die Pandemie ist längst nicht überwunden", warnte auch IW-Direktor Michael Hüther. "Der Lockdown wird bis nach Ostern verlängert, das Impfen stockt, Menschen konsumieren wenig und Unternehmen investieren noch nicht wie vor der Krise."

Treibende Kräfte des Wachstums sind laut IMK in diesem Jahr der sehr dynamische Außenhandel und der private Konsum: Letzterer werde in Schwung kommen, wenn Einschränkungen gelockert würden und die Verbraucher das in der Krise angesparte Geld ausgeben könnten. Auch Investitionen liefern voraussichtlich spürbare positive Impulse, wie sich aus der Prognose des IMK ergibt. Das IW beobachtet dabei mit Sorge eine zunehmende Spaltung der deutschen Wirtschaft. Die Industrie, die von der Nachfrage insbesondere aus China und den USA profitiere, stütze die Konjunktur. Der Dienstleistungssektor stehe dagegen weitestgehend still.

Quelle: ntv.de, mbo/rts/dpa

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