Wirtschaft

Unerwartet großes Juni-Plus Lockerungen helfen Einzelhandel spürbar

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Im Juni kauften die Verbraucher vor allem Mode, Schuhe und Möbel.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Wieder geöffnete Geschäfte und niedrige Inzidenzen haben die Deutschen zum Shoppen animiert. Einzelne Branchen melden Monatsumsätze auf Vorkrisenniveau. Doch damit sind die Sorgen noch lange nicht verflogen.

Die deutschen Einzelhändler haben das erste Halbjahr wegen gelockerter Corona-Schutzauflagen mit einem unerwartet großen Umsatzplus beendet. Im Juni stiegen ihre Einnahmen um 4,6 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Preisbereinigt (real) gab es ein Plus von 4,2 Prozent. Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg um 2,0 Prozent gerechnet. "Diese Entwicklung dürfte mit der bundesweit weiter sinkenden Corona-Inzidenz und den damit verbundenen Lockerungen der Bundes-Notbremse zusammenhängen", erklärten die Statistiker den Aufwärtstrend.

Im April hatte die Bundesnotbremse noch für kräftige reale Einbußen von 6,8 Prozent gesorgt, ehe sich erste Öffnungen im Mai mit einem Plus von 4,6 Prozent positiv auf die Geschäfte auswirkten. Im gesamten ersten Halbjahr wuchs der Umsatz um 3,2 Prozent.

Im Juni kauften die Verbraucher vor allem Mode, Schuhe und Möbel. Die Erlöse mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren lag damit erstmals wieder über dem Vorkrisenniveau. Geschäfte mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf erzielten demnach fast zehn Prozent mehr Umsatz als im Februar 2020, dem letzten Monat vor der Corona-Krise.

Erholung mehr als fragil

Ohne weitere Lockdowns und bei niedrigen Infektionszahlen erwartet der Handelsverband Deutschland (HDE) im Gesamtjahr 2021 ein Wachstum von 1,5 Prozent auf dann 586 Milliarden Euro. Allerdings bietet der Einzelhandel mit seinen rund drei Millionen Beschäftigten ein gemischtes Bild - denn rasant wächst nur der Online-Handel von Amazon bis Zalando. Dieser legte von Januar bis Juni um 26,6 Prozent zu.

Angesichts der vielen Lockdown-Monate befinden sich dem HDE zufolge immer noch viele Handelsunternehmen in akuter Existenznot. So brach der Umsatz des in der Krise stark gebeutelten Handels mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren  - trotz guter Juni-Bilanz - im ersten Halbjahr um mehr als ein Viertel ein. Staatliche Hilfen würden zwar Kosten wie Mieten oder Löhne und Gehälter abfedern, doch seien die Umsätze aus den vergangenen Monaten verloren.

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Ein kleinen Dämpfer kam zudem vom HDE-Konsumbarometer: Es sank im August leicht. Die zuletzt ins Stocken geratene Impfkampagne und steigende Corona-Infektionszahlen hätten den geringfügigen Rückgang begünstigt. Es verbleibe dennoch nahe seinem Zweijahreshoch auf hohem Niveau, teilte der Branchenverband mit.

Schwankungen zeigen sich den Angaben zufolge in der Anschaffungsneigung. Nachdem sie im Vormonat noch gestiegen sei, sinke sie im August etwas. Auslöser seien möglicherweise die zurückgegangenen Einkommenserwartungen. Auch die Sparneigung der Verbraucher verringere sich etwas. "Ein spürbarer Effekt auf den privaten Konsum ist durch diese kleinen Rücksetzer aber nicht zu erwarten", betonte der Verband. In der Entwicklung der Teilindikatoren zeige sich, wie fragil die Erholung der Verbraucherstimmung noch sei. Sie stehe in starker Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen und sei entsprechend schwankungsanfällig.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/AFP/DJ

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