Wirtschaft

Platz sechs in der EU Lohnanstiege verteuern Arbeit in Deutschland

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Die Produktivität ist in den vergangenen Jahren langsamer gestiegen.

(Foto: imago images / Sabine Gudath)

Vor allem dank guter Tarifabschlüsse haben viele Arbeitnehmer in Deutschland zuletzt mehr verdient. Das hat im Umkehrschluss aber auch die Kosten für die Unternehmen erhöht. Zugleich aber ist die Produktivität gesunken. Forscher fordern daher dringend mehr Investitionen.

Arbeit in Deutschland ist deutlich teurer geworden. Im Vergleich aller EU-Länder kletterten die Kosten seit 2010 und rund 35 Euro pro Arbeitsstunde, wie aus einer Untersuchung des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung hervorgeht. Das IMK gehört zur gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Im Ranking der 28 Mitgliedstaaten landete Deutschland dabei auf dem sechsten Platz. Ähnlich hoch sind die Kosten in Niederlanden, Finnland und Österreich.

Die Arbeitskosten, die hauptsächlich aus den vom Arbeitgeber zu zahlenden Löhnen und Sozialabgaben bestehen, lagen zuletzt damit deutlich über dem EU-weiten Durchschnitt von 27 Euro pro Stunde. Im Euro-Raum sind es 30,60 Euro. Am teuersten ist Arbeit der Erhebung zufolge in Dänemark, Luxemburg, Belgien, Schweden und Frankreich. Dort müssen Arbeitgeber mit 44,70 bis 36,50 Euro pro Stunde kalkulieren. Schlusslichter sind Rumänien und Bulgarien mit Arbeitskosten von 6,50 und 5,30 Euro pro Stunde.

Allein von 2017 auf 2018 stiegen die Arbeitskosten in Deutschland um 2,3 Prozent. "Mit der guten Arbeitsmarktentwicklung der vergangenen Jahre hat sich auch das Lohnwachstum in Deutschland beschleunigt", schreiben die Autoren der Studie. "Allerdings sind die Effekte der langen Schwächephase der frühen 2000er-Jahre noch nicht ausgeglichen", sagte der wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien.

Noch vor der Finanzkrise 2008/2009 sei das Bild ein völlig anderes gewesen. Zwischen 2001 und 2010 lag die Wachstumsrate der Arbeitskosten im Schnitt bei jährlich 1,7 Prozent und damit weit unter dem EU-Durchschnitt von 3,1 Prozent. Mit den niedrigen Löhnen einher ging demnach eine schwache Nachfrage aus dem Inland, dafür aber "ein enormer Anstieg der preislichen Wettbewerbsfähigkeit".

Die niedrigen Arbeitskosten hätten dazu geführt, dass Deutschland nach wie vor deutlich mehr Waren exportiere als einführe. Diese preisliche Wettbewerbsfähigkeit sei auch durch höhere Arbeitskosten noch nicht gefährdet, hieß es.

Um den steigenden Lohntrend der vergangenen Jahre beizubehalten und vor allem die Produktivität anzukurbeln, brauche es nun deutlich mehr Investitionen als zuletzt. "Wie in anderen Industrieländern auch hat sich der Produktivitätsfortschritt in Deutschland im Vergleich zu den 1990er Jahren spürbar verlangsamt." In ausbleibenden Investitionen sehen die Forscher einen wesentlichen Grund dafür. Vor allem auf dem Bau seien in den vergangenen Jahren Digitalisierungsprozesse verschlafen worden. Heutige Kapazitätsengpässe, vor allem bedingt durch den Fachkräftemangel, hätten auf diese Weise aufgefangen werden können, sagte Dullien.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa

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