"Massenvernichtungswaffe" KILondons Bürgermeister befürchtet Massenarbeitslosigkeit

Die britische Hauptstadt ist eines der wichtigsten Finanzzentren weltweit. Im Bankwesen könnten besonders viele Tätigkeiten von Künstlicher Intelligenz übernommen werden. Sadiq Khan bangt um seine Stadt.
Mit einem drastischen Appell will Londons Bürgermeister Sadiq Khan verhindern, dass Künstliche Intelligenz (KI) zur "Massenvernichtungswaffe" für Arbeitsplätze wird. Am Abend wird er in einer Rede warnen, dass KI eine große Zahl von Jobs in der britischen Hauptstadt vernichten und "eine neue Ära der Massenarbeitslosigkeit einläuten" könnte. Das berichtet die "Financial Times". Khan wird demnach die Regierung zu Gegenmaßnahmen aufrufen.
Der Grund für seine Sorge ist einfach: London ist abhängig vom Finanzsektor, von anderen Dienstleistungen und der Kreativwirtschaft. Deshalb werde die Stadt an vorderster Front des Wandels stehen. Ohne Interventionen würden Arbeitsplätze schneller verschwinden als neue entstehen.
Khan sieht eine moralische, soziale, aber auch wirtschaftliche Pflicht zum Handeln. London setzt dem Bericht zufolge eine Taskforce zu KI und der Zukunft der Arbeit ein. Experten aus Industrie und Politik sollen die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt untersuchen. Nach Einschätzung des Bürgermeisters werden diese nicht weniger als "kolossal" sein.
Zuerst dürften Einstiegsjobs wegfallen. Laut einer Umfrage des Rathauses geht die Hälfte der Londoner Arbeitnehmer davon aus, dass KI sich in den nächsten zwölf Monaten auf ihre Jobs auswirken wird. Die Bank Citigroup hat eine Studie veröffentlicht, nach der KI mehr als die Hälfte der Stellen im Bankwesen (54 Prozent) - und damit mehr als in allen anderen Sektoren - automatisieren könnte, etwa in der Datenanalyse. Die Prognose stammt allerdings von vor eineinhalb Jahren und hatte ebenfalls ergeben, dass auch neue Arbeitsplätze entstehen.
Superkraft oder Jobkiller?
Khan sieht auch Potenzial in Künstlicher Intelligenz, etwa für öffentliche Dienstleistungen. Die Regierung habe die Wahl: sie als "Superkraft" für positive Veränderungen zu nutzen oder tatenlos zuzusehen, wie diese massenhaft Jobs killt. Aus dem Bericht geht allerdings nicht hervor, wie das Stadtoberhaupt gegen Massenarbeitslosigkeit durch unbedachte KI-Nutzung sowie eine "beispiellose Konzentration von Reichtum und Macht" vorgehen will.
Die Einschätzungen der Folgen von KI auf den Arbeitsmarkt gehen weit auseinander. Auch der Chef des US-KI-Unternehmens Anthropic, Dario Amodei, hatte von Massenarbeitslosigkeit und der Vernichtung von Millionen Arbeitsplätzen in den USA durch KI gesprochen. Die Hälfte aller Einstiegsjobs wäre demnach in Gefahr. Stanford-Forscher veröffentlichten vor Kurzem eine Studie, laut der es in Bereichen mit breitem KI-Einsatz bereits spürbar weniger Stellen für junge Arbeitnehmer gibt. So sank die Zahl junger Software-Entwickler in den vergangenen Jahren um ein Fünftel. Stark betroffen ist demnach auch der Kundenservice.