Wirtschaft

Trotz mehr Sicherheit Luftfahrt-Schadensfälle werden immer teurer

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Zwölf Prozent der Schadensfälle gehen auf fehlerhafte Wartungsarbeiten zurück. (Symbolbild)

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Versicherer müssen für Entschädigungen an Flugpassagiere tiefer in die Tasche greifen. Allein zwischen 2013 und 2018 sind Kosten in Milliardenhöhe entstanden - die Abstürze der Boeing 737 Max nicht eingerechnet. Sicherer ist die zivile Luftfahrt trotz alledem geworden.

Die Zahl tödlicher Luftfahrtunglücke ist laut einer Studie in den vergangenen Jahren zurückgegangen, dafür ist aber die Schadenssumme gestiegen. Trotz der Abstürze von zwei Maschinen vom Typ Boeing 737 Max im Oktober 2018 in Indonesien und im März 2019 in Äthiopien mit insgesamt 346 Todesopfern sei die zivile Luftfahrt so sicher wie nie zuvor, heißt es im Bericht "Aviation Risk 2020".

Er wurde von der Luftfahrtsparte der Allianz-Versicherung (AGCS) und der US-Luftfahrthochschule Embry-Riddle vorgestellt. 2017 wurden demnach erstmals keine Todesopfer durch Abstürze von Verkehrsflugzeugen registriert. 2018 sei trotz 556 Toten bei 15 Unfällen das drittbeste Jahr in der Luftfahrtgeschichte. Von mehr als 29.000 Toten bei 500 Flugzeugabstürzen, die AGCS seit 1957 zählt, entfielen gerade einmal 2200 auf die Jahre seit 2007.

Der Schadensumfang von Unfällen in der Luftfahrt nehme allerdings zu, hieß es weiter. Dies hänge damit zusammen, dass die Flugzeuge teurer würden und den Opfern oder Hinterbliebenen höhere Entschädigungssummen zu zahlen seien, erläuterte der Nordamerika-Chef von AGCS, Dave Warfel.

Ein Vogel verursacht 18 Millionen Euro Schaden

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Der Bericht bezieht sich auf die Jahre 2013 bis 2018, hat also nicht den Absturz in Äthiopien berücksichtigt. In diesem Zeitraum gab es 51.867 Entschädigungsforderungen mit einem Gesamtumfang von 14,8 Milliarden Euro. Zusammenstöße und andere Unfälle machten gut ein Viertel (27 Prozent) der Schadensfälle und 57 Prozent des Schadenswertes aus. Zwölf Prozent der Fälle gingen dem Bericht zufolge auf fehlerhafte Wartungsarbeiten zurück und sechs Prozent auf Technik-Ausfälle.

Vogelschlag, also die Kollision von Flugzeugen mit Vögeln, verursachte der Studie zufolge Schäden in Höhe von umgerechnet 296 Millionen Euro. Mehr als tausend Betroffene forderten in den vergangenen fünf Jahren wegen solcher Vorfälle Entschädigungen. In Deutschland habe ein Vogel, der sich in einem Triebwerk verfing, mehr als 18 Millionen Euro Schaden verursacht. Mit dem Klimawandel nähmen auch die Turbulenzen in der Luft zu, die oft zu Notlandungen führten, sagte AGCS-Manager Axel von Frowein.

Die momentan mit Startverboten versehene Boeing 737 Max werde voraussichtlich einer der größten Versicherungsschäden in der Luftfahrt-Geschichte, meint AGCS. Solche von den Behörden erzwungenen "Groundings" werden in den nächsten Jahren noch zunehmen und länger dauern, erwartet Till Kürschner, der bei AGCS für Luftfahrtschäden in Zentral- und Osteuropa zuständig ist. "Solche Vorfälle verdeutlichen, wie schwierig es mitunter ist, technische Lösungen für komplexe Probleme zu finden. Daher rechnen wir in Zukunft mit häufigeren und längeren Flugverboten." Die Behörden für Zivilluftfahrt und Flugsicherheit seien mit Recht vorsichtiger geworden.

Quelle: ntv.de, jru/AFP/rts